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Montag 19.12.2011
Pünktlich um 07:39 trifft sich das Team zur allwöchentlichen Sitzung. Dabei geht es darum die angesammelten Traktanden abzuarbeiten, die bevorstehende Woche zu planen und sich auch noch in der Arbeit und dem pädagogischen Wirken abzustimmen.
Die Jugendlichen organisieren sich bis nach dem Frühstück selber. Ein bescheidenes Übungsfeld, in dem die jungen Kadetten Ihre Selbstständigkeit unter Beweis stellen sollen. Der Morgensport findet an Deck statt. Zuviel Seegang. Das Schiff rollt zwischendurch unangenehm hin und her.
Die Weihnachtswoche zu planen ist etwas Besonderes. Ganz ohne Strukturen und Rahmenprogramm wird es nicht gehen. In dem Sinne bestimmen wir, dass heute Montag ein lockerer Arbeitstag ist. Es gilt verschiedene Arbeiten zu erledigen.
Unter anderem habe ich betreffend unserem Sonnenverdeck, welches aus einem riesigen, alten Segel besteht das Anliegen, dieses auf eine normale Grösse zurecht zu schneiden. Die Motivation der Jungs, die ausnahmsweise für diese Arbeiten kein Geld verdienen sollen, ist nicht gerade berauschend. Kurz nach dem Mittagessen beenden wir unsere Arbeiten. Den Rest des Nachmittages verbringen die Jugendlichen mit sinnvoller Freizeitgestaltung.
Lucien, ein Ehemaliger, der im Jahr 2004/2005 bei uns auf der Salomon war, kommt diesen Abend zu Besuch. Damals, nach seinem Schiffsaufenthalt, hat er in Norddeutschland die Ausbildung als Schiffsmechaniker erfolgreich absolviert. Mit einem Deutschen Forschungsschiff ist er auf die Kapverden gekommen und nutzt nun diese Gelegenheit, uns einen Besuch abzustatten.
Dienstag 20.12.2011
Das Schwimmen wird heute von Manuel angeleitet und beaufsichtigt. Nach dem Frühsport und einem weiteren Kapitel der Weihnachtsgeschichte „Hans, Hans wo bist Du?“ erzählt Lucien von seiner Zeit auf der Salomon und seinem Lebensweg. Anschliessend beantwortet er die unzähligen Fragen der Jugendlichen.
Bis zur Mittagszeit beschäftigen wir uns mit der von Zeit zu Zeit notwendigen Materialkontrolle. Segeljacke und Hose, Segelschuhe, Stiefel und das Life-belt. Alles wird kontrolliert, aktualisiert und nummeriert.
Danach geht es einmal mehr um die Sicherheit an Bord. Feuer beschäftigt uns in der Theorie bis zum Mittagessen.
Den Nachmittag verbringen die Jugendlichen am Strand. Am Abend flimmert ein Doku Film über Afrika über die Leinwand.
Mittwoch 21.12.2011
Wie bereits am Montag müssen die Jugendlichen auch heute die Zeit bis nach dem Frühstück selbstständig organisieren. Wir vom Team treffen uns zum gemeinsamen Frühstück. Teampflege ist bei dieser Arbeit unumgänglich. Das untereinander Klar kommen ist sehr wichtig um diese Arbeit ausüben zu können.
Nach dem Frühstück steht nochmals Sicherheitstraining auf dem Programm. Dabei geht es darum das Verhalten in einem Notfall so zu trainieren, dass der Verstand dazu nicht mehr gebraucht wird. Heute „brennt“ es in der Messe. Die Jungs müssen über den Notausstieg an Deck klettern. Anschliessend wird der „Verschlusszustand“ erstellt. Alle Deckel und Lucken werden geschlossen. Um die grösseren Glasflächen der Aufbau Fenster zu schützen werden sogenannte Schlagblenden von aussen angebracht. Unser Schiff ist dicht und da kein Wasser eindringen kann, würde dieses auch nicht sinken.
Nach dem Mittagessen steht der Nachmittag den Jugendlichen zur Verfügung. Einige nutzen die Gelegenheit, sich mit Lucien, dem „Ehemaligen“ zu unterhalten. Es ist wirklich eine Freude für uns was aus dem Kerl, der damals als ziemlich schwierig galt, geworden ist.
Inzwischen gelingt es mir einen Highspeed Wireless Zugang zu organisieren. Am 22.12. findet in Rafz das „Brügglifest“ statt und wir wären gerne mit einer Standleitung mit Ton und Bild dabei. Mal schauen ob das funktioniert.
Am Abend gehen dann 5 Jugendliche in den Ausgang. Mit den restlichen schauen wir uns einen Doku Film über den Planeten Erde an. Eine ruhige und gemütliche Stimmung herrscht bis zur Nachtruhe um 22:00 Uhr.
Donnerstag 22.12.2011
Langsam ausblenden und abbremsen wollen wir dieses Jahr. Dies hat unter Anderem zur Folge, dass wir den Jugendlichen bis Weihnachten eine Stunde längere Ausschlafzeit gönnen. Unsere Kadetten haben in dem Sinne ja nie Schulferien, sondern sind immer gefordert. Es ist aber auch für die Jungs wichtig einmal etwas ruhigere Zeiten verbringen zu dürfen. So wird diese Ankündigung, welche gestern um 22:00 im dunklen Gang zu den Kojen der Jungs ausgesprochen wurde, mit Gejohle und einem Applaus quittiert.
Nachdem Manuel weitere Kapitel der Weihnachtsgeschichte vorgelesen hat, beschäftigen sich die Jungs und Erwachsenen mit diversen Vorbereitungen fürs Abendgrillen und Weihnachtsfest. Bereits wird der Tannenbaum mit elektrischen Lämpchen versehen, aus Palmwedeln ein Lampenschirm für unser Verdeck hegestellt und Fleisch mariniert. Einige Unermüdlichen ergeben sich dem frischen Nass und tummeln sich Stunde um Stunde im Wasser. Um die Qualität der Internetverbindung noch zu steigern ankern wir so nah wie es nur zu verantworten ist unter Land. Dies, um hoffentlich heute Abend eine gute Standlinie ins EFRA Zentrum in Rafz zu haben, wo das bereits erwähnte „Brüggli-Fest“ stattfinden wird. Damit wollen wir unter anderem aufzeigen, dass die Übergangszeit in der Schweiz ein Teil des Schiffsaufenthaltes ist und die beiden Teile eng zusammen gehören.
Zwei Anekdoten zwischendurch:
Einen Antrag zu stellen ist die Möglichkeit für Jugendliche eine Änderung zu beantragen. Kürzlich erhielten wir ein solches Schreiben. Unter Begründung, wieso wir den Antrag genehmigen sollen, steht da – „ich arbeite gerne alleine für mich, dazu noch gerne“ . Ein überzeugendes Argument finden wir. Der Antragsteller bemüht sich damit um das „Wäscheämtli“ auf der Salomon.
Ein weiterer Jugendlicher, unser Südtiroler, hat Biss, oder beisst sich durch – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Spuren finden wir auf den Oberarmen seiner Kameraden. Wohlverstanden nicht aus Boshaftigkeit, sondern eben aus purem Spass heraus, soll der junge Dracula gehandelt haben. Natürlich sind wir mit diesem Handeln nicht einverstanden und rügen seine Bissigkeit freundlich. Seit dieser Korrektur löst ein fragender Blick unsererseits aus, dass der Südtiroler seinen Finger hebt und in gebrochenem Deutsch meint. „Diese Woche, ich habe noch nicht gebissen“.
Es sind diese kleinen Erlebnisse, die den Erziehungsalltag auflockern. Es macht wirklich sehr oft Freude mit diesen Jugendlich zusammen zu leben und auch zu arbeiten.
Inzwischen glühen die Kohlen und das marinierte Fleisch lässt Vorfreude aufkommen. JAB ist wohl der hungrigste von uns. Unglaublich was der Junge verzehrt. Hoffentlich reicht das Fleisch aus. Berechnet haben wir gut 500 Gramm (gefrorener Zustand) pro Person. Würde mich nicht wundern, wenn kaum etwas übrig bleibt.
Um 18:30 dann die Lifeschaltung nach Rafz. Auch wenn die Verbindung etwas schlechter ist als bei unserer Hauptprobe am Nachmittag, können wir uns doch gegenseitig unterhalten und erkennen.
Nach den Ämtlis werden die Türen unseres Bordkinos wieder einmal geöffnet und einer von den über 500 Filmen flimmert mit lautem Getöse über die zerknitterte Leinwand. Man könnte meinen, je lauter desto besser. Zufrieden gehen um 22:15 alle in Ihre Kojen.
Freitag 23.12.2011
Ein Tag vor Weihnachten. Wir setzen alles daran, dass trotz den ungewohnten Temperaturen weihnachtliche Stimmung aufkommt. Seit gestern weist unser Tannenbaum, liebevoll geschmückt mit Kugeln und Lämpchen, auf die besondere Zeit hin. Die Jugendlichen werden „fast“ jeden Tag verwöhnt. Länger ausschlafen, besonderes Essen, Badestrand etc. Weihnachten findet in letzter Zeit bei uns täglich in den verschiedensten Formen statt. So auch jetzt wieder. Seit gut 2 Stunden tummeln sich die Jungs im Sand. Meine Aufgabe ist es für ein leckeres Essen zu sorgen. Es gibt Hühnerbrust an Rahmsauce, Teigwaren und Salat.
Das Abholen der Jugendlichen am Steg bereitet einige Mühe, da sehr hohe Wellen immer wieder das Einsteigen erschweren. Nachdem alle heil an Bord angekommen sind nehmen wir das Beiboot hoch. Jeder weitere Landgang ist für heute gesperrt. Zu hohe Wellen. Da das Mittagessen erst um 14:15 eingenommen wird gibt es Kaffee complete zum Abendbrot. Unser Kaffeeautomat läuft heiss bis jeder Jugendliche seinen eigenen Kaffee gedrückt hat. Unter unserem „Beduinenzelt, ausgeschmückt mit farbigen Lämpchen, einem aus Palmwedeln hergestellten Lampenschirm und dem Weihnachtsbaum entsteht eine geborgenen Atmosphäre.
