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Position 37°06.74′ N / 008°31.44′ W

In Portimao vor Anker

Am Samstagnachmittag sind wir in Portimao angekommen und im äusseren Hafen vor Anker gegangen. Die letzten 30sm waren ziemlich beschwerlich, weil wir gegen einen recht starken Schwell ankämpfen mussten. Doch wir schafften es schliesslich und freuten uns in Portugal angekommen zu sein.

Die Behörden der Yacht-Marina begrüssten uns freundlich und erinnerten sich an meinen Besuch von vor 3 Monaten, als ich die Gegend hier nautisch erkundete. Sie sagten, dass wir vor Anker liegen dürften und nicht einklarieren müssten, weil wir seit Monaten in der EU wären.

Am Samstagabend gab es den obligaten Film: „Centurio“, der bei den Jungs Anklang fand. Danach wieder einmal eine Nacht ohne Störung. Keine Wache, seis für die Leinen oder auf See für die Schiffsführung. Am Sonntag um 10.30 Uhr genossen wir bei strahlendem Sonnenschein an Deck den leckeren und sehr vielfältigen Frühstücksbrunch.

Am Nachmittag gingen Joni, Beat mit einer Handvoll Jungs an den riesigen Strand Fussball spielen. Tolle Sportanlagen hat es hier: Volleyballfelder, Basketballplätze und Fussballfelder. Und alles top gewartet. Gelber, feiner und sauberer Sand, der regelmässig gereinigt und geglättet wird.

Auch Ausgangsmässig wird Portimao genutzt. Die Jungs (nun auch W.P.), die mindestens Schiffsjunge sind und einen guten Notenschnitt hatten, nutzten die Gelegenheit und gingen an Land, ins Internet oder in irgend eine Burgerranch.

Heute Montag ankerten wir um in Richtung Westmole und legten 5 Schäkel aus. Insgesamt liegen jetzt 137.5m Kette auf dem rund acht Meter tiefen Sandgrund, der sehr guten Halt bietet. Der Westwind war heute schon ziemlich stark und soll morgen noch stärker werden. Ab Mittwoch wird’s wieder ruhiger.

Patrick Graenicher

Position: 37,40.48N , 9,30.22W

Rundung des Cabo de Sao Vicentes

Auf unserer Steuerbordseite fahren gerade acht bis zehn Grossschiffe in Richtung Lissabon, dessen Lichter wir aus 100km Entfernung am dunkeln Nachthimmel sehen können. Wir fahren in entgegengesetzter Richtung nach Süden. Unser Ziel ist morgen früh um sechs Uhr das südwestliche Kap von Portugal – das Cabo de Sao Vicente.  Das Meer ist ruhig und es ist jetzt um 21.30 Uhr immer noch 20° C warm. Morgen Nachmittag dürften wir in Portimao vor Anker gehen. Wir freuen uns alle auf die Algarve.  Heute Mittag grillierten wir mittschiffs bei Sonnenschein und 15kn Wind – es war eine super Stimmung an Bord und alle genossen diesen tollen Moment. Unsere beiden Backschaft-Boys, L.M. und W.P., sorgten dafür, dass alle genügend Fleisch und Salate auf den Teller bekamen.  Nach der Mittagspause ging es für W.P. dann um die Wurst. Er musste zum zweiten Mal zur Schiffsjungenprüfung antreten. Ein wenig nervös war er schon, obwohl er in der letzten Zeit viel gelernt hatte. Doch seine Abneigung Prüfungen gegenüber spielte ihm dieses Mal keinen Streich und er bestand den Test mit guten Noten. Das freute alle und vor allem W., weil er jetzt in den Ausgang kann.

