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Und so wie geplant laufen wir um 03:00 Uhr, geführt von einem sogenannten Leitfeuer, in den Hafen von Point a Pitre ein. Leitfeuer sind nichts anderes als zwei in der Höhe versetzte und hintereinander positionierte Lichter. Sind die beiden Lichtquellen genau hintereinander, so ist man im Fahrwasser. Dies war auch kein Problem bis zu dem Zeitpunkt, als wir hinter einer grünen Bb Tonne zum Ankerplatz “abbiegen” wollten. Wir fuhren so sanft auf eine Sandbank auf, dass niemand etwas davon merkte. Auch der am Heck eingebaute Tiefenmesser zeigte immer noch 3.1 Meter an. Kein Problem dachte ich. Etwas hin und her rutschen und mit dem Kiel den Sand beiseite stossen und dann Vollgas rückwärts. Nett gedacht, in der Praxis dauerte dies weitere 2 Stunden. Inzwischen, es ist nun 07:30 Lokalzeit, liegen wir vor Anker. Der gesamte Platz ist eng belegt mit kleinen Yachten und wir haben ganz am Rande zum Fahrwasser einen Platz gefunden. Die nächste Yacht ist etwa 10 Meter entfernt. Viel zu nah eigentlich. Also machen wir Ankerwache. Nach nur einer Stunde Schlaf in dieser Nacht zog ich das 7-8 Uhr Los. Zeit wieder einmal zu schreiben.
Wir sind also angekommen, alle gesund und ohne einen Schaden am Schiff. Müde aber trotzdem zufrieden werden wir den heutigen Tag gemächlich angehen. Habe soeben festgestellt, dass wir über das GSM Netz keine e-mails abrufen können. Wir bitten Sie dies zu berücksichtigen. Vielen Dank, dass Sie uns als Leser auf unserer kleinen Reise über den Atlantik begleitet haben. ur
Als ich gestern den Bericht über INMARSAT-C in die Schweiz sendete war es gerade mal 18:00 Uhr Bordzeit. Ein Kochtopf voller Spaghetti Sauce war die Ursache, dass das Abendessen verspätet aufgetischt wurde. Unsere Küchencrew hat den Behälter so platziert, dass eine intensive Schaukelbewegung des Schiffes dazu führte, dass der gesamte rötliche Inhalt auf der Kochstelle des Gasherdes landete. Der Reinigungsaufwand war zeit- und wie ich hörte, auch nervenraubend. Aber auch diese Herausforderung wurde von FT, der sich hier intensiv mit dem Thema Frustration und dessen Toleranz auseinandersetzt, gemeistert. Zum Reis wurde dann der Fisch serviert und es schmeckte wieder einmal sehr gut.
Etwas später drehte der Wind mehr auf ESE und ein Manöver wurde fällig. Halsen nennt sich das, wenn die gesamten Segel von einer Seite auf die andere gebracht werden und dabei das Heck des Schiffes durch den Wind geht. Keine schwierige Sache bei den flauen Winden. Nur beim bergen des Gross Gaffel Topsegels blieb dieses hängen. RF war der mutige Mann, der nachts den Mast hoch kletterte und das Segel vor dem zerreissen rettete. Die Wantenleiter in den Grossmast ist sehr wackelig und es braucht besonders in der Dunkelheit, schon ein bisschen Mut da hoch zu klettern. Liebe MF, R hat diese Aufgabe super gemeistert und er war auch jederzeit gesichert, konnte also nicht durch einen Sturz ins Wasser verloren gehen. Inzwischen ist es wieder einmal mehr 1:00 Uhr. Noch eine Stunde und die letzte Nacht auf See ist sozusagen vorbei. Mein Wachführer klagt über Kopfschmerzen. Oft kommt es daher, dass man zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt. CW soll vorerst einmal etwas trinken. Mal schauen, wie es dann vor dem Schlafen gehen ist.
Es ist 10:00 Lokalzeit und soeben habe ich FT noch im Fach “Knoten” geprüft. Gestern hat der Jugendliche schon die anderen Fächer der Prüfung zum Schiffsjungen abgelegt. Er hat bestanden, weiss es aber noch nicht. Die Gradierung findet am späteren Nachmittag statt. Noch 86 Seemeilen. Geplante Ankunft Freitag in der Morgendämmerung. Wir haben also reichlich Zeit und brauchen uns nicht besonders zu beeilen.