Samstag 24.12.2011
Es ist der 24.12., Weihnachten. Trotzdem, oder eben genau deswegen, starten wir nach dem Frühstück und der „Beefirunde“ mit dem Samstagsputz. Feiner Saharastaub gilt es zu bekämpfen. Über hunderte von Kilometer sind diese feinsten Sandpartickel vom Ostwind zu uns getragen worden. Ostwind bedeutet auch Seegang an unserem Ankerplatz. Dieser liess unser Schiff die ganze Nacht über unangenehm hin und her rollen. Seit den Morgenstunden dreht der Wind wieder langsam Richtung Nordost und siehe da, auch das Rollen der Salomon nimmt wieder langsam ab. Die Vorbereitungen laufen, vor allem in der Küche, auf Hochtouren. Zum Abenddinner gibt es Schweine- und Rindsfilet im Blätterteig mit Salaten und Country Kartoffeln und später dann als Dessert eine Creme brule.
Der Ablauf unsere kleinen Weihnachtsfeier wird wie folgt sein. Nach dem Nachtessen wird zuerst der Abwasch erledigt. Dann folgt der letzte Teil der Weihnachtsgeschichte. Anschliessend werden die Päckli unter den Baum gelegt und etwas später an die Jugendlichen verteilt. Neben den persönlichen Geschenken von zu Hause gibt es noch eine ganze Sammlung Asterix und Obelix Comics und jedem ein T-shirt.
Der Abend verläuft dann auch sehr fröhlich. Einige der Jungs ziehen sich dann mit einem Obelix Comic zurück und man hört nur hie und da ein Lacher. Unter unserem Beduinenzelt nutzt Manuel die schnelle Internetverbindung um Youtube Filme über Skateboarden und BMX fahren zu zeigen. So wird es schnell später. Die letzte Entscheidung des heutigen Tages ist dann, dass der morgige Brunch um eine Stunde verschoben wird.
Sonntag 25.12.2011
Unser zweiter Mann in der Küche ist ein Frühaufsteher. So kommt es, dass die Spiegeleier kurz nach neun schon bereit zum Verzehr im Steamer liegen. Auf die Frage, ob die Eier denn in 2 Stunden noch gut seien meint der Koch, dass er sie im Steamer aufwärmen werde. Na dann ist ja alles klar.
Selber erledige ich meine persönliche Wäsche und bringe den Frischwassererzeuger in Gang. Diese Anlage produziert pro Stunde 120 Liter H2O in seiner natürlichsten Form. Rund 700 – 1000 Liter pro Tag, je nachdem ob die Waschmaschine auch noch läuft, verbrauchen wir auf dem Schiff.
Eine Erkältungswelle scheint die Salomon erfasst zu haben. Es wird geschnupft, gehustet und der Kampf gegen laufende Nasen verschlingt Unmengen an Toilettenpapier. Auf einem Schiff ist einer Ansteckung kaum auszuweichen. Entweder man ist resistent dagegen, oder man muss den Kampf gegen die Bakterien aufnehmen.
Das Klima ist eben windig und gar nicht so warm. Einerseits schwitzt man und gleichzeitig friert man auch schon wieder. Diese Wechselwirkung gibt einigen von uns zu schaffen.
Am Nachmittag gehen einige der Jungs einmal mehr an den Strand. Der Rest hängt an Bord und durchschnökert die Asterix Comics. Am Abend zeigen wir einen weiteren Film. Danach hüpfen dann alle in die Koje. ur
MITTEILUNG:
Aus technischen Gründen können wir zur Zeit leider keine grösseren Datenmengen übermitteln. Deswegen müssen wir vorerst auf die Veröffentlichung von Bildmaterial in unserem Blog verzichten. Teilweise haben wir auch Probleme mit unseren mobilen Telefonverbindungen. Wir bitten Sie um Verständnis, wenn einmal etwas nicht genau so gut funktioniert wie gewohnt.
Montag, 12. Dezember 2011
Die Borduhr zeigt exakt 10 Uhr an. Gerade eben erreichte uns die Meldung, dass Schiff sei klar zum Auslaufen. Ob dem wirklich so ist, wird gerade durch unseren kapitän Urs Rüttimann kontrolliert. Wie ich eben höre, ist das Resultat gut ausgefallen. Die Kojen sind ordentlich aufgeräumt und die persönlichen Effekten vor dem Herausfallen gesichert. Urs erklärt seine Absichten über Kurs und Segelkonstellation und Verhalten der Crew. Bis auf weiteres bleiben alle Mann an Deck, da wir insbesondere in den ersten Stunden ständig Änderungen der Verhältnisse erwarten. Somit sind unsere Kadetten sofort einsatzbereit.Es ist ein eigentümlicher Mix aus Geräuschen, die jedem Ablegen eigen sind. Das monotone Brummen des Generators, der die ratternde Ankerwinde mit Energie versorgt. Es sind die Glockenschläge der Ankerglocke, die in regelmässigen Abständen erklingen und dem Kapitän ansagen, wie viel Ankerkette bereits eingeholt wurde. Ebenfalls gehört auch das charakteristische Ein- und Auskuppeln des Schiffsmotors dazu.Im Achtersalon, dem Arbeits- und Aufenthaltsbereich der Erwachsenen, sind die Tastaturgeräusche unserer fleißig genutzten Computer zu vernehmen. Die Netzabdeckung dauert vermutlich nur noch wenige Stunden und wichtige eMails wollen versendet sein, bevor sie abreisst.Und einmal mehr ist es die See, die uns auf ihre eigene Art hilft, Prioritäten zu setzen. Alles tönt, riecht und schmeckt nach Aufbruch!
Es ist jetzt halb zwölf und das erste Halsemanöver steht an. Der Wind dreht und vermutlich wird in den nächsten Minuten das Manöver mit der wohlbekannten „all-hands-Sirene“ eingeleitet!
Und da ist sie!! Wiiiiiiiiiii! Gleichzeitig ertönt das Kommando von der Brücke: Bereitmachen zur Halse! Unverzögert wird der Befehl vom Matrosen FZ an die Segelvormänner weitergegeben. Diese wiederum verteilen ihre Befehle an die Crew.
„Achtung, neuer Kurs 2-3-0!!“ „Verstanden 2-3-0“, quittiert der Rudergänger YO!
Unsere alte Lady, wie unsere Salomon (zumindest von uns Erwachsenen) liebevollgenannt wird, legt sich auf die andere Seite. Ab sofort segeln wir auf dem Steuerbordbug!
Der Kurs wird auf 2-1-5 angepasst und unsere Reise geht noch einen Moment weiter nach süd-südwest, bis wir anschliessend das Westkap runden können. Beabsichtig sind heute eigentlich östliche Richtungen.
Das Manöver ist mittlerweile abgeschlossen und es folgt ein kurzes Debreefing durch Matrose FZ an die Crew. Abschließend erfolgt ein Lob vom Kapitän.
Zu sehen gibt es bis jetzt allerdings nicht viel. Saharastaub in der Luft sorgt für sehr eingeschränkte Sicht.
Mittlerweile stehen wir mitten im Nachmittag und Ruhe ist eingekehrt. Zwar brummt immer noch der Motor zur Unterstützung der Segel. Doch seit wir in den Wachbetrieb übergegangen sind, haben sich die meisten Jungs unter Deck verzogen. Nur gerade die diensthabende Wache mit Schiffsjunge G.F., A.T. und J.C. befinden sich auf ihren Posten.
Das gibt uns etwas zusätzlichen Raum, um administrative Arbeiten zu erledigen. Ach nein, wie ich gerade feststellen kann, stimmt das nicht ganz. Vor meinem viel erwähnten Bürofenster albern die beiden Nimmermüden M.M. und T.E. miteinander. Bleibt nur zu hoffen, dass aus Spass nicht all zu früh der wohlbekannte Ernst wird.
18.27 Uhr. Der Anker fällt. In der hereinbrechenden Dunkelheit gehen wir vor der wunderschönen, praktisch unbewohnten Insel Santa Lucia vor Anker. Die Ankerkette rasselt und Glied um Glied verschwindet im dunklen Wasser.
Parallel zu den Arbeiten an Deck sind auch in der Kombüse die Köche D.S. und M.S. am Werk. Unterstützt durch Madeleine zaubern sie uns bestimmt einmal mehr ein herrliches Nachtessen auf den Tisch.
Ich verspreche mir heute einen ruhigen Abend. Keine Wumm-Wumm-Beets vom Land, keine lockenden Lichter und wohl auch keine Jungs, die nach Ausgang verlangen!
Dienstag, 13. Dezember 2011
Fünf vor Sieben. Unsere Buben befinden sich bereits alle an Deck, bereit für den Morgensport! Alle? Nein, Kadett G.F. liegt krank in seiner Koje. Durchfall und Bauchschmerzen. Ich verordne Bettruhe, Zwieback und Tee.
Unterdessen sind polternde Geräusche an Deck zu vernehmen. Unsere Jungs scheinen während meiner zwei Monate dauernden Abwesenheit eine wahre Freude am Sport entwickelt zu haben. Da werden Liegestütze, Rumpfbeugen, Kniebeugen und was weiss ich mit sehr viel Elan aneinander gereiht. Auch in der Freizeit scheinen Hanteln und Gewichte heben voll im Trend zu liegen. Alles freiwillig, wohlverstanden. Was, wenn wir das von ihnen verlangt hätten?
Es ist jetzt das zweite Mal heute Morgen, dass ich mit Wasser und Lappen versuche, die Spuren der vergangenen Nacht zu verscheuchen! Wind und Wellen ließen die ganze Nacht über die Ankerkette über die Wasserstag holpern. Immer und immer wieder. Allfällige Pausen wurden vom Klaufall dazu genutzt, beflissentlich und mit viel Schwung gegen den Mast zu schlagen!
