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Freitag, den 13.05.2011
Die Konstanz des Windes ist sehr angenehm. Die Bewegungen des Schiffes nach wie vor eher weniger. Wir brauchen kaum etwas an den Segeln zu ändern. Auch heute ist der Himmel wieder stark bedeckt. In einiger Entfernung sind Regengüsse erkennbar. Auf dem Radarschirm zeichnen sich im Südwesten die Umrisse der Insel Ponta Delgada ab. Noch 90 Seemeilen bis zu unserem Zielort. Diesen Abend werden wir ankommen und endlich wieder einmal ruhig schlafen.
Inzwischen ist es 17:00 und die Insel Terceira ist in der Ferne sichtbar. Die Flaggen werden gesetzt und die Fischerleine eingeholt und sortiert. Noch 20 sm.
Einige Stunden später laufen wir in Vittoria ein. Kaum sind wir innerhalb der Schutzmolen meldet sich die Maritime Police und wir werden über Funk einem „Verhoer“ unterzogen. Dieses zieht sich dann über eine Stunde hin und als Resultat müssen wir um 22:00 Uhr den Anker hoch nehmen und in den Süden nach Angra fahren. Dort dürfen wir dann ankern. Der wirkliche Grund, für diese Ablehnung können wir nur vermuten. Die Amerikaner unterhalten oberhalb des Hafens eine Air Base und wegen befürchteten Anschlägen sind Vorschriften erlassen worden, die uns in dem Sinne auch betreffen. Könnte zumindest ein Grund sein. Anyway, schimpfen nützt jeweils nichts. Die Autorität, der Hafenbehörde ist unantastbar. Nach 24:00 ankern wir dann, im zurzeit unruhigen Hafen vor Angra de Heroismo. Die Bewegungen des Schiffes werden uns also auch diese Nacht nicht in Ruhe lassen. Aber alle sind wohl auf und wir freuen uns auf unsere Zeit auf den Azoren. ur
Donnerstag, den 12.05.2011
Trist und grau präsentiert sich der neue Tag an diesem Morgen und vor allem ist es kalt. Der Gedanke an wärmende Handschuhe liegt nicht fern und auch eine wollene Mütze oder zumindest ein hochgeschlagener Kragen waeren bestimmt nicht fehl am Platz.
Der Wind hat seine Kraft noch nicht verloren und schiebt uns stetig westwärts. Das ist auch gut so, denn das Ankommen ist uns inzwischen willkommen. Die ganze Nacht rollt die Salomon von einer Seite zur anderen und es bleibt beim Versuch irgendwo Halt zu finden. Mit dieser Erfahrung stellt sich mir die Frage, ob es Babys wirklich lieben, wenn wir Ihr Bettchen hin und her schaukeln. Oder stellen sich die Kleinen bloss deswegen schlafend, damit das Schaukeln endlich aufhört. Wer weiss es wirklich.
Trotz Kälte gibt es Jungs die scheinbar nie frieren oder es wenigstens nicht wahrnehmen. In T-Shirts oder Shorts an Deck, kein Problem. Hast Du kalt, nein natürlich nicht. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass “man” und um gerecht zu sein auch Frau, nicht alles verstehen können.
Sie merken schon, saure Gurken Zeit, ein journalistisches Loch zu füllen erweitert die Thematik und den Horizont. Es ist wirklich nicht viel los. Natürlich unterhalten wir uns und stellen fest, dass die Entschleunigung in vollem Gang ist. Aber etwas das die Welt verändert gibt es von Bord der Salomon heute nicht zu berichten. Vielleicht noch die traurige Nachricht, dass ein Vogel aus Übermüdung gestorben ist. Zwei weitere sind aber nach wie vor bei bester Verfassung.
Des Weiteren geht es der Jugendlichen Crew und uns gut. Beklagen können wir uns auf gar keinen Fall, denn auch aus der Kueche kommt nach wie vor mindestens 2 x täglich viel Erfreuliches. Alleine ist man auch nie, denn zumindest der Hunger ist ein allgegenwärtiger Begleiter. Da man nie wirklich ruhig sitzen kann, sondern seine Muskeln ununterbrochen wegen dem Schaukeln des Schiffes beschäftigen muss, ist ein ordentlicher Energieverbrauch gwährleistet. Viel geschrieben und trotzdem nichts mitgeteilt. Diplomatische Grüsse von Allen an Bord befindlichen Zweibeiner- und Flügler. ur
Mittwoch, den 11.05.2011
Aus den zwei Schwalben sind inzwischen 3 geworden. Schon früh am Morgen fliegen die Tierchen ums Schiff und erfreuen sich scheinbar daran nicht alleine zu sein. Die Vermutung wird geäussert, dass sich die Vögel irgendwo an Bord eingenistet haben und uns gar nicht zugeflogen sind. Der Wind blässt nach wie vor stetig aus Nordosten und treibt uns unaufhaltsam voran. Die Jungs sind ausgeglichen und gut drauf. In dieser überschaubaren Welt an Bord kann man zur Ruhe kommen. Immer wieder besuchen uns Delphine, die dann jeweils übermütig ums Schiff herum jagen. Dies scheint eine willkommene Abwechslung in Ihrem Alltag zu sein. Auch zwei weitere Wale sichten wir in einiger Entfernung.
