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Wir haben wieder vernünftigen Nord-Wind (20 bis 25kn) und kommen unserem Ziel in grossen Schritten näher. Die verbleibenden 50sm sollten wir bis zum Einbruch der Dunkelheit hinter uns haben.
Land ist zwar noch nicht in Sicht, doch wir befinden uns bereits auf dem Insel-Sockel des kapverdischen Archipels. Es ist hier nur noch 1000m tief. Langsam kommen wir darum in die Fischgründe, die hier noch zahlreich vorhanden sind, weil die lokalen Fischer ohne moderne Fangmethoden arbeiten. Und weil hier das sauberste Wasser der Welt ist.
Yellow-Fin-Tunas sind hier keine Seltenheit. Oder auch der weisse Thunfisch, der Sera, ist recht häufig. Haie hat es wie überall auch. Doch diese sind sehr scheu. Der springende Wal von heute Morgen darf auch noch erwähnt werden. M.S. entdeckte ihn während des Sonnenaufgangs vom Ausguck aus.
Die Wassertemperatur beträgt 24°C und die Sonne drückt auch langsam durch den Dunst am Horizont. Die Passatwölkchen beginnen sich zu formieren und stehen Spalier.
Alle freuen sich schon auf Cabo Verde und das Ankunfts-Grillieren.
Übrigens, das Brot gab es für ein chefmässiges Cafe-Complet gestern Abend.
Patrick Gränicher
Um ein Uhr zwanzig gab es letzte Nacht All-hands-Alarm. Es war seit Stunden praktisch windstill und wir machten kaum mehr Fahrt. Die Vormänner A.G., Y.O., A.Ü. sowie unser Decksmatrose F.Z. erschienen innerhalb von 2 Minuten auf dem Achterdeck und nahmen die Order entgegen alle Segel ausser dem Schonersegel zu bergen. Der Generator wurde gestartet, die Decksbeleuchtung eingeschaltet, bevor das Manöver begonnen werden konnte.
Die Segel wurden eins ums andere geborgen. Zuerst die Rahsegel von oben nach unten danach die Vorsegel und zuletzt das Grosssegel. Das Schonersegel wurde mittschiffs geschotet und gut festgemacht. Danach machten die Jungs unter Anleitung der Vormänner klar Deck. Nun vergewisserten wir uns, dass keine Leine aussenbords gekommen waren und als dies der Fall war, starteten wir die Hauptmaschine.
Es war ein sehr gutes Manöver. Die Jungs arbeiteten schnell und ruhig. Nach 25 Minuten wurde das Manöver abgeschlossen und das Deck wieder der Wache übergeben.
Seit sieben Stunden sind wir nun mit Maschine unterwegs und machen 5kn Fahrt. Es ist zu hoffen, dass wir heute wieder Wind bekommen. Wir wollen die verbleibenden 145sm möglichst segelnd zurücklegen.
Gestern Abend erhielten wir Besuch von einer grossen Schule Delphine. Etwa 30 dieser neugierigen Tiere begleiteten uns verteilt ums Schiff während einer Viertelstunde. Es scheint, als ob sie immer verspielt wären und Freude hätten. Dabei sprangen einige immer wieder hoch aus dem Wasser, einer machte einen Rückwärtssalto und liessen sich beim runterkommen auf die Seite klatschen, dass es möglichst einen lauten Knall gab und hoch aufspritzte.
Weil es so ruhig war und es sich fast alle verdienten, wurde gestern Abend der Film “Rush Hour 3″ im Salon gezeigt. Sogar die acht bis elf Uhr Wache durfte mitschauen, denn sie wurden von M.M. und T.E. vertreten, die sich wieder einmal ineinander verbissen und dadurch eine Zusatzschicht einlegen durften.
Heute Morgen freute ich mich auf das mit Meerwasser gebackene Brot von Cla. Doch als ich in der Messe erschien, hiess es, es würde heute für einen anderen Zweck verwendet. Die Corn-Flakes schienen mir kein Ersatz für das erwartete frische Brot und so beliess ich es für einmal bei einem Kaffee.
Ich bin nun gespannt wann und bei welchem Gericht das Brot aufgetragen wird. Ich hoffe nur, dass sie keine Süssspeise daraus fertigen (Fozzelschnitte oder ähnliches) oder gar Paniermehl.
Patrick Gränicher
Gestern Abend eilte unser Ausguck T.E. zu mir aufs Achterdeck und meldete völlig aufgeregt, dass auf sieben Uhr etwas rotes im Wasser sei. Ob das vielleicht ein brennendes Schiff sei, stellte er fragend fest. Ich dachte als erstes, es könnte eine treibende Backbordtonne, eine orange Notrakete oder ein Backbordpositionslicht eines Schiffes sein.
Es war aber etwas anderes: der Mond, der im Dunst blutrot aufging. Die Erleichterung des Ausgucks war gross, bevor er wieder beruhigt auf seinen Posten zurück ging.
Die darauffolgende Nacht war windmässig sehr bescheiden (2 bis 3 Beaufort). Doch das, was knapp noch als Wind bezeichnet werden konnte, drehte auf Nord, was für unsere Geschwindigkeit förderlich war. Denn bei Leichtwinden ist die Salomon auf Kurs raumer Wind schneller als platt vor dem Wind. So machten wir in den Nachtstunden 1.5 bis 4 Knoten.