Auch unsere Jungs scheinen nicht sehr viel Schlaf abgekriegt zu haben, jedenfalls ist es mit der gegenseitigen Rücksichtnahme zischen zwei Jungs nicht allzu weit her. Kurz nach dem Morgenessen musste bereits geschlichtet werden.
Nichts desto trotz schreiten wir mit viel Schwung und guter Laune in das heutige Abenteuer. Der Wind weht zwar nicht aus der optimalen Richtung, doch wollen wir versuchen, die Nachbarinsel Sankt Nicolao zu erreichen. Mit etwas Glück können wir aber auch heute einige Meilen segeln.
Mittag. Mit ein paar kräftigen Schiffschraubenumdrehungen mogeln wir uns nördlich der kleinen Insel Branco durch. So können wir die „Höhe“ halten und können dann später den Brummi im Maschinenraum länger schlafen lassen. Schliesslich ist die Salomon ein Segelschiff und fossile Energie heut zu Tage teuer!
Derweil steht der Minutenenzeiger auf Viertel nach und ein Blick in die Kombüse wird fällig. Wir sind gespannt, was es denn heute zu Essen gibt. Fragen am offenen Küchenfenster nach dem was, wann und wie viel sind nach wie vor verpönt. Aber gegen eine Kontrolle des Lebensmittelkontrolleurs hat niemand was zu melden.
Kurz vor halb drei. Wir fahren immer noch unter Segel. Der Wind nimmt rasch ab, weil wir in die Windabdeckung von Sankt Nicolao fahren. Ohne Winddruck und durch die Rollbewegung des Rumpfs beginnen die Segel zu schlagen. Eben wollen wir die Schoten dichtnehmen, als die Besanschot reisst. Schnell wird das Segel geborgen und festgezurrt. Nun ist auch der Moment gekommen, die andern Segel zu bergen und die restlichen Meilen unter Motor zu fahren. Im Windschatten der Insel steigt die Temperatur merklich an. Die See ist flach und unsere Jungs freuen sich über die Sauberkeit und das tiefe Blau des Wassers. Sie freuen sich bereits auf ein erfrischendes Bad.
Mittlerweile nähern wir uns rasch unserem Ziel und das Ankermanöver wird eingeleitet.
Es ist jetzt abends um fünf und die Sonne versucht noch immer gegen den Dunst anzukämpfen. Im Moment scheint sie kurz die Oberhand zu haben.
Unserem Kranken G.F. geht es laut eigenen Aussagen etwas besser. Er hat den ganzen Tag nichts gegessen und verlangt nun nach einer Stärkung, was wir selbstverständlich gerne tun. Tee und Zwieback scheinen dem Buben gut zu bekommen!
Geschützt vor Wind und Wellen liegen wir nun vor einem kleinen Örtchen namens Tarafal.
Mittwoch, 14. Dezember
Nach einer ruhigen, wellen- und windlosen Nacht, schwingen wir uns alle munter aus den Betten. Auf der Treppe im Niedergang zum Salon begegne ich G.F. Allem Anschein nach hat die Tee- und Zwiebackkur gut angeschlagen. Auf jeden Fall ist er wieder gesund und hat auch schon seine morgendlichen Schwimmrunden hinter sich gebracht.
Zwar ist das Wasser rein und warm, doch die starke Strömung macht uns einen Strich durch die Rechnung. Nach 30Minuten beendeten wir die Übung vorzeitig.
Nun, nach dem Frühstück und dem Vorglühen (wir hörten das zweite Kapitel einer fortlaufenden Weihnachtsgeschichte) befinden sich die Jungs auch schon wieder an der Arbeit. Gestern lagen sie sich noch in den Haaren und heute gehen sich die beiden Schiffsjungen MM und JB, beim Packen des TSS-Segels zur Hand. Von unten kann ich beobachten, wie sie angeseilt, hoch oben im Rigg ihre Arbeit erledigen. Wie schnell die Welt doch wieder in Ordnung ist!
Konflikten nicht ausweichen, sondern angemessen austragen, sich entschuldigen, vergeben und sich wieder versöhnen können, will eben gelernt sein. Und auch hier gilt. Es ist noch kein Meister vom Rigg gefallen.
Den Nachmittag verbringen wir am Strand bei Sport, Spiel und Spass. Leichtmatrose D.S. und Schiffsjunge Y.O. leisten mir Beistand beim joggen am Strand. Jungs aus unserer „Kinderecke“ toben sich im Wasser aus und bewerfen sich unaufhörlich mit Sand. Etwas skeptisch beobachte ich das Spiel, erkenne aber weder Regel noch Sinn darin.
Das mögen sich auch die Jungs aus der Erwachsenen- Liga fragen. Jedenfalls distanzieren sie sich gerne von solchen primitiven Spielen. Sowohl räumlich wie auch inhaltlich! Man beschäftigte sich lieber mit hochstehenden Themen wie Politik und die aktuellen Bundesratswahlen.
Donnerstagmorgen, fünf vor Sieben… muss es gewesen sein.
„Einen wunderschönen guten Morgen!!!!“ Die kräftige Stimme des Kapitäns reisst mich aus dem Schlaf und lässt mich in die Höhe schiessen!
Der Gruss richtet sich zwar nicht an mich direkt, aber der Sprecher steht genau oberhalb meiner geöffneten Luke!
Etwas schlaftrunken entsteige ich dem Niedergang und begegne meinem Wecker, welcher mir kurz in die Augen schaut und mir sogleich einen Kaffee anbietet! Wenn das nicht ein schöner Morgen ist? Sogar Marie unsere Kaffeemaschine, welche nach einem Umfaller in den Streik getreten ist, funktioniert wieder!
Als ob dem nicht schon genug wäre, erhebt sich Sonne über den Hügeln Tarafals und lässt die Federwölkchen am strahlend blauen Himmel in den wärmsten Tönen leuchten.
Unsere Jungs scheinen zwar die Schönheiten dieses Morgens nicht im Detail wahrzunehmen. Doch fröhliches Pfeifen unter Deck lässt auch unter den Jungs gute Stimmung erahnen.
Den Anker hoch zu nehmen, gestaltet sich heute etwas schwieriger als sonst. Der Skipper einer kleinen Jacht hat in unserer Nähe geankert. Etwas zu nahe! Beim Anker lichten ist deshalb besondere Vorsicht geboten. Zu leicht verhaken sich sonst unsere Ankergeschirre gegenseitig. Im unglücklichsten Fall würde das bedeuten, dass wir dessen Anker aus dem Grund reißen. Nicht umsonst mahnt der Kapitän heute zu besonderen Vorsicht an der Ankerwinde.
Um halb Zehn legen wir ab. Unter strahlendem Sonnenschein und viel Wind stechen wir in See. Weil der Wind immer noch zu stark aus Osten weht, werden wir den Umweg über Boa Vista auf uns nehmen. Unsere Salomon nimmt rasch Fahrt auf und wir genießen nochmals den außergewöhnlich schönen Anblick der Insel!
SaoNicolao adé! Zu gerne hätte ich deine höchsten Gipfel erklommen. Vielleicht ein ander Mal.
Bei uns an Bord macht sich ein neuartiges Genussmittel breit! Kauen von Wattestäbchen!! Ob dies wohl in Anlehnung an die streng verbotenen Nikotinstängel geschieht? Doch seit selbst unser Kapitän diesem neuartigen Genuss verfallen ist, getraue ich nichts mehr dagegen einzuwenden!
Unglaublich wie die Sucht grassiert! Unser Matrose F.Z. erwischt selbst mich beim degustieren. Aus mir unbekannten Gründen will er die Szene unbedingt mit der Kamera festhalten. Allerdings verwende ich die Deluxversion. Getränkt mit Mundspühlung!
Es ist jetzt halb drei. Wir fahren in die “Kniekehle“ der Insel SaoNicolao. Radrennfahrern gleich, nutzen wir den Windschatten der Insel um später möglichst weit oben aus der Abdeckung „abspringen“ zu können. Mittlerweile haben wir uns dem Land soweit genähert, dass ein Wendemanöver nötig ist. Wieder das berühmte „Wiiiiii“ der all-hands-sirene und alle Jungs begeben sich mittschiffs, um die bBefehle ihrer Vormänner entgegen zu nehmen. Kurze, für den Laien unverständliche Befehle, schallen übers Deck. Leinen werden gelöst, aufgefiert oder dichtgenommen. Alle Hände packen an. Es dauert deshalb nicht lange und der Steuermann A.B. wendet das Schiff. Die Segel werden nach steuerbord aufgefiert und auf den neuen Windkurs eingestellt. Fünfzehn Minuten später ist das Deck aufgeklart. Das Brummen des Motors verstummt und die Salomon gleitet nun alleine durch den Wind angetrieben durchs Wasser.
Freitag, halb fünf.
Der Himmel zeigt sich an diesem heutigen Morgen von der besten Seite und gibt den Blick auf seine Sterne frei. Am Zenit steht der Mond und verhilft den Wellenkämmen zu silbernen Rücken. Unaufhörlich schaufelt unser Bug, Pflugscharen gleich, schäumendes Wasser zur Seite. Der Seegang hat sich meiner Empfindung nach etwas beruhigt. Das Schiff schwankt allerdings immer noch unangenehm stark.
Punkt Fünf Uhr übernehmen wir die Wache. Meinem Schiffsjungen T.E. geht es immer noch ziemlich schlecht. Gestern Abend hat er sich ein ums andere Mal übergeben müssen. Einem kleinen Häuflein Elend gleich, saß er auf Achterkannte. Kurzerhand habe ich ihn von seinen Steuerpflichten entbunden.
Schiffsjunge J.B. zeigt keine Spur von Seekrankheit. Breitbeinig steht er am Steuer und hält den Kurs.