Wenn der Wind uns weiterhin treu bleibt werden wir vermutlich diesen Samstag auf Terceira ankommen. ur
Dienstag, den 10.05.2011
Mit dem Namen Josephine wird das Wettervorhersagegebiet benannt, welches wir zur Zeit durchsegeln. Täglich empfangen wir in schriftlicher Form, über INMARSAT-C, die aktuelle Lage in den verschiedenen Seegebieten. Über Kurzwelle können wir zusätzlich eine Wetterkarte vom Nordatlantik empfangen. Diese beiden Informationen ergeben dann ein Bild über das aktuelle und zu erwartende Wetter.
Der Wind hat auf NE gedreht. Um diese Kraft optimal in Fahrt voraus umzuwandeln bedarf es diesen Morgen einer Änderung der Besegelung. Die Arbeiten werden um 8:00 bei Wachwechsel mit den beiden Gruppen erledigt. BT und MM klettern dazu in den Mast und lösen die Bändsel des grössten Rahsegels. Bald darauf ziehen zusätzliche 50qm Segel die Salomon Richtung Westen.
Der Himmel ist zu 4/5 bedeckt. Der Vormittag verläuft ruhig. Seekrank ist definitiv keiner mehr. Das Mittagessen, Chili con carne, wird mittschiffs eingenommen. Vorzugsweise in Stiefeln, da das Deck immer wieder von hunderten Litern Wasser überschwemmt wird. Inzwischen ist es 16:00 Uhr und wir haben noch 500 Seemeilen vor uns. Unser Ziel ist die zur Zentralgruppe der Azoren gehörende Insel Terceira.
Soeben hat unsere Wache Ihren Dienst übernommen, als wir plötzlich fröhliches gezwitscher hören. 2 kleine Schwalben haben uns hier, mehr als 700km vom nächsten Land entfernt, gefunden. Welch eine Flugleistung, unglaublich. Hoffentlich bleibt das nette Pärchen bei uns bis Land in Sicht kommt. ur
Montag, den 09.05.2011
Die ganze Nacht gleitet die Salomon mit 4-5 Knoten ruhig Richtung Azoren. Die Nacht war angenehm und die einzelnen Sterne neben dem sichelförmigen Mond noch gut sichtbar. Capella, Castor und Pollux, der grosse und kleine Wagen, Spica etc. begleiten uns auf unserer Fahrt. Als ich um 6:30 an Deck erscheine stelle ich fest, dass auch der letzte Jugendliche seine Seekrankheit besiegt hat. Mit einem Löffel Honig und einem Prankenhieb auf die Schulter wird GF zum Seebären geschlagen. Vom Wachführer Manuel erfahre ich, dass unser MM zu spät auf die Wache erschienen ist und deswegen 3 zusätzliche Stunden an Deck bleiben muss. Der junge Mann sieht dies sportlich und ist trotzdem gut gelaunt. Seine Einstellung belohne ich nach dem Wachantritt mit einer Besteigung des Fockmastes. So sitzen wir gemeinsam auf 30 Meter über Meer und geniessen die fantastische Aussicht über den sich blähenden Segel. Im Wasser entdecken wir eine Delphinmutter mit Ihrem kleinen und am Horizont in 25km Entfernung erkennen wir einen Ölanker, der mit 5 Knoten daher schleicht. Unsere Elektronik verrät uns später, dass dieses Schiff 336 Meter lang und 55 Meter breit ist. Nebenbei kontrollieren wir noch die Verbindungen, Seile und Holzrahen auf Schäden. Nach gut einer Stunde stehen wir wieder an Deck. Nun schnappe ich mir den nächsten Jugendlichen aus meiner Wache. JCV kann ich dazu motivieren, seine Angst zu überwinden. Etwas später sitzen wir ebenfalls gemütlich auf der Saling 15 Meter über Deck. Kurz darauf nutzen wir unser Netz am Bug als Hängematte und ich erzähle den Jungs, dass die Salomon für mich wie ein grosses Spielzeug ist und spielen im Leben eines jeden Menschen wichtig ist. Damit meine ich natürlich nicht nur das Bedienen von Joysticks und Game Controller. Um 11:00 übergebe ich die Wache an FZ. JVC ist froh, denn er musste in den letzten 40 Minuten das Schiff alleine und ohne meine Kommentare steuern. Obwohl er immer meint er könne das nicht, hat er die Aufgabe gut bewältigt. Meine persönliche Stimmung ist, da proportional zur Windstärke (ab 8 Beaufort wieder abnehmend), heute bedeutend besser als die letzten Tage. Wir kommen gut voran und AF hat soeben wieder die Schleppleine ausgebracht. Vielleicht beisst schon bald wieder ein kapitaler Brocken an. Wunschfisch wäre eine grosse Dorade oder ein Thunfisch. Nach dem Mittagessen, es gab Kartoffelstock mit Gulasch, wurde das Thema “Zusammenspielel der elektronischen Komponenten eines E-Hubschraubers und Programmierung der Fernsteuerung” im dicken Bauch unserer Salomon von Manuel anschaulich erklärt. MM und diverse andere Jugendliche haben sich dafür interessiert. 17:00 Die nächste Wache ist angetreten. Das Schiff gleitet immer noch konstant mit 5-6 Knoten Richtung Westen dahin. In der Kombüse werden Tortellini mit 3 verschiedenen Saucen und Rüblisalat zubereitet. Jeweils nach dem Abendessen findet die Wachführersitzung, an dem alle Erwachsenen teilnehmen, im achteren Salon statt. So geht die Zeit vorbei. Der Kerninhalt in unserem Minikosmos ist das Zusammenleben, das gemeinsame Erleben und das Bewältigen der anstehenden Aufgaben. Die Hektik des Alltages liegt einige hundert Kilometer hinter uns. ur