Patrick Graenicher

Position: 40,7.17N , 10,0.78W

Entlang der portugiesischen Atlantikküste

Am letzten Wochenende erlebten wir, wie die See bei Sturmwetter in Bewegung gerät. Doch nicht auf See, sondern geschützt in der Bucht von Baiona (Galizien). Unser Ankerplatz lag östlich hinter dem Fort auf dem Hügel, der zwischen Bucht und offenem Ozean steht. Zu Beginn, als der Sturm aus Südwesten kam, betrugen die Windspitzen rund 45kn und unser neue 430kg-Backbord-Anker hielt ausgezeichnet und wir rutschten keinen Zentimeter. Zwei Tage später, am Sonntag, zog die zugehörige Kaltfront durch und der Wind drehte auf Nordwest und legte an Stärke zu. Bis zu 50kn betrugen nun die Böen und der Schwell in unserer Bucht nahm zu. Doch wir lagen relativ ruhig, da wir tags zuvor vorsorglich an die Innenseite des Wellenbrechers verholt hatten. Trotzdem mussten wir Leinenwache gehen und die Fender immer wieder anpassen. Am Nachmittag ging ich an Land und hinter dem Fort sah ich ein weiss aufgewühltes Meer mit brechenden Wellen, die an den Felsklippen emporschlugen. Die Höhe der Wellen betrug etwa 6 bis 8 Meter. Weiter draussen waren sie bestimmt um die 10 Meter. Und der Wind war hier so stark, dass ich kaum vorwärts kam. Ich ging ins Internet und checkte das Wetter für die geplante Weiterfahrt nach Portimao in Portugal. Und die Prognosen waren gut, um am Mittwoch-Mittag ablegen zu können. Bis dahin hatten wir aber noch viel zu erledigen. Am Montagabend kam Jonathan Reist mit zwei neuen Jugendlichen an Bord, die von allen freundlich empfangen und eingewiesen wurden. Am Tag vor dem Ablegen ging es auf dem Schiff wie in einem Bienenhaus zu und her. Die Jungs vom Arbeitstraining strichen die letzten blank geschliffenen Stellen an der Backbord-Schanz und unser Bootsmann F.Z. wechselte die letzten Leinen, um seeklar zu sein. Die Backschaft-Jungs W.P. sowie L.M. gingen mit Jonathan auf Grosseinkauf und sie erregten im Supermarkt grosses Aufsehen, wurden fotografiert und gefilmt, als sie mit 15 vollen Einkaufswagen eine Kasse für eineinhalbstunden in Anspruch nahmen. Johanna gab im Salon Schulunterricht und ich ging mit den drei Ausreissern in Uniform gekleidet zum Headquarter der Guardia Civil hoch über der Bucht, wo die Jungs dem Einsatzleiter der Suchaktion, Carlos, einen selbst gebackenen Kuchen übergaben für die sehr wohlwollende Behandlung , die entstandenen Mühen und die schlaflose Nacht, als die Suchaktion anlief. Dieser freute sich sehr und gab den Jungs ein paar weise Ratschläge mit auf den Weg. Danach fuhr er uns in seinem Wagen zum Hafen runter und wir verabschiedeten uns im Wissen, dass wir hier jederzeit willkommen sind. T.P. musste noch kurz in die Clinica Dental, weil sich sein Weissheitszahn bemerkbar machte. Der Zahnarzt  kontrollierte die Stelle und verschrieb ein entzündungshemmendes Medikament. Erleichtert, dass es nichts Schlimmeres gewesen ist, gingen wir zurück aufs Schiff und klinkten uns wieder ins Arbeitstraining ein. Baiona war für uns ein guter Liegeort. Sehr nette und hilfsbereite Leute, die uns fast alle auf den Strassen erkannten. Gut, es wurde auch viel über uns in den Zeitungen berichtet und wir kamen sogar im Fernsehen, als die drei Jungs auf Kurve waren. Doch die Berichte waren überhaupt nicht kritisch und negativ, sondern eher mitfiebernd und sorgend um das gesundheitliche Wohl der Jugendlichen.