Der Winddruck in den Vorsegeln lässt zu wünschen übrig. Um unnötigen Verschleiss
am Aussenklüver zu vermeiden, entscheiden wir ihn zu bergen. Doch das Segel klemmt. Kurz entschlossen schicke ich J.B. zuvorderst ins Klüvernetz um das widerspenstige Segel direkt von Hand herunter zu reissen. Er scheint etwas überrascht, lässt dann aber seinen Sicherungskarabiner an der Sicherungsleine einrasten und schwingt seine Beine über Bord in das Klüvernetz. Offensichtlich macht es ihm Spass, ganz vorne auf dem Klüverbaum zu stehen und das geborgene Segel einzubinden. Erst wird er hochgehoben, dann geht die Fahrt rasant abwärts, bis der Bug in die Welle taucht. Nach einer Gist- und Wasserdusche geht die Fahrt, einem Lift gleich, wieder nach oben, um den Passagier nur wenig später der Schwerelosigkeit zu übergeben und anschliessend wieder abzutauchen. Normalerweise bezahlt man für solche Gefühlszustände mit Jetons auf dem Rummelplatz.
Ravioli ist ein begehrtes Mittagessen auf See. Konservendosen sind lange halt- und gut lagerbar. Einfach in der Zubereitung kommen sie also vor allem dann zum Einsatz, wenn die Salomon rollt und stampft. Und das ist heute der Fall! Offensichtlich sind sie auch unter der Mannschaft beliebt!
Noch neun Meilen bis zum Ziel. Wir rechnen mit einer verbleibenden Fahrzeit von ungefähr zwei Stunden. Weil jetzt bereits halb fünf ist, beschliessen wir, das Nachtessen eine halbe Stunde vorzuziehen, damit das Ankermanöver nicht just mit dem Essen kollidiert. Nach dem Ankern wollen die Wochen der Jungs noch beurteilt werden.
Und wieder neigt sich ein Tag dem Ende zu. Mit einer ganzen Farbpalette verabschiedet sich die Sonne hinter dem Horizont. Seit einiger Zeit erhielten wir die Meldung „Land in Sicht!“ beim Näherkommen können wir die Lichter von Santa Maria angehen sehen. Ein vom Ausguck als Segelschiff gemeldetes Objekt auf zehn Uhr entpuppt sich nun als Leuchtturm! Etwas verblüfft meldet T.E. die erstaunliche Metamorphose!
Vor allem die seekranken Kadetten dürften sich besonders über die Ankunft freuen. Eins ums Andere werden die Segel unter der fachkundigen Anleitung von Matrose FZ geborgen. Sobald das Ankermanöver beendet ist, werden die Jungs das Deck aufklaren und alle Segel schön packen. Unterdessen werden wir Erwachsenen uns im Rat der Weisen versammeln und die Wochen der Jungs bewerten.
Und wieder haben alle Jungs ihre Wochen bestanden. Die familiäre Stimmung an Bord schlägt sich offensichtlich sehr positiv auf die einzelnen Jungs nieder!
Da irgendwo fand der Samstag statt. Weil der Schreiber nicht anwesend war, verliert er deshalb keine weiteren Worte. Jedenfalls lagen am Abend alle zwölf Buben zufrieden in ihren sauberen Betten. Verantwortlich für die saubere Koordination dieses Tages waren Urs Rüttimann und Hans Frischknecht.
Ein herrlicher Sonntagmorgen erwartet uns. Im Achtersalon wird’s heute verhältnissmässig früh lebendig. Wenn ich bedenke, dass Karina Grätz erst heute morgen früh circa um zwei Uhr in der Früh an Bord gekommen ist, staune ich nicht schlecht, dass auch sie bereits auf den Beinen ist. Madeleine scheint sich ganz offensichtlich schon prächtig mit Karina zu verstehen. Urs meint gerade, es sei schon interessant zu beobachten, wie schnell sich Frauen bei uns an Bord verstehen würden.. ich meinerseits finde das gut so, weil ich mich bei mir unbekannten Menschen oft furchtbar einsilbig erlebe!!
Aber auch bei den Jungs scheint Leben in die Bude zu kommen. Jedenfalls erschien unser Smut D.S. bereits an der Türe und verlangte nach Orangensaft für den Brunch. Das Bisschen Wind scheint gerade auszureichen, uns den herrlichen Duft von gebratenem Speck zuzutragen! Mmmm! Nach den oben beschriebenen Nachtaktivitäten scheint zumindest mein Magen darauf zu reagieren.
Nach dem Brunch, der einmal mehr vorzüglich geschmeckt hat, folgt auf die obligate Ämtlizeit ein weiteres Kapitel aus der Weihnachtsgeschichte. Ziemlich rührende Geschichte, wie uns allen scheint…. doch zum Glück kommt nun bald die Wende!!
Eine Umfrage, wer denn heute gerne an den Strand gehen möchte, ergibt ein Resultat, das mich überrascht! Nur gerade fünf Jungs nutzen die Chance. Ich nehme an, die Tatsache, dass sich unsere „Kinderecke“ sofort gemeldet hat, hat viele „erwachsene“ Jungs zur Zurückhaltung gezwungen. Offensichtlich ist es nicht jeder „Manns“ Sache, sich in kindlicher Begleitung blicken zu lassen!
Heute Nachmittag eröffnet der bordeigene Barbier für eine Stunde seine Pforten. Die Gelegenheit wird von D.S. und J.B. beim Schopf gepackt. Minuten später präsentieren sie ihre frisch gestutzten Frisuren!
Mit den allerseits begehrten Sonntagstelephonaten in die Schweiz klappt es trotz vielen Versuchen heute leider nicht. Wir vermuten, dass zurzeit Änderungen an der EDV vorgenommen werden.
Trotz kurzzeitiger Enttäuschung darüber, dass heute kein Jugendlicher seine Eltern telefonisch erreichen konnte, herrscht nach wie vor gute Stimmung. Die Landgänger sind alle müde aber wohlbehalten zurückgekehrt. Entsprechend heiss fiel dann auch der Hunger aus! Ich staunte einmal mehr, wie und wo die drei Kilogramm Spaghetti verschwunden sind!!
Soeben vernehme ich die mir wohlbekannt Stimme unseres Kapitäns am Funk. Er sitzt wohl drüben an Land in einem Restaurant. Er bittet darum unsere Decksbeleuchtung einzuschalten. Gesagt getan. Nach einer kurzen Kontrolle, ob alle Scheinwerfer frei liegen, werden alle Schalter umgelegt. Sofort erstrahlt die Salomon im warmen Licht unserer Halogenscheinwerfer! Ein schöner Anblick zum Abschluss einer schönen Woche.
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Montag, 05.12.2011
Nach einer unruhigen Nacht stehen wir etwas genervt auf: Aufgrund von Schwell schaukelt das Schiff stark hin und her. In der Nacht haben wir deshalb nicht viel geschlafen, und an Arbeitstraining ist so natürlich nicht zu denken. Urs ordert deshalb an, während des Morgensports das Besansegel zu setzen, um so etwas mehr Stabilität fürs Schiff zu gewinnen. Außerdem ziehen wir den Anker hoch und ankern etwas weiter vorne, in der Hoffnung, dass dort der Schwell schwächer ist. Und tatsächlich: Das Schiff schaukelt lange nicht mehr so stark, so dass wir das Arbeitstraining in Ruhe beginnen können: DS und MS in der Küche mit Reinigungsarbeiten, HÜ und GF beim Streichen der Abwaschstation, JB beim Inventarisieren unserer DVD-Sammlung, AG und AT beim Entrosten der Steuerhaustüre Backbord, FZ , TE und MM am Entrosten der Achter-Reling. YO und JC haben einen Spezialauftrag und bereiten den „Santi-Klaus“ von Morgen vor.
Mänu begrüßt beim Frühstück die Jungs herzlich: Gestern spät in der Nacht ist er nach einer längeren Reise auf dem Schiff angekommen. Nach den Ämtli begrüßen wir schon den nächsten Mitarbeiter: Hans Frischknecht hat sich kurzfristig entschieden, uns für ca. drei Wochen zu unterstützen.
Der Tag nimmt seinen Lauf – die Jungs erledigen ihre Aufgaben nur teilweise zu unserer Befriedigung: Es ist für sie nicht einfach, von Freizeit am Wochenende auf Arbeit umzustellen.
Am Abend gehen FZ, YO, JC und AG in den Ausgang. Sie staunen, wie günstig hier alles ist: Jeder hat etwa 680 Escudos ausgegeben, das sind etwa 6,50 Euro. Damit haben sie gegessen, getrunken und waren eine Stunde im Internet. Ziemlich aufgebracht erzählen die Jungs folgendes: Wenn sie mit grossen Noten bezahlen, können die Kapverdianer oft nicht genügend Münz herausgegeben und offerieren ihnen deshalb etwas Zusätzliches wie einen Lollipop. Außerdem verweigern sie oft, ihnen eine Quittung auszustellen. Da die Jungs aber wissen, dass die Abrechnung ihres Ausgangs stimmen muss, versuchen sie mit Händen und Füssen klar zu machen, was sie wollen. Aufgrund der Sprachbarrieren ist dies aber nicht ganz einfach. Auf jeden Fall sind sie irgendwie zum Ziel gekommen und legen mir ihr Retourgeld und alle erforderlichen Belege auf den Tisch. In der Zwischenzeit hat die „Dingi-Elite“ (MM, JB, AT, HÜ und TE) das Dingi hochgezogen. Die Nachtruhe kann auf dem Schiff einkehren.
Dienstag, 06. Dezember 2011
Um 09:00h startet das Arbeitstraining – die angefangenen Arbeiten werden von denselben Jungs wieder aufgenommen und fortgeführt. Sie zeigen auch heute einige Mühe, sich zu konzentrieren und ruhig für sich zu arbeiten.
Von der Wärme her merken wir langsam wieder, dass wir in Afrika sind. Wir freuen uns über die Sonne, denn wir waren etwas über das kühle Wetter enttäuscht, das am Wochenende und am Montag hier geherrscht hat.
JC, YO GF und JB basteln während der Mittagspause und in ihrer Freizeit am Kostüm vom „Samichlaus“ herum.
