You are currently browsing the category archive for the ‘Azoren-England Überfahrt 2010’ category.
Kurz vor Mitternacht sind wir gestern in Falmouth angekommen. Nach einem schönen Segeltag bei Sonnenschein und gutem achterlichem Wind, steuerten wir unter Maschine um die beiden letzten mit Riffen gesäumten Kaps und die unzähligen Fischernetze herum, bevor wir den Leuchtturm bei der Hafeneinfahrt ins Visier nahmen. Vorsichtig, jedes Licht und jede Boje abhakend, landeten wir schliesslich im Vorhafen, wo wir auf 7m Tiefe vor Anker gingen.
Die ganze Crew hat super mitgemacht und so gab es noch einen Mitternachts-Imbiss und ein kurzes Abschluss-Briefing zur vollbrachten Atlantik-Überquerung.
Danach stellte ich einen Anker-Wachplan auf, der nötig war, weil ein Tief im Anmarsch war und weil wir noch nicht wussten, wie gut der Ankergrund halten würde.
Nach sehr ruhiger Nacht begann es heute Morgen um 7 Uhr aus Süden zu wehen und zu regnen. Genau aus der ungeschützen Richtung unserer Ankerposition. Nachdem der Wind auf 25kn zugenommen hatte, stellte ich fest, dass wir rutschen. Beim Ankern hatte ich 500m Rutsch-Distanz einberechnet, so dass genügend Zeit verblieb, eine bessere Lösung zu finden.
Nach diversen Funksprüchen und Telefongesprächen mit den Marinas, den Pilots und den Hafenbehörden sowie zuletzt mit dem Harbour Master persönlich, erhielten wir die Erlaubnis, an die Harbour-Masters-Buoy zu verholen, welche im geschützteren innern Hafen liegt.
Nach kurzer Sichtung der Situation informierte ich die Crew und wir befestigten mit Hilfe unseres Dinghies (gefahren von Marcus Kulicke und F.Z.) im zweiten Versuch eine Festmacherleine erfolgreich an der für grössere Schiffe vorgesehenen Metall-Tonne. Das Manöver war sehr gut, doch es musste alles sehr genau nach Plan getan werden, weil wir sonst auf die etwa 15m hinter uns liegenden Bojen-Lieger gestossen wären.
Jetzt steht noch die Q-Flagge an der Backbord-Saling. Ein klares Zeichen, dass als Nächstes das Einklarieren auf dem Programm steht.
Patrick Gränicher
Wir segeln südlich des Verkehrstrennungsgebietes der Isles of Scilly bei raumem Wind aus Nord-West. 70sm verbleiben bis Falmouth. Im Ausguck gibt es wieder einmal regen Betrieb: Fischernetze, Schiffe und Treibgut.
Die Vorfreude aufs Ankommen ist gross. Trotz des eher schlechter ausgefallenen Wochenrückblicks bei einigen. Doch wir bleiben über eine Woche in England. Das gibt vielen die Chance anfangs übernächster Woche trotzdem noch in den Ausgang zu gehen (bei 4.5 Notendurchschnitt).
Die Jungs kommen diese Woche trotzdem an Land. Wenn alle gut mitmachen, werden wir das eine oder andere WM-Spiel in einem Pub anschauen gehen. Zudem muss eingekauft werden und wir planen ein zwei Ausflüge (Landsend, Hafen von Plymouth). Und dann wollen wir auch noch selbst Fussball spielen.
Gestern stellten wir fest, dass die Wasserpumpe der Hauptmaschine leckt und Wasser in die Bilge läuft. Doch die undichte Stelle ist unter Kontrolle und wir können auf den Dienst der MAN-Maschine weiterhin zählen. In Falmouth nehmen wir diese dann in genauren Augenschein.
Zudem ist die Talje des Piekfall-Stretchers beim Bergen des Schonersegels gerissen. F.Z. ersetzte diese behelfsmässig mit einer Ersatzleine und spleisste die Kausch fachgerecht ins Auge, das am Taljenblock befestigt ist.
