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Die gleichbleibende West-Strömung, begleitet von unangenehmen Böen, hält bis zum jetzigen Zeitpunkt an. Die Salomon schaukelt und läuft was das Zeug hergibt. Diese Nacht werden wir ankommen. Eine Aussicht die motiviert und das Stimmungsbarometer anhebt. Nach 9 Tagen alles andere als Urlaubssegeln freut man sich darauf in einem Bett zu schlafen, das sich gefälligst ruhig verhält. 16:40 Den ganzen Nachmittag verschlafen. Na ja, wird ja diese Nacht sicherlich spät genug. Die Sonne scheint und verbreitet ein freundliches Bild. Hie und da sehen wir ein starkes Fischerboot, das sein Schleppnetz über Grund zieht. Immer mehr Vögel begleiten uns. Auch die etwas grösseren Basstölpel, mit wunderschönen Zeichnungen auf den Flügel, schweben majestätisch, vom Aufwind der Wellen getragen, über das Wasser. 17:00 Ein Fischer warnt uns vor seinen Bojen. Wir ändern den Kurs so gut wie es eben geht und passieren die Markierung seines Netzes in gebührendem Abstand. Inzwischen regnet es wieder. Bei klarer Sicht müssten wir jetzt schon den südwestlichsten Landzipfel von Irland sehen können. Die Irische Gastlandflagge wird gesucht. Wir finden diese dann gut vesrteckt im Flaggenschrank. Angeschrieben wurde sie allerdings vor langer Zeit mit Italien. Inzwischen haben die Jugendlichen Land entdeckt. Ein besonderes Gefühl für alle. Wir werden ca. um Mitternacht ankommen und dann das Schiff klar machen. Anschliessend steht ein langes und hoffentlich ruhiges Ausschlafen bevor. ur

Plötzlich holt das Schiff stark über. Einige der Jungs erzählen mir während des Tages, dass sie das Gefühl gehabt hätten im Bett zu stehen. Es war 03:30 als eine Böe, in Zusammenarbeit mit einer recht hohen Welle, den Steuermann überrascht. Das an Bord strömende Wasser umrundet sogar das Ruderhaus auf dem Achterdeck und spült einen bisher erfolglos gebliebenen Fischköder über Bord.

Dieses Ereignis weckt auch mich auf und kurz darauf stehe ich an Deck und kann mir ein Bild über die Lage machen. Kein Grund zur Panik. Das Schiff ist bereits sturmklar und auch die Besegelung kann sicherlich mit gegen 50 Knoten Wind klar kommen. Ein paar kurze Worte mit dem Wachführer, dann lege ich mich wieder schlafen. Die Salomon ist zwar ein extrem nasses Schiff, deswegen aber nicht weniger sicher. Die alte Dame hat in Ihren 100 Lebensjahren sicherlich schon sehr viele Stürme überstanden.

Eine Wache später kommt ein Wellenschlag von der Seite auf das Ruderhaus. Obwohl drei der vier Riegel der schweren Stahltüre geschlossen sind wird durch den  enormen Druck Salzwasser im ganzen Ruderhaus zerstäubt. Ab diesem Zeitpunkt ist auch der vierte Riegel richtig geschlossen. Zur Zeit ist es sowieso so, dass Türen immer richtig verschlossen werden müssen.

Um 8:00 weht es im Schnitt mit 30 Knoten. Also nur noch Starkwind. Als nächstes besucht uns ein Potwal, der anfänglich vom Schiff flüchtet, dann aber seiner Neugier folgend, wieder auf uns zu schwimmt. Einige Male sehen wir seinen Kopf und die Rückenflosse ganz deutlich.

Kurz darauf beisst tatsächlich ein Fisch. Das mechanische Surren der sich abspulenden Silchtrommel ist unüberhoerbar. Ausnahmsweise verlasse ich das Ruder und drehe langsam an der Bremse. Der Zug ist gewaltig. Schon kommen die verantwortlichen Fischer, die zu zweit versuchen das “Unbekannte” in Sichtweite zu ziehen. Ob es tatsächlich etwas Essbares war werden wir nie erfahren, denn plötzlich lässt der Zug nach. Die restliche Leine wird eingeholt. Der Köder und auch der Haken sind noch dran. Leider kein Fisch.