Um 16:30h ist Schluss mit dem Arbeiten. Nun ist „Pumpen“ angesagt – Kraftaufbautraining mit Hanteln und Bauchmuskeltraining. Danach ab unter die Dusche: Baden ist im Moment nicht angesagt, da das Wasser hier im Hafen von Mindelo ziemlich schmutzig ist.
Wir decken die Tische mit Orangen, Nüssen, Mailänderli und Schokolade. DS und MS haben für jeden einen „Grittibänz“ gebacken. Um 18:30h kommen JC und YO als „Samichlaus“ und als „Schmutzli“ verkleidet. Sie machen eine richtig witzige „Samichlaus-Show“ und bringen uns damit alle zum Lachen. Anschließend genießen wir unseren „Chlause-Höck“ und lassen den Abend friedlich ausklingen.
Mittwoch, 07. Dezember 2011
Mittwoch ist immer wieder ein Übungsfeld für die Jungs: Sie müssen ohne unsere Präsenz Morgensport betreiben, ihre Zimmer aufräumen, den Tisch decken, frühstücken und ihre Ämtlis erledigen. Erst wenn sie dies ausgeführt haben und am Einstehen sind, kommt jeweils der Ranghöchste – FZ – zu uns, damit wir die Ämtlis abnehmen können.
Um 10:00h ist Arbeitsbeginn bis zum Mittagessen. Nach der Siesta geht’s auf an den Strand – „Praia Grande“. Wir nehmen ein sogenanntes Aluguer – ein Pickup mit Sitzbänken auf der Ladefläche. Zu 13. pferchen wir uns hinten drauf, zwei nehmen vorne neben dem Fahrer Platz. In flotter Fahrt holpern wir auf einer gepflasterten Überlandstrasse zu unserem Ausflugsziel. Ein herrlicher Strand tut sich vor unseren Augen auf. Bevor die Jungs ins Wasser dürfen, nehmen wir sie zusammen und geben klare Regeln durch, da hier das Meer bewegter ist als an anderen Stränden.
Langsam verschwindet die Sonne hinter dem Berg, die Schatten werden länger, und wir brechen auf. In Mindelo zurück, gehen wir alle zusammen eine leckere Pizza essen. Anschließend gehen HÜ, AT und DS in den Ausgang. JB ist zum ersten Mal im Ausgang, was er sichtlich genießt. Er und Joni suchen ein Lokal, das den Champions League-Match FCB gegen ManU überträgt. In der Molen-Lounge feiern wir mit allen Ausgängern den Sieg des FCBs über ManU, bevor wir gut gelaunt aufs Schiff zurück fahren.
Donnerstag, 08. Dezember 2011
Heute ist es richtig heiss! Trotzdem gehen die Jungs gut an die Arbeit. Im Vergleich zum Beginn der Woche spürt man, dass sie sich nun wieder daran gewöhnt haben, in Ruhe zu arbeiten.
Urs Ziel ist es, bis morgen alle begonnenen Arbeiten abgeschlossen zu haben, damit wir nach dem Wochenende zu neuen Ufern aufbrechen können.
Eine kleine Episode von MM: Während des Mittagessens meint er, dass die Aufschrift „Nach all den Jahren bin ich fast perfekt!“ eben nicht stimmen würde. Wir müssen alle über seine vermeintliche Selbsterkenntnis grinsen, da er sehr häufig Konflikte auslöst. Früher wäre er über unsere Reaktion wütend geworden, doch heute kann er ebenfalls lachen. Er korrigiert uns dann aber doch noch, in dem er schelmisch sagt, er hätte eigentlich sagen wollen, dass man das „fast“ von seinem T-shirt entfernen sollte, so dass steht „Nach all den Jahren bin ich perfekt!“.
AG löst nach dem Arbeitstraining mit leuchtenden Augen seinen „Adventskalender-Bon“ ein und trinkt ein alkoholfreies „Füüroobe“-Bier.
FZ geht mit Urs, und MM mit Joni eine Pizza essen. Wir „Zurückgebliebenen“ erleben einen ruhigen zufriedenen Abend an Bord mit Spielen, Plaudern, Nautik-Stoff lernen etc.
Freitag, 09. Dezember 2011
Der letzte Tag unserer Arbeitswoche beginnt. Die Jungs beenden nach und nach ihre Arbeiten, unser Schiff ist bereit, nächste Woche auszulaufen.
FZ leitet heute das Arbeitstraining, was er sehr gut macht. Nachdem die Jungs fertig sind, üben sie sich in „ruhiger Freizeitgestaltung“. Auch das will gelernt sei, denn schnell mal haben die Jungs nämlich das Gefühl, es sei langweilig, sobald es ruhig ist.
Nach dem Mittagessen bis zu unserer Wochenrückblicksitzung macht Urs Arbeitsbesprechung mit den Jungs. Sie bekommen von ihm eine Rückmeldung bezüglich Qualität, Leistung, Selbständigkeit, Ordnung/ Sorgfalt und Verhalten. Anhand von diesen Punkten erhalten sie einen kleinen Lohn.
Nach unserer Sitzung werfen wir den Grill an, und schon bald ertönt Musik. Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen und das gemütliche Zusammensein. Ein Wermutstropfen ist, dass sich einer der Jungs einem anderen Jungen gegenüber fies verhalten hat. Als wir ein Einstehen machen, gibt es der betreffende Junge aber sofort zu. Die anderen dürfen abtreten, und Manuel spricht ihm unter vier Augen ins Gewissen.
Trotzdem wir es noch ein guter Abend mit vielen guten Gesprächen. Nach dem Grillieren wird aufgeräumt. Joni lässt den Beamer aufstellen, und wir schauen bei lautem Gelächter und Zwischenrufen wie „Hey, weisch, no! Genau! Ou nei, uhhh, das hett mi uuufgreggt!“ etc. Bilder von vergangenen Wochen. Es wird einem wieder so richtig bewusst, wie viel wir schon zusammen erlebt haben.
Samstag, 10. Dezember 2011
Urs, Joni und Mänu gehen am Vormittag schon an Land, um Verschiedenes bezüglich der Jahresplanung 2012 zu besprechen. Hans und ich bleiben mit den Jungs an Bord und nehmen den Samstagsputz in Angriff.
Nach ein paar anfänglichen Streitereien klappt es gut, und die Jungs machen gut mit.
Um 12:30h sind wir fertig und essen zu Mittag. Nachher werden die Ämtlis abgenommen, und die Jungs ziehen sich in die wohlverdiente Siesta zurück.
Da wir nur zwei Erwachsene sind, können wir nicht an Land. Deshalb machen wir Nachmittagsprogramm an Bord. Einige sonnen sich an Deck, andere lesen ein Buch, ein paar schreiben ein Mail nach Hause etc. Als ich alle „Kioskschachteln“ mitschiffs nehme, geht ein Ruck durch die Gruppe: Alle wollen sehen, welche Hygieneartikel zu kaufen sind. Ein paar mal machen sie sich einen riesen Spass daraus, Ware zu entwenden, um sie aber ein paar Minuten schon wieder zurück zu bringen.
Am Abend gibt es leckeres Poulet (mit Honig mariniert!) und gewürzten Bratkartoffeln. Es mundet!
Zur Krönung der Woche gibt es einen Film – „Karate Kid“ heißt die Wahl heute. Die Jugendlichen dürfen nach Schiffsalter ihren Sitzplatz wählen. So sitzen die Jüngsten jeweils auf der Treppe oder müssen auf den hinteren Bänken Platz nehmen.
Beeindruckt durch die Kampfkünste eines 12jährigen gehen die Jungs zufrieden in ihre Betten – mit frisch gewaschener Bettwäsche lässt es sich natürlich herrlich in den Sonntag schlafen!
Sonntag, 11. Dezember 2011
Zum Brunch kommt Cathy, eine Studentin, die als Serviertochter in dem von uns oft besuchten Restaurant arbeitet. Sie ist begeistert von dem Schiff. Als wir sie fragen, ob sie Interesse hätte, mit einem der „Elite-Jungs“ auf die Saling zu klettern, ist sie sofort dabei. YO übernimmt diese Aufgabe bereitwillig.
Nach dem Vorglühen geht es für die einen (FZ, JC, AG, HÜ, MM und AT) weiter mit Telefonieren, „Chillen“ und Musikhören. Die anderen (MS, GF und TE) gehen für eine Weile mit Mänu an den kleinen „Stadtstrand“, um sich sportlich zu betätigen. YO, DS und JB kommen mit Hans und mir mit auf den Monte Verde. Mit seinen 750m Höhe ist er der höchste Berg der Insel. In den steilen Hängen wird dort Mais angepflanzt – eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Kapverden. Leider ist die Aussicht wegen des bedeckten Himmels nur mässig gut, doch wir haben trotzdem viel Spass bei unserem Ausflug.
Auf dem Rückweg können wir bei einem „Maisbauer“ hinten auf der Ladefläche zwischen Arbeitern und mit Mais gefüllten Säcken mitfahren – ein Erlebnis besonderer Art.
Jonathan Reist wird um 15:30h verabschiedet und geht in seinen wohlverdienten Urlaub. Ab sofort hat Manuel Maurer wieder die pädagogische Leitung auf dem Schiff.
Am Abend müssen die Ausgänger (FZ, JC, HÜ und AT) einen Moment zittern: In der Stadt herrscht gerade Stromausfall; d.h. das Internet ist nicht zugänglich. Die Strassen sind fast stockdunkel, bis auf einige von Notstromaggregaten versorgten Leuchtreklamen. Im Restaurant sind nur noch zwei, drei Lampen an. In Afrika geschieht ein Notausfall öfters – deswegen herrscht in den Strassen keine Hektik. Die Kapverdianer nehmen’s gelassen. Zum Glück für die Jungs dauert der Stromausfall nicht lange.
Morgen werden wir den Anker lichten und Richtung Osten lossegeln. Welche Insel wir ansteuern, wird morgen entschieden.
Wir schauen auf eine erlebnisreiche Woche zurück und sind gespannt, was die nächste bringen wird.