Seit gestern Mittag sind wir unterwegs nach Süden und wir überqueren gerade den 40zigsten Breitengrad, der die subtropischen Breiten nach Norden begrenzt. Man spürt es, es wird wärmer. Letzte Nacht war es 18° C warm und heute scheint die Sonne bei rund 24° C. Wir segelten Vorwind mit allen Rahsegeln gesetzt und legten bereits 120sm in den ersten 24 Stunden zurück. Zwar haben wir von Nordwesten einen 4m hohen Schwell, der uns immer wieder ins Rollen bringt. Doch es hält sich im Rahmen. Die beiden neuen Jugendlichen lernen den Wachrhythmus unter unterschiedlichen Vorzeichen kennen. Während sich der eine viel Mühe gibt und tut, was wir ihm sagen, lässt der Zweite fast keine Möglichkeit aus, eine Wachverlängerung aufgebrummt zu bekommen. Doch das wird sich auch bei ihm legen.

Patrick Graenicher

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Das sonnigwarme Spanienwetter wurde in den letzten Tagen von einer Schlechtwetterfront mit starken Windböen gestört. Käpitän Patrick ordnete am Donnerstag ein Umankern und nächtliche Ankerwache an. Der neue Anker hielt dem starken Südwind stand und die Nacht verlief dadurch ruhig. Gestern wechselten wir wegen starken Wind aus Nord-West und aufkommendem Schwell an eine Schwimm-Mole hier im Hafen von Baiona. Beim Heraufziehen des Ankers verfingen sich Reusen (Käfige zum Fische fangen) in der Ankerkette. Eine davon enthielt einen Tintenfisch und T. bemerkte ganz nebenbei „Patrick fängt mit dem Anker mehr Fischen, als W. (unser Fischer an Bord) mit der Angel“.
Die Manöver verliefen allesamt gut und die Jungs nahmen ihre Aufgaben sorgsam wahr.
Während der Woche war Schule und Arbeitstraining angesagt. Die Hälfte der Jungs entfernte rostige Flecken an der Backbord-Schanz und überstrich die freigelegten Stellen zuerst mit einer Grundierung und anschliessend mit Farbe.
Die andere Hälfte war bei mir im Unterricht. Schwerpunkt war Lesetraining und Bruchrechnen.
Ich werde in meinem Plan bestärkt, weiterhin am Leseverständnis zu arbeiten, als ich in der Küche folgende Konversation hörte (die Jungs waren am Dessert zubereiten)

H: nein, nicht in den Kühlschrank stellen!

W: doch, lies doch hier (hält das Rezept hin)

H: nein, das kannst du doch auch draussen machen, schau hier: (liest vor) „draussen einen Ball formen“

T. (der eigentlich Brot backen wollte und darum auch in der Küche ist): das heisst “daraus” und nicht “draussen”…

Der Unterricht verlief gut. Die Jungs gaben sich alle Mühe, gute Arbeit zu leisten. Das ist nicht ganz einfach, wenn die andern Jungs draussen während des Arbeitstrainings den ganzen Tag Rost von der Schanz abhämmern… Der Krach bei uns unten im Salon war ohrenbetäubend und ich staunte, wie sich meine Jungs im Unterricht trotzdem konzentrieren konnten. Ihnen bliebt auch keine Wahl – sie trugen dann halt Ohrenstöpsel während des Lesens.

Am Dienstag nahmen wir Abschied von Valérie, die ein Jahr lang auf der Salomon als Lehrerin tätig war und nun in der Schweiz eine neue Stelle antreten wird. Hier an Bord war sie viel mehr als einfach die Lehrerin und ihr Einsatz ging weit über „Job erledigen“ hinaus. Mit viel Geduld und Herzblut investierte sie sich in die Jungs, und ihre offene, fröhliche und liebevolle Art wird uns allen fehlen!
Valérie, wir wünschen dir von Herzen nur das Beste für deinen Einstieg in der Schweiz und dass du all deine gesammelten Erfahrungen mitnehmen kannst für den Neustart!