Meine Wache erledigt diverse Arbeiten. Das Beiboot hat sich inzwischen halb mit Wasser gefüllt. Hunderte von zusätzlichen Kilos hängen an den Hacken. JVC nimmt sich dieses Problemes an. JC und DS reparieren einen Korallenring vom Schoner. Anschliessend werden wieder die Toiletten gereinigt und der Salon, sowie die Messe aufgeräumt. Schnell ist es 11:00 Uhr und unsere 3 Stunden Wache vorbei. Im Steamer schmoren schon die fein marinierten Hühnerschenkel. Der Generator produziert die notwendige Energie dazu und gleichzeitig werden unsere 1500 kg Batterien aufgeladen. Diese versorgen uns im Schnitt 16 Stunden pro Tag mit Energie.

Einige der Jugendlichen verhalten sind in der Nacht nach dem Abtreten  rücksichtslos laut und wecken Ihre Kameraden. Dies ist ärgerlich. Wir werden intervenieren. Gestern gab es eine Auseinandersetzung mit kleinem Gerangel zwischen zwei anderen Jungs. Dies erinnert uns hie und da, dass wir ein Jugendschiff sind und unsere “Mission” nicht nur darin besteht, Irland zu entdecken. Auf einem Schiff werden sicherlich durch das enge Zusammenleben zusätzliche Spannungen aufgebaut, die sich jeweils wieder irgendwie entladen müssen. Für uns jeweils eine Möglichkeit pädagogisch zu arbeiten.

Inzwischen ist es bald drei. Es besteht noch absolut kein Grund zusätzliche Segel zu setzen. Der Wind treibt uns immer noch beständig mit 6-8 Knoten Richtung Castletown Bearhaven.

Um 16:30 trifft sich das Team zur Auswertung der Woche. Wir besprechen die einzelnen Jugendlichen und tragen die Resultate in ein Bewertungsschema ein. Dies ergibt dann eine erfüllte oder eben nicht erfüllte Woche. Die einzelnen Auswertungen werden dann von der Bezugsperson mit dem betroffenen Jugendlichen reflektiert.

Während dem wir uns immer wieder mit aller Kraft am Tisch festhalten müssen um nicht umzufallen steuern die Jugendlichen unter der Aufsicht des 1. Offiziers, Cla Puorger, das Schiff durch die aufgewühlte See. Die Salomon rennt nach wie vor unter Sturmbesegelung (2 Vorsegel, Schoner 1. Reff und Marssegel) Richtung Irland.

Im Backofen entsteht ein frisches Brot. Kaffee mit kalter Platte gibt es heute Abend und dazu eben das frisch gebackene Brot.

Soeben habe ich die Angler angewiesen Ihre Köder rein zu holen. Basstölpel versuchen mit waghalsigen Sturzflügen an die Köder heran zu kommen. Es wäre nicht das erste mal, dass ein Vogel an der Angel hängt.  Ueberlebt hat dieser tödliche Irrtum bis jetzt noch keiner. Jetzt kommt mir wieder der Fang von heute Morgen in den Sinn. War es eventuell ein Vogel?

Wenn der Wind so durchhält und es sieht ganz genau danach aus, werden wir spätestens Sonntag in der früh an unserem Ankerplatz liegen. Die Telefone werden wir dann ausgeschaltet lassen und erst einmal ankommen und ausschlafen. ur

Gestern Abend nimmt die Windstärke auf über 30 Knoten zu. In den regelmässig wiederkehrenden, an einzelne Gewitterzellen gebundenen Windböen springt die Anzeige schon mal auf mehr als 40 Knoten. Das Schiff kann mit der gesetzten Besegelung nicht mehr vor der Welle laufen und das Steuern wird zum Kraftakt. Zudem rollt die Salomon äusserst unangenehm hin und her. Als dann auch noch die Windvorhersage mit einer Option auf 8 – 9 Beaufort für Donnerstag auf dem Bildschirm auftaucht, entschliesse ich mich die Sturmbesegelung zu setzen. Um 23:00 wird als letztes noch das Grosssegel geborgen. Die Salomon läuft mit den drei Segeln am vordersten Mast aber immer noch zwischen 7 und 8.5 Knoten. Da wir jetzt denselben Kurs laufen wie die langsam anwachsenden Wellenberge bleibt das Schiff aber recht ruhig.

Inzwischen ist es 7:00. In der Nacht habe ich zweimal die Lage gepeilt. Alles in bester Ordnung. Der nahezu Vollmond beleuchtet die See eindrücklich und ich meine, dass da jeder von der sich bietenden Szenerie beeindruckt ist.