Aus Mindelo
Madeleine Laffer
Montag 28.11.2011
Diese Woche stellen wir unter das Motto vorweihnachtliche Abenteuer- und Entdeckungsreise. Wie Kolumbus vor vielen Jahrhunderten wollen wir aufbrechen und einige Inseln entdecken.
Nach dem Frühstück wird auch sogleich das Schiff seeklar gemacht. Unter der Leitung von FZ, der lautstark tatkräftige Unterstützung von seinen Vormännern und Leichtmatrosen anfordert, werden das Sonnensegel abgebaut, das Beiboot fest gezurrt, die Sicherheitsnetze rundum angebracht und unzählige weitere Arbeiten erledigt. Während dessen klappert der Smutje in der Kombüse mit den Töpfen und Punkt 12:00 ist die „Fassstrasse“ eröffnet. Nach dem Essen gönnen wir uns noch eine Stunde Ruhe, denn die nächste Nacht werden wir unterwegs sein.
Um 14:00 lasse ich antreten. Müde verschlafene Gesichter gähnen mir entgegen. In der nächsten Stunde gebe ich den Seekadetten die Chance diesen etwas zweifelhaften Eindruck wieder gut zu machen. Das gelingt Ihnen auch restlos bei den folgenden Segelmanövern. Wie Kolumbus segeln wir ohne den Einsatz unserer Hauptmaschine weg von unserem Ankerplatz. Elegant drehen die fast 400 Tonnen Schiff weg als die Kadetten gekonnt ein Segel nach dem anderen setzen. Schon bald macht die Salomon gute 5 Knoten Fahrt Richtung Westen. Im Gegensatz zu Kolumbus wissen wir allerdings wann wir die nächste Insel antreffen werden. Sao Nicalao ist unser Ziel, welches wir innerhalb der nächsten 24 Stunden zu erreichen gedenken.
Dienstag 29.11.2011
Die Nacht war alles andere als erholsam. Wieder einmal müssen wir das ununterbrochene, seitliche hin und her Rollen des Schiffsrumpfes, ertragen und uns an der Matratze festkrallen. Relativ wenig Wind und eine Welle von schräg hinten verhelfen der Salomon zu diesem Schaukeln. Der Druck in den Segeln kann die Bewegung kaum dämpfen.
Kolumbus hat bestimmt Hängematten benutzt. Vielleicht sollten wir das auch einmal ausprobieren. Na ja, es ist ja nur eine Nacht. Wir werden dies ohne Einbussen an der guten Laune überstehen. Die Jugendlichen sind auf jeden Fall schon wieder erstaunlich munter und mitteilungsbedürftig. Und das ohne einen ersten Kaffee……
Frühmorgens haben wir bereits die Insel Sao Nicolao Bb querab. Weil es so gut läuft stecken wir auch gleich den Kurs nach Santa Lucia ab. Um die Mittagszeit werden wir vor der unbewohnten Insel ankern.
Um 12:30 fällt der Anker auf den 10 Meter unter uns liegenden Sandgrund. Jetzt werden all die Segel wieder anständig verzurrt und das Deck sowie das Beiboot klar gemacht. Nach den feinen Spaghetti orientiert Jonathan über das kommende Vorhaben. Eine Mini-Robinsonade, mit einer Nacht unter freiem Himmel schlafen, ist auf dieser unbewohnten Insel geplant. Kaum ausgesprochen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Viermal muss das Beiboot übersetzen um die gesamten Survivals Utensilien der Jugendlichen an Land zu bringen. Schon bald hat Jonathan bei einigen Fischern das Abendessen organisiert. Fisch natürlich. Es wird gebadet und rumgetollt, Fisch gegrillt und Geschichten erzählt. Einige Krabben, die sich in Ihrer Ruhe gestört fühlen, beschäftigen die müden Jungs während der ganzen Nacht.
Zusammen mit FZ und Christoph hüte ich die Salomon. Wir nutzen die ruhige Zeit um einigen Systemfehler zu finden. Die Feuermeldeanlage macht uns schon seit längerer Zeit Kopfzerbrechen. Gegen 18:00 haben wir den Fehler soweit eingegrenzt, dass wir wenigstens wissen welche Ersatzteile benötigt werden. Morgen um 6:30 werden wir dann nach einem ersten Kaffee die Gummizahnkupplung eines der Generatoren auswechseln. Es ist noch nicht spät, aber es zieht mich in die Koje.
Mittwoch 30.11.2011
Pünktlich um 6:30 erscheint FZ gut gelaunt und nimmt sich einen Kaffee von dem vorgeheizten Automaten. Ein Orangensaft schliesst unser Frühstück ab und wir machen uns an die Arbeit. Schon bald haben wir einige Beulen mehr am Kopf. Der Grund sind die vielen Schrauben, die kaum zugänglich sind und die Decke des Maschinenraumes die relativ tief hängt. Unzählige Ecken und Kanten sind immer da wo man das Bedürfnis hat etwas aufrechter zu stehen. Letztendlich sind wir aber dennoch erfolgreich. Vier Stunden später funktioniert unser Hilfsdiesel wieder einwandfrei. Mit dem Feldstecher sondiert Christoph hie und da die Lage an Land. Gegen 8:00 sind alle noch in Ihren Schlafsäcken. Eine Stunde später ist Betrieb am Strand. Inzwischen ist es 11:00 und in einer halben Stunde sollen wir die Abenteurer abholen, teilt uns Jonathan über Funk mit. Bin gespannt auf die Stimmung und ob alles einwandfrei geklappt hat. Die nächste Aktion an Deck wird sein alles vom Sand zu befreien. Doch bevor es soweit kommen kann beschäftigt uns noch ein kleiner Zwischenfall. Beim Aufnehmen des Materials kurz vor dem Sandstrand mit dem Beiboot wird dieses durch eine kleinere Welle unkontrolliert an Land gespült . MM und MS werden dabei getroffen. Ein geschwollener Fuss und einige schmerzhafte Stellen bleiben zurück. Wir entscheiden unseren Törnplan zu ändern um nach Mindelo zu fahren. Da haben wir die bestmögliche ärztliche Versorgung. Denn auf jeden Fall wollen wir unsere Pechvögel von Ärzten begutachten lassen.
Inzwischen ist das gesamte Material wieder an Bord und vom lästigen Sand befreit. Die Waschmaschine läuft auf Hochtouren. Die Jungs haben einen riesigen Hunger, welcher mit 3kg Spaghetti, Brot und weiteren Resten gestoppt werden kann. Unsere beiden Patienten haben ebenfalls eine doppelte Portion verschlungen. Die Beiden bekommen noch ein Medi gegen die Schmerzen und liegen jetzt umsorgt von Allen lesend in der Koje.
Die Robinsonade war eine interessante Erfahrung. Einige der Jungs haben das erste Mal unter freiem Himmel geschlafen. JAB und HÜ lernten Fisch essen, etwas anderes gab es ja auch nicht. Und nebenbei sahen die Jungs Haie, die innerhalb der letzten Brandungswellen, also etwa 10 Meter vom Strand weg jagten (Fische natürlich).
Am Abend flimmert dann der Film „Die Trueman Show“ über die Leinwand. Dies als gemeinsamer Abschluss dieses Abenteuers. Auch unsere Patienten sind natürlich mit von der Party.
Donnerstag 01.12.2011
Erster Advent. Nicht deswegen, aber immerhin trifft sich das Team um 06:00 zum gemeinsamen Kaffee. Wir besprechen den Tag und erfreuen uns an dem von Madeleine und Christoph gestern fertig gestellten Adventskalender in Form eines Tannenbaumes. Um 06:30 wecken wir freundlich unsere Kadetten, frühstücken und schon bald darauf rattert die Ankerwinsch. Über 120 Meter Kette gilt es wieder an Bord zu holen. Das dauert. Das Ankerteam arbeitet ruhig und zuverlässig. Gleichzeitig bereiten die anderen Jungs die Segel vor um diese dann schnellst möglich setzen zu können. Ich bin erstaunt wie gut die Jungs alles im Griff haben. Die sind echt gut, arbeiten ruhig und gekonnt. Ein gutes Gefühl.
Eine Stunde später liegt das Schiff leicht auf der Seite und wir segeln mit 7 Knoten Richtung Mindelo. Den Patienten geht es schon wesentlich besser. Die Schwellungen sind zurück gegangen. Trotzdem werden wir heute noch mit den Beiden zum Arzt gehen.
Die letzten 6 sm stampfen wir genau gegen den Wind und eine erhebliche Welle an. Ganz nah an der Küste hilft uns eine Neerströmung trotzdem voran zu kommen. Nach etwas mehr als einer Stunde laufen wir in die grosse Bucht von Mindelo ein. Viele Yachten liegen hier, bevor sie dann über den Atlantik in die Karibik aufbrechen. Ich mag diesen Yachttourismus nicht.
Etwas später haben wir unseren Ankerplatz eingenommen. Nur gerade 4 Meter liegen unter dem Schiff. Etwas später sind die Patienten inklusive Begleitung unterwegs in eine Privatklinik.
19:10 Die Patienten sind mit einem positiven Bescheid und einigen Röntgenbilder unter dem Arm wieder an Bord. Gott sei Dank nur Prellungen und eine Stauchung. Einige Tage Ruhe und dann ist wieder alles in Ordnung.Übrigens 1. Advent, das Türchen wurde geöffnet und darin befand sich ein Gutschein für einen feinen Kaffee aus dem Teamautomaten. YO war der Glückliche.
Freitag 02.12.2011
Retablierungsarbeiten stehen heute auf dem Tagesprogramm. Doch zuerst wird nach der Bedeutung dieses häufig in der Schweizer Armee ausgesprochenen Wortes gesucht. Re table, zurück auf den Tisch stellen, war dann schlussendlich unsere gemeinsam konstruierte Erklärung (ohne im Internet zu googeln). Ein Teil dieses „zurück auf den Tisch stellen“ besteht darin das Zelt über unseren Essplatz in der Mitte des Schiffes zu spannen. Dies kann man so oder so tun. Heute war ich persönlich dabei und ich bin ein ehrgeiziger Mensch. So kam also nicht in Frage. Sondern es musste so sein. Nicht jeder Jugendlichen verstand wieso denn das jetzt ohne Falten geschehen soll……..Aber ohne meckern wurde umgesetzt….und das ist uns wichtig. Anders Denken ist gerne erlaubt….
