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Heute Morgen um 11.50 Uhr gingen wir in Horta Reede vor Anker. Es regnete und dunkelgraue Wolken zogen bei mässigem Wind über uns. Endlich, nach 16.5 Tagen und 1955sm haben wir unsere erste und längste Etappe hinter uns gebracht.

Marcus Kulicke tippte bei unserem Spiel, “wann wir in Horta ankommen”, fast auf die Minute genau. Er schätzte noch auf Bermuda, dass wir am 21.5. um 11.00 Uhr ankämen. Er hat sich sein Essen beim “Heissen-Stein” in Horta wirklich verdient.

Nachdem mir K., unser Ankerchef meldete, dass der Anker hält, machte sich Hans und ich auf den Weg zum Einklarieren. 5 Büros später(Immigration, Marina Office, Customs, Polizia Maritima und Hafenbehörde) waren wir einklariert. Das hätte Hans auch alleine machen können. Doch ich wollte mich vergewissern, ob ein guter Hafenplatz für die Salomon möglich wäre.

Denn für unser Programm, das bis nächsten Donnerstagabend über die Bühne gehen soll, ist es einfacher, wenn wir im Hafen liegen.

Obwohl ich mich bereits von der Schweiz aus für einen Hafenplatz bemühte, verwarfen die Hafenbeamten die Hände, als ich um einen Platz an der Aussenmole fragte. Dann erklärten sie mir, dass sie viele Transatlantik-Yachten sowie ein Container-Schiff erwarteten. Ich ging darauf ein, und erzählte von den beiden letzten Besuchen der Ruach (2006) und der Salomon (2007)hier in Horta. Sie begannen sich an uns zu erinnern. Und so bekam ich plötzlich die Erlaubnis hinter einem Fischerboot (Baia Horta) an der grossen Aussenmole (Breakwater) längseits gehen zu dürfen.

Zurück auf der Salomon und nach kurzem Briefing der Crew lichteten wir den Anker und fuhren wie einstudiert an die Mole. Knapp aber sicher am blaün Fischerboot vorbei, mit rechtsschwingendem Heck kamen wir auf die gewünschte Position, um die Pilotleinen (Affenfaust oder auch Hievingleine) zu werfen. Natürlich ging die erste ins Wasser. Ich wusste es irgendwie. Doch wir reagierten schnell und holten sie wieder ein, schossen sie auf und warfen sie erneut. Das zweite Mal klappte es und unser Landteam Marcus und F.Z. konnten die Festmacher entgegen nehmen und über die Poller legen. Vom Schiff her nahmen wir danach die Leinen dicht. Nun liegen wir gut in die Fender gepackt mit der Steürbord-Seite längseits.

Patrick Gränicher

Heute Nacht haben wir unsere Schiffszeit während der Hundswache um eine Stunde vorgestellt, von drei auf vier Uhr. Damit sind wir zeitgleich mit den Azoren eine Stunde vor Universal Time (UTC) und drei Stunden vor der Schweizer Zeit. Wir sind noch 120sm von Horta entfernt.

Gestern konnten wir kurz nochmals segeln, als eine kleine Kaltfront über uns hinwegzog. Danach fuhren wir wieder unter Hauptmaschine. Der Wind hinter dieser Front hat sehr kühle Polarluft mit sich gebracht und weht jetzt in geringer Stärke fast aus Nord. Vielleicht können wir heute Nachmittag wieder segeln.

Der Tumbler läuft wieder einwandfrei. Fredi hat ihn genauer unter die Lupe genommen und Unmengen nassen Textilstaub entfernt.

Die knappen Güter an Bord häufen sich. Unser Wäscheklammern-Bestand nimmt täglich ab, das Frischgemüse ging bereits vor Tagen aus, kleine Abfallsäcke fehlen, der Dosenöffner ging kaputt (öffnen diese eben mit unseren Sackmessern) und das Waschpulver wird knapp. Obwohl wir noch Proviant für weitere Wochen an Bord haben, sind wir doch froh, morgen in Horta einzutreffen, um die Bestände wieder aufzustocken.

Unsere Moral ist dennoch ein knappes Gut.