Etwas später einmal mehr Flaute. So kurz vor dem Ziel lassen wir uns aber nicht mehr herausfordern. Die Maschine wird gestartet, die Segel geborgen und los geht es Richtung Ziel. Etwas später ein etwas mysteriöses Boot mit zwei Männern an Bord. So weit vor der Küste und dann umrunden die uns auch noch so komisch. Etwas später ein zweites Speedboot, wiederum mit zwei Mann an Bord. Vorsichtshalber präsentieren wir unsere gesamte Crewstärke an der Reling, um zu zeigen, dass hier viele Menschen (ein wilder, gefährlicher Haufen) an Bord sind. So tuckern wir in die Nacht hinein und werden vermutlich etwa morgens um 03:00 Uhr in Pointe a Pitre einlaufen. ur
Nach dem Abendessen wurden noch die Arbeitszettel ausgefüllt und der Arbeitseinsatz von einigen Jungs bewertet. Wir haben nämlich am Dienstag Nachmittag denjenigen die auf Ihrem Konto im Minus sind die Möglichkeit geboten etwas Geld zu verdienen. Kampf dem Rost, hiess das Motto und so wurde geschliffen geputzt, grundiert und auch noch eine Lage weisse Farbe aufgetragen. Der letzte Arbeitsgang verrichteten die Jungs im Hochgeschwindigkeitstempo und so sieht dann auch das Resultat aus. Aber es wird ja nochmals überstrichen. Bei der Wachführersitzung am Dienstag Abend stellte sich heraus, dass die Überfahrt den Jugendlichen gut gefällt und die am liebsten den Rest Ihrer Aufenthaltszeit auf See verbringen würden. Sind wir zuwenig streng? Glaube nicht, denn es gab doch schon einige Interventionen unsererseits und auch Wachverlängerungen wurden schon viele ausgesprochen. Inzwischen ist es Mittwoch 11:00 Uhr und soeben kommt 2 x S angerannt und jammert, er hätte sich geschnitten, könne Blut nicht sehen und es täte so weh. Unsere harten Jungs, hmmm. Fachgerecht wird die Verletzung von unserem Chief, der normalerweise Maschinen repariert, behandelt. FZ schaut wieder einmal zum Fenster rein und macht uns darauf aufmerksam, dass in der Bordordnung ein Schreibfehler sei. Nach Schokolade fragt er diesmal nicht! Die Salomon lässt sich gelassen vom Wind Richtung Westen treiben. Vergessen sind die öden Maschinenstunden und das langweilige Rudergehen unter Maschine.
Ab 14:00 nochmals Arbeiten am Schiff. Mit Farben zu arbeiten, während das Schiff hin und her rollt, ist nicht so einfach. Einge Farbtupfer am Boden müssen wir schon in Kauf nehmen. Aber im grossen und ganzen lässt sich das Resultat sehen.
Es ist schon später Nachmittag als plötzlich mit dem mir so bekannten Geräusch die Wäscheklammern, mit denen die Angel-Schleppleine umgelenkt ist, fortfliegen. Ein Fisch hat angebissen. Sofort hektische Schritte und Rufe über Deck. Langsam wird die Angelleine mit beiden Händen eingeholt. Eine Prachtsdorade, etwa 1 Meter lang. Mit einem eleganten Schwung landet Sie an Deck und Sekunden später ist das Genick mit einem langen und scharfen Messer durchtrennt. Die goldene Farbe entweicht fast gleichzeitig mit dem eintreten des Todes. Nun ist Fototermin. Einige der Jungs sind komplett aus dem Häuschen, haben sie doch ein solch schönes Tier noch nie gesehen. Anschliessend dann Filetierkurs auf dem Vordeck. Biologie Unterricht in Natura. Die Leber und das Herz, welches für sich alleine noch weiter schlägt, der Magen und Darm. Alles da was es zum Leben braucht. Das Fleisch kann man direkt roh essen. Mit ein bisschen Zitrone oder nature schmeckt es besonders frisch. Inzwischen liegen die Filets mit Salzwasser gewaschen, schön nebeneinander drapiert, auf einer Edelstahlplatte. Mein Zuständigkeitsbereich hört hiermit auf. Die Küchenmannschaft wird entscheiden, was mit dem Leckerbissen geschieht.
Unsere Bordzeit ist momentan auf 4 Stunden später als Schweizer Zeit eingestellt. Das heisst, dass ich diesen Bericht schon recht früh versenden muss, damit Mario Schmidli diesen auch noch heute auf unserem Blog veröffentlichen kann. Wir sind jetzt nur noch 168sm weg von Guadeloupe. Wir freuen uns auf das ruhige Liegen vor Anker. ur
00:20, der Wind hat mehr Richtung Osten gedreht und da wir genau Westkurs fahren, müssen wir noch zwei einfallende Segel bergen. Das alles machen die Jungs selbstständig. Ich achte nur darauf, dass die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden und die Arbeit korrekt beendet wird.
Der Generator brummt immer noch. Die letzte Wäsche des Tages ist im Tumbler, der heute wieder Schwerstarbeit zu leisten hatte. Bis zum Werftaufenthalt im Juli muss er noch durchhalten, dann wird er durch ein neues Modell ersetzt. Ebenso die Waschmaschine. Jeweils nach 2 Jahren sind die Geräte meist ziemlich angeschlagen und eine Reparatur lohnt sich kaum mehr.