Unser Sonnenverdeck wurde dann aus Übermut noch mit blinkenden Lämplis geschmückt. Am Nachmittag bestand der Auftrag Freizeit sinnvoll zu gestalten. Die Jungs staunten nicht schlecht, dass man auch das können muss. Mit „hängen“ alleine die Zeit zu verbringen kommt nicht ausschließlich in Frage.
Diese Woche haben alle Ihre Wochenauswertung bestanden. Das gibt ein Extra-Einstehen, einen Applaus und nach dem Grillen einen weiteren Extra-Unterhaltungsfilm.
Nun ist bereits Abend und die Musik aus der Soundbox gefällt mir ehrlich gesagt nicht. Schon besser gefällt mir der überall hängende Geruch von gegrilltem Fleisch. Wir sind alle guter Laune und ich bin sicher es gibt ein lässiges Wochenende.
Samstag 03.12.2011
Morgensport, Frühstück und Befindlichkeitsrunde. Wie jeden Samstag starten wir mit demselben Ablauf in den Samstag. Nach dem Putz verzehren wir die Reste des gestrigen Grillabends. Alle werden satt. Das Wetter ist eher bescheiden, ja es stürmt sogar regelrecht und der Wind lässt das inzwischen ins Wasser gelassene Beiboot wie wild auf den Wellen tanzen. Wir entschliessen uns an Bord zu bleiben. Freizeit ist angesagt. Etwas mit dem immer noch nicht alle Jugendlichen gut umgehen können.
MM und GF, zwei unserer Schützlinge bekommen sich nach dem Essen noch regelrecht in die Haare. Wir stehen einfach dazwischen und da bleibt es bei gegenseitigen Schimpftiraden. Nachdem sich beide wieder beruhigt haben finden Einzelgespräche statt. Einsichtig ist der eine, der andere bis zu einem gewissen Grad. Die Ehre will ja schliesslich auch noch gerettet werden. Am späteren Nachmittag sitzen die beiden Kontrahenten wieder Arm über die Schulter vor dem Flugsimulator. Wir leben eben in einer schnellen Zeit. Ein leckeres Curry Reis mit einheimischen Bananen als Früchtedekoration wird von der Küchencrew zum Nachtessen serviert. Anschliessend der vierte Film in dieser Woche. Eine Kumulation von besonderen Leistungen und besonderen Umständen führt zu diesem Novum. Es ist wirklich nicht üblich, dass wir so viele Videos zeigen und das erkläre ich den Jungs auch noch deutlich. Die Beverly Hills Cops 3 bringen die Jungs dann zum Lachen. Selber will ich mir diesen Streifen nicht antun. So bleibt es bei gelegentlichen Kontrollgängen. Um 23:45 hole ich Madeleine und Jonathan aus dem Ausgang ab. Bis 02:00 wird noch gequatscht. Dann ist aber definitiv Zeit die „Segel zu streichen“, ein seemänischer Ausdruck für in die Koje gehen…..
Sonntag 04.12.2011
Um 7:30 hilft eine Vitamintablette und ein Kaffee den nötigen Schwung zu mobilisieren um diesen Tagesbericht zu verfassen. Vorher wird jedoch noch die persönliche Wäsche gefaltet und verstaut. Wieder einmal bleibt ein Socken als Waise zurück ……Der eingeübte Blick zurück und das von Mama gelernte Drehen der Wäschetrommel, all das hat in diesem Falle nichts genützt. Der Socken bleibt verschwunden. Unwichtig.
Wie abgemacht kommt DS um 8:30. Kein Brot vorhanden lautet die Meldung des Küchenchefs. Gut dann eben Brot holen. Das Beiboot wird gewassert und nun fehlen noch die Kapverdischen Escudos. Der Schlüssel unseres Tresors hat Jonathan, der sich noch im Reich der Träume befindet. Also warten, ja nicht aufwecken……. Der Tag fängt richtig verlockend an. Das Wetter und der heulende Wind spielen Ihr eigenes Lied dazu. Und die Aussicht auf unserem „Weg zum Brot“ richtig schön nass zu werden besteht auch noch. It`s one of those days, wo einfach nicht alles rund laufen will. Aber wir werden den Karren schon noch in Schwung bringen. Diese Einstellung vermitteln wir unseren Kadetten den ganzen Tag und siehe da, oft lassen sich diese mitreissen. Ehrlich gesagt manchmal auch nicht.
Madeleine ist bezüglich Cash unsere Rettung. Mit 4000 Escudos fahren DS und ich an Land und stellen uns der schwierigen Aufgabe am Sonntag frisches Brot zu finden. Ein Gastarbeiter aus Senegal hilft uns dann die beste Bäckerei zu finden. Währenddessen unser Brot eben mal hergestellt wird, 50 Brötchen sind nämlich nicht auf Lager, geniessen wir Beide einen Kaffee und eine Minipizza und stellen nebenbei locker fest, dass wir in der Schweiz bereits längst wieder zu Hause wären. Die Mühlen malen hier bedeutend langsamer. Etwas einiges später kommen wir durchnässt aber mit zwei Einkaufstüten voller Brötchen wieder auf der Salomon an. Das Frühstück lässt auch nicht lange auf sich warten und wir geniessen die Baquets und die frischen Spiegeleier von glücklichen Hühnern.
Es war eine ereignisreiche Woche mit vielen Abwechslungen. Heute soll noch eine Aluger Fahrt über die Insel stattfinden. Unsere Jungs lieben es hinten auf der Ladefläche eines Pickups zu sitzen und über die holprigen Strassen chauffiert zu werden. ur
Montag 21.11.2011
Die Sonne begrüsst uns in der neuen Woche, in die wir gut starten – anders geht es ja gar nicht bei diesem Wetter!
Um 10h gibt es ein Einstehen, um Patrick, Fredi und Cla zu verabschieden. Gleichzeitig werden AG zum Leichtmatrosen und JB zum Schiffsjungen gradiert. Cla verteilt die Nothelferausweise und -Diplome an GF, TE, AG, JB, MS, AT, HÜ, MM, DS und JC. Die Jungs können dadurch viel Zeit und Geld sparen, wenn sie den Nothelfer hier auf dem Schiff machen.
Anschliessend starten Karl und ich mit Schule. YO, AT, FZ, HÜ, JC und AG sind bei Karl in Mathe- und Deutschunterricht. GF, DS, MS, JB und TE sind bei mir. Thema ist heute: Michael Jackson. Die Jungs machen motiviert und interessiert mit.
In der Mittagspause kommen Urs und Christoph an – ding, ding! Schon stehen die Jungs stramm an Deck. Urs und Christoph freuen sich sehr, uns alle wieder zu sehen und begrüssen uns herzlich.
Nach der Schule hüpfen die meisten fröhlich ins Wasser und kühlen ihren Kopf ab. Die Ausgänger JC, YO, DS und FZ machen sich bereit und freuen sich auf ihren ersten unbegleiteten Ausgang auf den Kapverden. ml
Mit der Schweizerischen Fluggesellschaft Hello fliege ich zusammen mit unserem Mentor am Montag in der Früh Richtung Kapverdische Inseln. Etwa 40 kg Übergepäck begleiten uns im dicken Bauch des Airbus 320 dessen maximal zulässiges Abfluggewicht von 77 Tonnen nur um 1 Tonne verfehlt wird. Die Treibstofftanks sind bis zum Rand gefüllt und die Grenze der Reichweite für diesen Flugzeugtyp mit dem Flug auf die Kapverden erreicht.
Kurz nach 12:00 Lokalzeit landet der Flieger, nach einem kurzen Zwischenstop auf Brava sicher auf der 40 km nördlich liegenden Insel Sal.
Nach einer kurzen Taxifahrt Richtung Süden sehen wir die Salomon schaukelnd einige hundert Meter seewärts vor Anker liegen. Der Weg über den neu gebauten Holzsteg führt uns zwischen blutigen Schlachtabfällen von Fischen aller Arten und Gattungen an den Kopf des Steges. Unter löchrigen Sonnenschirmen sitzen Verkäuferinnen und versuchen uns das anzudrehen, was vermutlich heute Morgen noch froh durchs Wasser geschwommen ist.
Nervös bin ich schon seit gestern Abend. Gespannt auf die Jungs, auf jeden Einzelnen. Es ist absolut eindrücklich zu erleben wie sich die jungen Männer auf See entwickeln.
FZ am Motor und AG kommen mit dem Beiboot um uns abzuholen. Gekonnt manövriert der Junge Matrose das Beiboot zwischen den unzähligen Leinen der vor Anker liegenden Fischerboote hin zum Steg.
Kurz darauf legen wir an der Salomon an und da stehen Sie in Uniform. Die jungen Männer die diese besondere Art der Lebensschule mitmachen. Hie und da ein freudiges Grinsen. Offene Gesichter, freundliche Blicke. Die Stimmung ist gut. Das erkennen wir sofort. Einzeln begrüsse ich jeden der Jugendlichen und gebe meiner Freude Ausdruck, sie in dieser guten Verfassung anzutreffen. Auch JAB, ein Jugendlicher den ich bei einem Vorstellungsgespräch etwa einen Monat vor meiner Abreise kennen lernen durfte, fällt mir positiv auf. Ein junger Mann, dem man in die Augen schauen kann und den man ernst nehmen will.
Am Nachmittag ist wiederum Schulbetrieb. Die Gruppen werden jeweils geteilt und einzeln unterrichtet. Die unterschiedlichen Niveaus der Lernenden stellen hohe Anforderung an unsere Lehrkräfte. Man will ja schliesslich allen Schülern gleich gerecht werden.