Um 8:00 Wachübernahme. Für die abgehende Wache ist aber noch nicht Feierabend. Gemeinsam machen wir das Schiff sturmklar. Schwachstellen werden zusätzlich gesichert, Reffbändsel verlängert, Strecktaue gespannt und Segel eingebunden. Die See prüft nach……..ein alter und sehr weiser Spruch eines längst verstorbenen Segellehrers. Die See prüft nach, ob die Hausaufgaben gemacht wurden. Wir bemühen uns darum.

Es ist grau, feucht und es regnet. Nass wird man entweder an Deck, durch den Regen oder auch durch die Anstrengung. AF und DS machen soeben Ihr Aemtli. Die Toiletten sollen gereinigt werden. Auch die ganz normalen Alltagspflichten werden täglich erledigt und zwar egal welches Wetter herrscht.

Chili con carne steht heute auf dem Menuplan. Dabei müssen wir heute 2 Schüsseln abschreiben. Die nassen Stiefel zweier Kadetten rutschen plötzlich davon und plumps sassen diese neben dem zerstreuten Essen auf dem Boden. Des einen Leid ist des anderen Freud. Ist dies auf einen Schaden des anderen bezogen nennt man es Schadenfreud. Eine Eigenschaft, die wir hie und da bei unseren liebenswerten Schlitzohren feststellen müssen. So auch beim Chili Vorfall.

16:00 Uhr der Wind hat erstaunlicherweise abgegeben und man ist versucht mehr Segel zu setzen. Trotzdem warten wir noch, da sich die Vorhersagen noch nicht in dem Masse erfüllt haben, wie es von den Meteorologen angekündigt wurde. Die neusten Wetterkarten bestätigen, dass noch mehr Wind zu erwarten ist. Ansonsten sind wir alle gesund, immer hungrig und munter. ur

Heute Morgen lacht uns die Sonne entgegen. Eine grosse Dünung aus Westen hebt die Salomon auf und nieder. Leichter Wind aus derselben Richtung schiebt uns permanent dem Ziel entgegen. Noch 550 Seemeilen sind es bis an den südwestlichsten Zipfel von Irland.

Etwas tun, das war das Motto unserer Wache. Zusammen mit AF, DS und JCV setzen wir das GGT (Gross Gaffel Top Segel). Zuerst gilt es alte nicht mehr zu öffnende Schäckel mit der Eisensäge zu entfernen. Mittschiffs, unser Arbeitsplatz, wird dabei laufend überschwemmt und zwar so, dass das 15 Grad kalte Wasser den Weg in die Stiefel findet. Aber wir geben nicht auf und schlussendlich steht das Segel hoch über Deck an seinem Platz. Die Fahrt nimmt beachtlich zu und die Bewegungen werden angenehmer.

Unsere Fischer AF, PH und DS starten heute eine Grossoffensive auf alles was schwimmt und beisst. Die Schleppangel mit einem neuen Köder und die Hochseeangelrute werden gleichzeitig in Betrieb genommen. Die Chance sollte sich also verdoppeln etwas zu fangen.

In der Kombüse werden Kartoffeln geschält. Röschti aus dem Backofen und Spiegeleier soll heute serviert werden. Der Appetit von 16 Jungs ist kaum zu stillen. Unglaublich die Mengen, die zu jeder Malzeit zubereitet werden müssen.

Nach dem Ruf, ein Fisch hat gebissen, stürmen AF und PH sofort nach hinten. Den Blick erwartungsvoll auf den Köder gerichtet holen sie dabei Meter um Meter der Angelschnur ein. Was ist denn dass? Die Erklärung ganz einfach ……. FZ hat sich ein Spass daraus gemacht an eine der ausgebrachten Fischerleinen zusätzliches Gewicht zu hängen. Die Enttäuschung der Fischer war gross.

Der stetig zunehmende Wind und die Wellen veranlassen uns nach dem Mittagessen das GGT wieder zu bergen. Dies geschieht wiederum inmitten tausenden von Litern Wasser die ununterbrochen über Deck spülen. Das Falten gestaltet sich entsprechend schwierig. Doch schlussendlich siegt die Ausdauer und das Segel kann wieder verstaut werden.

Soeben habe ich festgestellt, dass wir uns je 500 Seemeilen, also über 900 km, von den Azoren und von Brest entfernt befinden. Um 17:00 sind es also noch etwa 485 sm bis nach Irland. Zur Zeit fahren wir mit 7 – 9 Knoten mit ziemlich viel Tuch an den vorderen 2 Masten. MM tut sich schwer das Schiff im Griff zu halten und wird von Manuel unterstützt. Immer wieder versuche ich mich auf mein Buch zu konzentrieren, aber es will nicht recht gelingen. Eine innere Anspannung garantiert Aufmerksamkeit rechtzeitig das Richtige zu unternehmen.