Johanna Schaller

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Von Kurven und Geraden

Wussten sie, dass eine Gerade nichts weiteres  als eine Kurve mit endlosem Radius ist? So, oder ähnlich hat mir das Ändu, ein alter Bekannter, zu erklären versucht. (Derselbe Ändu übrigens,  der mir Albert Einsteins Relativitätstheorie erklären wollte..)

Das mit der Gerade und der Kurve  habe ich begriffen, nicht zuletzt, weil  es sich in unserem Schiffsalltag  mehrfach bestätigt hat. Es war nämlich auch vergangene Woche mehrmals die Rede von Geraden und Kurven.

Eine Gerade ist die direkteste Verbindung von A) nach B). Diese Tatsache konnten unsere Jungs vorletzte Woche am eigenen Leib erfahren, als wir von Falmouth nach Baiona segelten.  Diese simple, aber nicht minder wertvolle Erfahrung versucht e ich letzte Woche einem unserer Moses in den Erziehungsalltag zu transferieren. „Am schnellsten nach B) kommst du, wenn du dir Ziele setzst. Doch erst erzähle mir etwas über A). Danach unterhalten wir uns über B).“

Dass unser Neuling diese simple Erfahrung nicht in den Alltag übertragen konnte oder wollte, zeigte sich einige Stunden später, als er mit zwei Kameraden auf „Kurve“ ging.

Diese zusätzliche Bedeutung vom Begriff „Kurve“ lernte ich allerdings auch erst in der Pädagogik kennen. Gemeint ist nämlich, die soeben beschriebene  „Gerade“ im übertragenen Sinn zu verlassen, sämtliche Ziele über Bord zu werfen und auszureissen.

Es war kurz vor Mitternacht, als sich jener Neuling mit zwei nicht mehr ganz so neuen, aber nicht minder gescheiten Kameraden, mit Flossen und Kleidersäcken vom Anker ins Wasser gleiten liess.

Kurze Zeit später, ebenfalls kurz vor Mitternacht, wurden die Kurvengänger an Land gesichtet, worauf  die mühsamen, aufwendigen Abläufe in Gang gesetzt wurden, die wir aus früheren Erfahrungen zur Genüge kannten.  (und die wir früher im Wald „Räuber und Gendarm“ genannt haben.)

Mitte Woche, also gut zwei Tage später war für die Jungs bereits wieder „game over“ . Die Gendarmen haben ganze Arbeit geleistet und die „Räuber“ befinden sich wieder in unserer Obhut.

Dass eine genügend lang „gekratzte Kurve“ einen vollen Kreis ergibt und unweigerlich wieder zum Ausgangspunkt zurückführt, scheinen unsere Jungs noch nicht realisiert zu haben. Offensichtlich nicht einmal dann, als ein spanischer Autofahrer (aus mangelnder Ortskenntnis unserer drei Bengels) die Burschen genau da aussteigen liess, wo ihre „Kurve“  zwei Tage vorher begonnen hat. Nämlich im Hafen von Baiona!

Dass man eine Kurve „kratzt“ zeigen die deutlichen Spuren, die das spanische Dorngestrüpp an den Beinen der drei Kurvengänger hinterliess. (Bis vor Kurzem war mir die Existenzberechtigung dieser Geschöpfe nicht ganz klar)

Einstein soll sich anscheinend tiefgründige Gedanken über absolute- und relative Grössen gemacht haben.

Mir viel ein relativ grosser Ein-stein vom Herzen, als die Verirrten zurück waren. Und wir werden alles daran setzen, dass auch unsere drei Ausreisser sich über Sinn und Unsinn von Geraden und Kurven Gedanken machen werden. Uns sie brauchen nicht Albert zu heissen, um zu realisieren, dass sich eine Kurve nicht lohnt sondern nur schadet. Diese Erkenntnis ist nicht relativ sondern absolut!

mm

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