Dienstag 22.11.2011
Kurz nach 4:00 weckt mich die durch die Zeitverschiebung betrogene innere Uhr und nach einmal mehr Wälzen beginnt der Arbeitstag eine Stunde später. Nachdem der Wassermacher eingeschaltet ist beschäftigt mich unser Server, das neue Macbook und das schiffseigene Wireless Netzwerk bis der Morgen graut. Obwohl unser Arbeitsweg höchstens 15 Meter beträgt kommt es hie und da zu einem Stau. Wenn nicht an der steilen „Josi“ Treppe, dann spätestens am Kaffee Automaten. Frühaufsteher haben da einen leichten Vorteil.
Die Jungs schlafen gut. Das Schiff ist wie eine Wiege. Ununterbrochen in Bewegung. In den engen Kojen fühlt man sich deswegen schnell einmal geborgen. Schwimmen vor dem Frühstück dient in erster Linie der Sicherheit und körperlichen Ertüchtigung. Man kann ja nicht auf dem Wasser leben und ein schlechter Schwimmer sein. Den zusätzlichen Effekt einer garantierten Ganzkörperreinigung nehmen wir natürlich ebenfalls gerne an. Zudem schmeckt das Frühstück nach diesem Bad frühmorgens besonders gut.
Täglich grüsst das Murmeltier…. Alltag auf der Salomon. Auch heute wird wieder gebüffelt. Schule, oder noch besser das Lernen, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Einige der Jungs begreifen diese Tatsache und ein kleinerer Teil ist da noch nicht ganz gleicher Meinung. Trotzdem herrscht grösstenteils Ruhe und Disziplin während den Schulstunden. Das Mittagessen nehmen wir unter dem grossen Sonnensegel Mittschiffs ein. Unser Chefe Smutje D zaubert mit grosser Ausdauer und zunehmendem Können gute Speisen auf den Tisch.
In der Freizeit wird gebadet was das Zeug hält. Dieses Vergnügen gönnen wir unseren bewegungsdurstigen Jugendlichen gerne. Allerdings müssen zuerst alle Ämtlis und die anstehenden Aufgaben erledigt werden. Eben wie im Leben eines Erwachsenen so üblich.
Mittwoch 23.11.2011
Abwechslung trägt wesentlich dazu bei, dass die Laune der gesamten Crew im positiven Bereich bleibt. So entscheiden wir uns den Ankerplatz zu wechseln. Allerdings teilen wir dazu die Gruppe. Der grössere Teil wird auf dem Landweg Richtung Palmeira wandern und bei dieser Gelegenheit noch die Touristenattraktion „Salinen“ besuchen. Unschwer zu erraten, woher die Insel „SAL“ ihren Namen hat. Zusammen mit drei Jugendlichen fahre ich mit dem Schiff die 15 Seemeilen der Küste entlang zu dem kleinen Hafenstädtchen Palmeira.
Alles verläuft ruhig und friedlich und um 17:00 können wir die müden Wanderer wieder an der Mole abholen. Anschliessend wird ausgiebig gebadet und das erfrischende Wasser genossen. Unser wasserdichter Fotoapparat wird rege benutzt. Nebenbei lasse ich den Anker auf dem Grund aufnehmen. So kann ich in etwa beurteilen wie dieser hält und ob es beim hieven eventuell Probleme geben könnte. Abends gehen alle früh schlafen. Den ganzen Tag in der Sonne und das heisse Bad im Salinensee, in dem man, wie einige der Jungs fest stellten, gar nicht untergehen kann, kostet Kraft und Energie.
Donnerstag 24.11.2011
Pünktlich um 7:00 stehen die Kadetten bereit für die 10 Schwimmrunden. Alle sind pünktlich und für die allermeisten scheint dieses morgendliche „weak up“ Ritual inzwischen eine willkommene Gelegenheit zu sein den letzten Schlaf aus den Augen zu waschen.
Schnellster ist wie immer JAB. Selber bezeichnet er sich zwar als unsportlich, aber wir nehmen Ihn da ganz anders war und das bekommt er auch mindestens einmal im Tag zu hören.
Den Schulunterricht leitet zur Zeit ein pensionierter Sekundarlehrer. Karl hat nach einigen Jahren des Rentnerlebens entschieden seine Fähigkeiten nochmals unter Beweis zu stellen. Selber bin ich auch äusserst beeindruckt mit welcher Erfahrung und Phantasie er den Unterricht gestaltet und führt. Klar erkennen die Jungs die Grenzen und dementsprechend diszipliniert und ruhig geht es während den Unterrichtsstunden zu und her.
Das von Joni und MS auf den Tisch gezauberte Mittagessen schmeckt einmal mehr hervorragend. Nach der Mittagspause drücken die Jungs erneut die Schulbank. Der interessante Unterricht hat den Nebeneffekt, dass eine wirklich gute Stimmung unter den Jugendlichen an Bord herrscht. Am Abend vor und nach dem Essen merkt man das am ausgelassenen Plantschen und Geschrei rund ums Schiff.
Freitag 25.11.2011
Wiederum liegt eine ruhige Nacht hinter uns. Nur leichtes Schaukeln lässt erahnen, dass wir uns auf dem Wasser befinden. Es hat erstaunlich viele Wolken und der Wind ist auch nicht allzu stark. Um uns herum haben sich an diesem ungewöhnlichen Ankerplatz mehrere Yachten angesammelt, die teilweise relativ nah bei uns geankert haben.
Es ist halb sieben und im Bauch der Salomon herrscht noch Ruhe. Nur das monotone Summen der Lüftungsanlage ist zu hören. Diese Zeit der morgendlichen Ruhe ist angenehm. Man erhält die Gelegenheit sich Gedanken zum bevorstehen Tag zu machen.
Inzwischen ist aber Betrieb rund ums Schiff. Die Kadetten schwimmen Ihre obligaten Runden.
Es ist Freitag. Alle freuen sich auf den Höhepunkt dieses Tages, unser Freitagsgrillen.
Doch bevor es soweit ist gilt es noch einen weiteren Schultag zu „überstehen“.
Nach etlichen Schulstunden und einem ausgiebigen Plantschen dann gemütliches Beisammensein bei Steaks und Huhn vom Grill. Meister der glühenden Kohle war diesmal GF.
Das letzte Thema des Tages waren dann gewisse Umgangsformen untereinander die einer Korrektur unsererseits bedurften. Mit viel Geduld und Verständnis für das Unverstandene versuchen wir zusammen mit den Betroffenen Lösungsansätze zu finden. YO und DS überraschen uns dabei mit Ihrem reifen Verhalten. Einmal mehr die Erkenntnis unsererseits. Mit Klarheit, Sanftmut, Zuwendung und Liebe lässt sich mehr bewegen als mit „Donnergrollen“……
Samstag 26.11.2011
Der erste Jugendliche der mich anspricht ist heute MS. Sein Anliegen besteht darin die bevorstehenden 10 Schwimmrunden bereits jetzt absolvieren zu dürfen. Daraus wird natürlich nichts. Die zweite Frage lautet dann ob er denn schon baden darf. Auch da muss ich Ihn enttäuschen. Noch keine Zeit für die Badeaufsicht. Aber da stellt sich dann glücklicherweise Karl zur Verfügung und jups ist M im Wasser.
8:30, etwas später als unter der Woche, beginnt das morgendliche Schwimmen. Bis auf 3 Nachzügler wird eine sportliche Leistung geboten. Wie immer JAB, einsam seine Runden drehend, an der Spitze.
Nach dem Frühstück und der sogenannten „Befi-Runde“, bei der wir oder besser gesagt die Jugendlichen ihr Befinden offenbaren können, geht es dann los mit dem wöchentlichen Putz.
Als alle Ihre persönlichen Pflichten erledigt haben folgt als Gemeinschaftswerk noch das Polieren unserer Messingrahmen und Signalglocken. Hartnäckig verfolge ich das Ziel die Arbeiten zu beenden bevor das Mittagessen auf den Tisch kommt. Erst als das letzte „Lümpchen“ und Putzmittelchen verstaut ist lasse ich einstehen und wir verabschieden unseren Karl, der uns leider früher als vorgesehen verlassen muss. Danach ist endlich das Essen an der Reihe.
Anschliessend gönnen wir uns 1 ½ Stunden Mittagsruhe und zwar ohne Baden. Dafür haben wir anschliessend noch genügend Zeit.
Pünktlich um 15:00 kommen die „Murmeltierchen“ wieder aus einem Bau. Dieses Bild schiesst mir auf jeden Fall in den Kopf als einer nach dem anderen der Jungs seinen“Bau“ verlässt. Schon bald herrscht wieder munteres Treiben an Deck. Nebenbei werden Wochenrückblicke abgehalten, es wird gebastelt und gelesen.
Spaghetti mit 3 verschiedenen Saucen wird zum Abendessen offeriert. Danach gehen wir alle gemeinsam ins Bordkino. Der der Streifen Beverly hills cops wird gezeigt. In der Pause wird nicht Pop corn geknappert sondern an einer leckeren Schokoladencreme geleckt. Nach der zweiten Filmhälfte ist dann Bettzeit und schon bald herrscht Ruhe im dicken Bauch unseres Schiffes.
Sonntag 2711.2011
Lange ausgeschlafen wird bei uns auch am Sonntag kaum. Ab 8:30 sind sicherlich die ersten Jungs in Bewegung und die in der Nacht herrschende Stille ist bald vorbei. Das Programm des heutigen Tages wird sein, dass Jonathan und Madeleine nach der Mittagszeit mit den Jungs nach Santa Maria an den Strand fahren.
Ab Morgen dann werden wir zu einer wöchentlichen Erkundungsfahrt aufbrechen. Die Kapverden bestehen aus 9 Inseln und bis jetzt haben wir nur Sal besucht. Es gibt noch einiges zu entdecken. ur

































