Wieder Geschrei von Mittschiffs. Das alle zwei Tage stattfindende Waschritual findet in den Fluten an Deck statt. In der Gruppe tollen die Jungs im eiskalten Wasser. Die Gruppendynamik und der Gruppenzwang erleichtert wohl dieses Vorhaben.

Ein weiterer Tag neigt sich dem Ende zu. Ein Segelmanöver zum Abschluss und Wachwechsel. Der Wind dreht langsam auf NW. Wir bergen vorsichtshalber das Brahm Segel und luven 30 Grad an um auf Kurs bleiben zu können. ur

Eine Kollision mit einem von rechts kommenden Zwergwal hätte beinahe gestern Abend noch für Aufregung gesorgt. Geht man von den internationalen Kollisionsverhütungsregeln aus und nehmen wir an, dass der Wal mit Maschinenantrieb unterwegs war, so hatten wir als Segelschiff das Vortrittsrecht auf unserer Seite. Der Wal übernahm dann in seinem eigenen Interesse das Manöver des letzten Augenblickes. Man sah richtig, wie das Tier kräftig beschleunigte und etwa 5 Meter vor der heranbrausenden Salomon unseren Weg kreuzte und sofort abtauchte.

In der zweiten Nachthälfte drehte der Wind von SW über W nach NW. Der Irland Kurs kann nicht mehr gehalten werden. Die Wellen kommen jetzt von schräg hinten und einmal mehr übt sich unser Schiff im Rollen. Um 7:00 dann das all hands. Wieder muss gehalst werden. Die verschlafene Mannschaft kommt nicht in die Gänge und das Manöver kann nur mit Hilfe der Hauptmaschine sauber zu Ende gefahren werden. Die Wellenhöhe schätzen wir auf etwa 4 Meter. Diese kommen jetzt wieder eher von hinten und die Rollbewegungen sind etwas milder.

Das Tief, welches nördlich von uns Richtung Irland zieht, schleppt uns im wahrsten Sinne mit sich. Leider können wir diesem grossen Wirbel nicht ganz folgen aber die neusten Wetterkarten zeigen eine für uns recht günstige Wetterentwicklung.

Wenn das Kielschwein grunzt und das Eselshaupt mit dem Bullenstander flirtet, ja dann quitscht der Luemmelbeschlag… In der Seefahrt gibt es Bezeichnungen, die man in keinem online shop findet. So sind auch die Leichenfänger keine Phantasiegestalten aus einem Hitchcock, sondern schlichtweg Netze, die ums Schiff aufgespannt werden, damit keiner aus versehen über Bord gehen kann. Eben diese Leichenfänger missbraucht unser Chef Smut und Verantwortliche für alle Haushaltsfragen, die Gabi, mit Vorliebe als Wäscheleine. So hängen Badehosen, Socken, T-Shirts über und nebeneinander an unseren Leichenfänger. Eins ist ganz sicher – bevor wir in den nächsten Hafen einlaufen werden diese Kleidungsstücke weg geräumt. Bis dahin lege ich mich mit der Zunft der schwingenden Kochlöffel besser nicht an. Aber wenn dann mal wieder ein Restaurant in der Nähe ist sieht die Sache ganz anders aus.

Die Sonne scheint diesen Vormittag des öftern. Die See glitzert und überall entstehen weisse Schaumkronen.

Nach dem Mittagessen, es gibt eine Art Rinds Geschnetzeltes mit Teigwaren, dreht der Wind nach Nordwest. Segelmanöver sind angesagt und dies mit vollem Bauch. Entsprechend träge werden die Aufträge umgesetzt.

17:15 Wir sind im Einfluss des Azorenhochs. Zwar am oberen Rand, aber immerhin. Der Druck steigt und die Sonne scheint. Der Wind ist etwas frischer und die Salomon läuft, gut auf dem Ruder liegend, Kurs Irland. Geplante Ankunftszeit ist das kommende Wochenende, falls uns der Wind nicht im Stich lässt.

Bei der Wachübergabe werden noch zusätzliche Segel gesetzt und alle neu eingestellt. Jetzt ist wieder Zug drauf, das spürt man sofort an den Bewegungen.

Die Jungs erscheinen mir heute müder als auch schon. Natürlich kann ich es irgendwie verstehen, aber trotzdem verlangen wir entsprechenden Einsatz. ur

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