Bei der gestrigen Wachführersitzung, WaFüSI genannt, wurden die jungen Wachführer aufgefordert, gegen Ende der Reise nicht nachlässiger zu werden. Es gab einige Anzeichen, dass dies der Fall ist. Eigentlich eine menschliche Eigenschaft, derer wir uns aber bewusst sein wollen und gegen die wir etwas unternehmen möchten. Obwohl die Verhältnisse sehr einfach sind, können diese auch ändern und für den Fall braucht es die volle Aufmerksamkeit bis zum Schluss.
Inzwischen ist es 9:00 Uhr morgens. Noch 324 sm bis zum Ziel. Die Bewölkung entspricht nicht der typischen Passatbewölkung, trotzdem haben wir genügend Wind, um im Zeitplan zu bleiben. Bis jetzt haben wir keinen einzigen Fisch gefangen. Der Versuch wird diesen Morgen von KW nochmals unternommen, denn die Speisekarte würde diese Abwechslung gut ertragen.
Dass der grösste Teil der Crew müde ist merkt man daran, dass die Freizeit dazu genutzt wird, etwas zu schlafen. Wir sind nun genau 2 Wochen auf See und in der Zwischenzeit freuen sich alle auf die Ankunft.
13:00 Uhr LT unsere aktuelle Position ist: 16003.76 N / 560 17 W. Zurückgelegte Strecke in den letzten 24h 136.4 sm. ur
Seit heute um 4:30 weht es endlich wieder konstant aus NN – östlicher Richtung. Vollzeug ist gesetzt und die Salomon macht gute Fahrt Richtung, die wie ein grosser Schmetterling aussehende Insel, Guadeloupe. Frühstück ist vorbei und ausser der Wache ist niemand mehr an Deck. Unsere Seekadetten liegen müde in der Koje. Die zusätzlichen Arbeitszeiten in den Nacht zeigen Auswirkungen bei den Jugendlichen. Trotzdem ist die Laune gut. Während dem Frühstück diskutieren wir darüber, dass die Salomon eigentlich kein Heim im klassischen Sinne ist, sondern der ganze Betrieb vielmehr dem eines Ausbildungsschiffes irgendeiner Marine gleicht. Hochseelebensschule auf dem einzigen Traditionsschiff, das der Schweizerischen Handelsmarine angehört. Und in dem Sinne haben wir unsere Jugendlichen als Seekadetten angeheuert. Und die Jungs machen Ihre Sache echt gut. Jeder kann mithelfen den Betrieb optimal in Gang zu halten. Jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Jugendliche und Erwachsene arbeiten zusammen.
Soeben habe ich mich mit dem Rudergänger DZ über die Gründe seines Aufenthaltes auf dem Jugendschiff unterhalten. DZ ist ein hervorragender Steuermann, der das Schiff sauber auf Kurs halten kann. Er lernt auch schnell die theoretischen Zusammenhänge des Segelns. An der Umsetzung in die Praxis wird zurzeit noch ein bisschen gearbeitet.
Es ist angenehm, endlich wieder windgetrieben zu Reisen. Im Hintergrund hört man nur den Generator, der neben dem Laden der Batterien auch noch die Waschmaschine und den Tumbler antreibt. Zu den Mahlzeiten wird es ab jetzt abwechslungsweise Reis und Teigwaren geben. Heute Mittag war Pasta an der Reihe. Also wissen wir schon, was Abends serviert wird. Aber alles halb so schlimm, spätestens am Freitag werden wir ankommen, mit etwas Glück, sogar schon am Donnerstag.
Auf dem Programm steht heute 14:00 Ausbildung Schiffsjunge Test und 16:00 Geschichte der Navigation und Entdeckungsreisen mit Cla.
Gleichzeitig wird ab sofort ganz gross gewaschen. Die Waschmaschine und unser kleines Kraftwerk, der Generator, drehen den ganzen Tag um all die angesammelten Kleidungsstücke der Jugendlichen zu reinigen. Als Wäscheleine an Deck dienen unsere seitlich gespannten Sicherungsnetze (Leichenfänger genannt). Diese verhindern, dass beim Überspülen des Decks Menschen von Bord geschwemmt werden. Dann zum Abendessen das bereits einkalkulierte Reismahl, mit einer Champignon Sauce a la irgendwas. Wiederum rollt das Schiff hin und her, so dass die Füsse laufend vom über Deck fliessenden Salzwasser gewaschen und “gepflegt” werden. Festes Schuhwerk ist demzufolge zum dinieren vollkommen ungeeignet.
Gegen Abend verliert der Wind wieder einmal mehr an Kraft. Nichts neues auf dieser Reise. Inzwischen sind wir in Reichweite unseres Dieselvorrates und es wird uns nichts daran hindern, die kalkulierte Ankunftszeit einzuhalten. ur