Patrick Gränicher

Seit 9.30 Uhr fahren wir unter Hauptmaschine. Der Wind hat markant abgenommen, weil sich das Tief nordöstlich davonmacht und sich auflöst. Dennoch bleibt uns ein unangenehmer bis 5m hoher Schwell erhalten. Die Prognosen sagen, dass sich die Lage bald beruhigen wird. Wenn nichts dazwischen kommt, werden wir die verbleibenden 240sm mit der momentanen Geschwindigkeit von 5kn bis Freitagnachmittag zurück gelegt haben.

Heute Morgen ist unsere Waschmaschine und der Tumbler ausgefallen. Wir sind gerade daran, der Ursache auf den Grund zu gehen. Wahrscheinlich gab es wasserbedingt einen Kurzschluss.

Die Entsalzungsanlage produziert auch wieder kräftig Trinkwasser, rund 90 Liter pro Stunde.

Und seit heute Nacht beziehen wir unsere Wetterinformationen, die wir über unsere Inmartsat-C-Anlage empfangen, nicht mehr vom Ocean Prediction Center in Washington DC, sondern von Meteo-France in Toulouse und via Navtex direkt aus Horta/Azoren. Dies zeigt uns, dass wir Europa Schritt um Schritt näher kommen.

Die Stimmung ist weiterhin gut an Bord. Viele freuen sich aufs ankommen. Doch einigen Jungs gibt die bevorstehende Ankunft auch zu denken, weil sie bald in die Schweiz zurückkehren.

Patrick Gränicher

Unser Tief zieht weiterhin nördlich von uns mit und versorgt uns mit mittleren bis stärkeren Winden. Zur Zeit fallen diese seitlich ein, so dass wir auf Halbwind-Kurs bis 9kn Fahrt machen.

Morgen schwächt sich der Tief-Einfluss ab. Wir sind diesem aber sehr dankbar, hat es uns doch über 700sm vorangebracht. Hätten wir diese Strecke unter Maschine fahren müssen, wäre der Diesel-Preis dafür bei rund 2000 CHF gewesen.

Noch 340sm bis Horta, dem früheren Piraten-Nest, Walfänger-Hafen und Trans-Atlantik-Handelsort. Wir freuen uns alle, dass die Ankunft auf den Azoren langsam Realität wird. Es wird schon eifrig geplant, wie wir die Tage am besten nutzen können. Denn es stehen viele Aufgaben auf dem Programm: Diesel-Bunkern, Proviant einkaufen, Schiff reinigen, kleinere Reparaturen, Crew-Wechsel, Administratives, ein kleiner Ausflug mit den Jungs und der Besuch von Christoph Meister, worüber wir uns besonders freuen.

Gestern gab es zum Mittagessen Schweinskotlett mit Teigwaren und Salat. Im Salon herrschte absolute Ruhe. Alle konzentrierten sich auf ihr wunderbares Gericht und genossen es sichtlich. Heute scheint es Poulet zu geben. Die leckeren Bratdüfte haben sich schon im ganzen Schiff verbreitet.

Wir segeln im Süd-Ost-Quadranten eines Nordatlantik-Tiefs, das östlich von Neufundland liegt, seine schwächeren Fronten aber bis zu uns ausbreitet. Zur Zeit zieht eine dieser Fronten über uns und verstärkt den Wind auf 25 bis 30kn. Wir liegen auf Kurs in Richtung Horta, das noch 490sm entfernt ist.

An Bord läuft alles rund. Nebst dem Wachegehen, den Backschafts-Arbeiten und dem Waschen, wird viel gespielt, gelesen und über Fussball geredet. Jetzt ist das Thema FCB-YB ad acta gelegt worden, dafür drehen sich die Gespräche nun rund um die Schweizer Nationalmannschaft. Wen soll Hitzfeld noch mitnehmen: Hakan, Nkufo, Stocker oder gleich den ganzen FC Basel?

Überigens, N. aus Bern muss sich nächste Saison ein Spiel des FC Basels im St. Jakobs-Park ansehen mit Fanbekleidung und blau-rot angemaltem Gesicht. Ich hätte das gleiche in Bern tun müssen. Jonathan wird uns begleiten.

Patrick Gränicher

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