Patrick Gränicher
Wir befinden uns jetzt auf der Great Sole Bank 130sm südwestlich von Lands End dem westlichsten Punkt der britischen Insel. Das Wasser ist hier nur 100m tief. Das den Fischen die Ozean-Abhänge offenbar behagen, zeigt sich an der zunehmenden Zahl an Fischerbooten, die uns begegnen und an den paar kleinen Haien, die wir heute gesehen haben. Gestern Abend ist ein Fisch-Trawler extra um uns herum gefahren, als ob wir eine Touristen-Attraktion wären.
Zurzeit weht praktisch kein Wind und von Westen her steht ein Schwell. Die Sonne scheint. Es ist 20 Grad warm. Schleierwolken bedecken grösstenteils den Himmel. Über Frankreich entsteht ein Gewittertief, das nach Nordosten zieht und ein Hockdruckkeil vom Atlantik erstreckt sich bis über die britischen Inseln. Von Westen her nähert sich uns ein Tief, das Montag über England sein wird, doch eher schwache Wetteraktivität auslösen wird.
Geschätzte Ankunftszeit in Falmouth: Sonntagabend bis Montagmorgen. Noch rund 165sm. Heute Nacht werden wir während der Hundswache die Schiffszeit um eine Stunde vorstellen, damit wir mit der britischen Zeit gleichgeschaltet sind (1 Stunde vor Schweizer Zeit). Am Abend bleibt es danach bis elf Uhr hell. Das ist gut fürs Ankommen. Obwohl Falmouth auch bei Dunkelheit problemlos zu befahren ist.
Die Jungs wünschen sich noch einen Badestopp. Den gibt es nach dem Mittagessen. Und wir werden sehen, wie lange sie es bei den eher kühlen Wassertemperaturen aushalten.
Patrick Gränicher
Die Sonne scheint zum ersten Mal wieder seit über einer Woche. Die Feuchtigkeit, die sich überall festgesetzt hat, wird wie von einem Föhn weggeblasen. Und auch die Wärme tut gut. Hatten wir doch meistens sehr kühles, windiges Wetter mit viel Sprühregen.
Wir laufen gerade unter Maschine vor einem West-Schwell mit leichten Winden aus derselben Richtung. Langsam spüren wir auch die Gezeiten-Ströme, die in und aus dem englischen Kanal setzen. Zurzeit sind wir deshalb rund einen Knoten langsamer. Doch dies ändert sich alle vier Stunden. Dann gibt es wieder Anschub von Hinten.
Vor einer Woche haben wir in Horta abgelegt und niemand hätte geglaubt, dass wir in sieben Tagen 950sm zurücklegen würden. In hundert Seemeilen erreichen wir den Kontinental-Sockel, wo es von 4500 auf 150 Meter Tiefe hochgeht. Je nachdem kann es dort unangenehm hohe Wellen geben, vorallem, wenn sich eine starke Windsee aus West gegen den Ebb-Strom aufrichtet. Doch diese Befürchtung ist eine theoretische. Denn wir haben gerade eine eher ruhige See.
Gestern hat unser Elite-Vormann F.Z. einen kleinen Riss im Mars-Segel genäht. Den Innenklüver können wir nicht mehr selbst nähen. Dazu bräuchten wir eine Nähmaschine. Und gerade jetzt übt F.T. den Rück-Spleiss für die Leichtmatrosen-Prüfung. W., einer unserer neün Jungs, meldet vom Ausguck jeden Delphin und jede Styropor-Kiste. Die Backschaft putzt mal richtig die Abwaschtröge und die Tische Mitschiffs sauber. Und die Waschmaschine und der Tumbler haben Hochbetrieb.
Patrick Gränicher
Wir stecken gerade in einer Kaltfront, die über uns zieht. Böige Winde aus Süd-Ost bis 40kn und sintflutartige Regenschaüer machten es nötig, die Segelfläche zu reduzieren. Leider hat unser betagtes Innenklüver-Segel, das wir in Bermuda noch nähten, nicht gehalten. Es ist am Achterliek entlang wieder gerissen. Somit müssen wir es in England wieder abschlagen und zum Segelmacher bringen. Wir wollen schliesslich auf der Überfahrt nach Elsfleth nicht darauf verzichten.
Heute Nachmittag soll der Wind etwas nachlassen gemäss Wetterprognose von Meteo-France. Das Gute am windigen Wetter ist, dass wir vorwärts kommen. Bis Falmouth sind es noch 400sm.
Jetzt freue ich mich auf einen heissen Kaffee.
Patrick Gränicher