Der Salat-Vorrat ging gestern zu Ende. Beinahe während einer ganzen Woche gab es jeden Tag frischen Salat. Das ist nicht selbstverständlich auf einem Schiff und eine tolle Leistung. Das Frischgemüse ist noch nicht aufgebraucht und wäre dies der Fall, könnten wir auf reichlich Dosen-Gemüse zurück greifen, das fast ebenso vitamin- und nährreich wie das frische ist. Heute Mittag gibt es, wie ich hörte, Thunfisch-Penne. Ein Klassiker auf Überfahrten.
A.G. setzt gerade mit den Jungs der aufziehenden elf bis zwei Uhr Wache das GGT, das für etwas mehr Fahrt sorgen sollte. Gesetzt sind zurzeit: der Aussenklüver, die Fock, das Bram, das Mars, die Breitfock, das Top-Stag-Segel,das Gross-Segel sowie das Gross-Gaffel-Topsegel. Dies zusammen mit 8kn nördlichem Wind ergibt 3kn Fahrt.
Die langsame Fahrt könnte sich positiv aufs Fischen auswirken, denn bei Geschwindigkeiten über 5kn bleibt der Köder an der Wasseroberfläche und dort beissen die Fische selten an. Bei 3kn Fahrt sinkt der Haken leicht unter die Oberfläche. Gemäss Erfahrung mit Schleppleinen, soll dies besser sein. Aber beim Fischen gibt ebenso viele Theorien wie Experten die zu wissen glauben, wie es geht. Wichtig sind nebst richtigem Werkzeug vor allem Glück und Ausdauer. Unser M.M. hat auch durch das Fischen gelernt, geduldiger zu sein.
Patrick Gränicher
Der Wind hat seit Sonnenaufgang wieder zugenommen und dank der schnelleren Fahrt rollen wir weniger im recht ausgeprägten NW-Schwell, der weit her vom Nordatlantik stammt.
Der Alltag an Bord hat sich eingependelt und es könnte immer so weitergehen. Wir segeln beinahe auf konstantem Kurs dahin, müssen hin und wieder halsen aber stets die Leinen und Schoten trimmen, damit sie sich nicht durchscheuern und die Segel nicht schlagen.
Heute Morgen hat die Küche um 7 Uhr 30 zum Frühstueck aufgemacht. Die aufziehende acht bis elf Uhr Wache trifft sich um diese Zeit jeweils mit Jonathan, Madleine und D.S.(der ganzen Backschafttruppe) am kleinen Tisch in der Messe. Nach Wachwechsel ist die abziehende Wache an der Reihe. Und gelegentlich stehen einige der Freiwache auf und gesellen sich dazu. Denn anders als Mittag- und Abendessen, ist das Frühstück keine Pflicht.
Auch ich gehe regelmässig vor meiner Wache kurz in die Messe, um alle zum neuen Tag zu begrüßen. Ein kurzer Schwatz mit den immer aufgestellten und freundlichen Backschäftlern plus ein Konfituerebrot im Stehen und schon freue ich mich noch mehr auf den Tag. Heute haben wir darüber diskutiert, dass wir eigentlich die ganze Asterix und Obelix-Comix-Sammlung sowie diejenige von Tim und Struppi an Bord haben müßten.
Gestern Nachmittag haben Cla (1.Offizier) und M.S. das mit einem kleinen Loch versehene Aussenkluever-Segel abgeschlagen und mittschiffs genäht. Noch bevor die Schiffsglocke zum Abendessen läutete, war es wieder am Stag befestigt.
Daneben spielten A.G. und J.B. auf ihrer Freiwache Gitarre, bevor letzterer im Achtersalon sein Eintrittsgespräch hatte, bei welchem der Übergang von der Schweiz aufs Schiff unter die Lupe genommen wird, eine erste Bilanz gezogen wird und erste Ziele ins Visier genommen werden.
Mittags dann ein Resten-Festessen mittschiffs bei Sonne und leichtem Wind. Es gab Nudeln mit Tomatensauce, Reis mit Ragoutfleisch, Salat und noch Schweinsplätzchen und Poulet von gestern Abend.
An der Wachführer-Sitzung abends konnte ich von allen Wachen beinahe nur Positives vernehmen, ausser ein paar Undiszipliniertheiten auf einer Wache, bei der im Bereich des Steuerhauses mindestens zuviel geredet wurde. In einem derartigen Fall ist die nötige Konzentration nicht mehr vorhanden und bei schlechteren Wetterverhältnissen könnte das schlimme Folgen haben. Das musste natürlich geregelt werden und dem zuständigen Wachführer, F.Z., wurde der Optimierungsbedarf aufgezeigt und eingefordert.
Wenn wir mit der momentanen Geschwindigkeit bis zur Ankunft weitersegeln können, treffen wir Montagabend in Santa Maria auf Sal ein. Es sind noch 300sm.
Patrick Gränicher
























