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Heute Morgen um sieben Uhr kam Land in Sicht. Zuerst die Vulkaninsel Alegranza, wenig später unser Reiseziel, la Graciosa. Mit gut Wind (Bft. 5-6) im Rücken näherten wir uns dem Nordost-Kanal zwischen Lanzarote und der Insel Graciosa.
Kurz nach Sonnenaufgang sprang 200m auf unserer Steürbordseite ein riesiger Buckelwahl wie ein Geschoss auf einer 3m Welle aus dem Wasser. Für kurze Zeit sah man den ganzen Wahl, bevor er donnernd wieder im Wasser verschwand.
Am Ende einer Überfahrt ist es doppelt wichtig, die Konzentration aufrecht zu erhalten. Leicht doch gehen einem Gedanken durch den Kopf, erwartete Sms, Mails, vernachlässigte Büroarbeiten oder einfach das Bedürfnis einmal sein zu können.
Ich sagte gestern Abend vor versammelter Mannschaft, mit allem zu warten und zuerst sicher anzukommen. Denn es erforderte Präzisionsarbeit, damit wir unter Segel bis an unseren Ankerplatz gelangen konnten.
Nun liegen wir seit 13.30 Uhr in türkis-blauem Wasser vor Anker, etwas Schwell aus Nordost zwar und eine kräftige Brise aus gleicher Richtung. Doch wir liegen recht ruhig.
Die Jungs sind gerade daran, das Deck aufzuklaren, die Segel schön zu bergen und die Schanz und Aufbauten mit Frischwasser mal richtig vom Salz zu befreien. Die angesammelten 10 Abfallsäcke werden bereit gemacht, das Dinghi gewassert und das Sonnendeck Mittschiffs über die Strecktaue gespannt.
Danach gibt es das wohlverdiente Mittagessen. Und bis zum Abend gibt es Freizeitprogramm, bei dem man auch baden kann.
Alle sind froh, dass die Überfahrt so gut verlaufen ist. Zuerst das stürmische Wetter, das erdauert werden musste, dann der Nordwest-Wind, die kurze Flaute, die portugiesische Rutschbahn, dann wieder eine kurze Flaute, das Arbeitstraining auf See und als Abschluss flottes Vorankommen bei gutem Nordwind.
Morgen gönnen wir uns wieder einmal so richtiges Ausschlafen. Das haben sich alle verdient.
Patrick Gränicher
Gestern sind wir im Arbeitstraining gut vorangekommen. Alle haben motiviert mitgemacht, die Wasserlinie ist beinahe wieder wie neu, die Backskisten ein weiteres Mal gestrichen, das Deck wurde ausgebessert, Griffe wurden gefettet, poliert und am Salon-Aufbau wurde gestrichen.
Es ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Immer nur Wache gehen, essen und schlafen ist eben nicht alles. Diesen Schwung fürs Arbeitstraining wollen wir am Freitag wieder auf nehmen, steht doch noch vieles an.
Allerdings mussten am Abend zwei, drei All-Hands-Übungen gemacht werden, weil es unter Deck zu laut und unordentlich war.
In den letzten 11 Tagen haben wir über 20 Breitengrade südwärts gemacht. Insgesamt 1300sm, 7 Tage davon unter Segel und 4 Tage mit Maschinenfahrt bzw. -unterstützung.
Wir nähern uns der Kanaren-Insel La Graciosa nördlich von Lanzarote, bei der wir mit den Jugendschiffen immer wieder auf Besuch waren.
Das letzte Mal allerdings war Ronaldinho noch der beste Fussballer der Welt und Messi durfte als Siebzehnjähriger erst für Kurzeinsätze aufs Feld.
Wir freuen uns alle aufs Ankommen. Anker ab, klar Schiff machen, Dinghi abfieren um einzukaufen, Grill bereit machen, Madleine Laffer an Bord begrüssen – dann die Ankunft mit einer Barbecue feiern.
Am nächsten Morgen aufwachen, den schönen Ankerplatz mit karibikgrünem Wasser und einer Wüsten-Mondlandschaft bestaunen. Dann Früstücken, bevor der obligate Grossputz folgt. Am Nachmittag mit Fussbällen und Badesachen an den Strand.
So sehen ungefähr die nächsten 3 Tage aus. Doch zuvor müssen wir noch die verbleibenden 120sm hinter uns bringen. Morgen Mittwochnachmittag kommen wir an.
Patrick Gränicher
Heute Nachmittag drehen wir bei und machen Arbeitstraining. D.h., bei stehendem Aussenklüver und Grosssegel wird die Salomon bei den aktullen flauen Windverhältnissen mit etwa 0.8kn dahin driften.
Wir haben vor, die Wasserlinie einmal so richtig vom Algenbewuchs zu befreien. Dazu werden 4 Jungs (M.M., G.F., M.S., A.T.) und Marcus Kulicke mit Bürsten und Holzschaber ausgerüstet ins warme Wasser geschickt.
An Deck werden die Fenster gereinigt (T.E.) sowie sämtliche Chromstahlflächen und Scharniere poliert und gefettet (JVC). Auch die Deckelgriffe der Oblichter und Backskisten werden gängig gemacht und gefettet (F.Z.).
Ein Teil unserer neuen Holz-Backskisten wird mit einem Bondex-Anstrich versehen.
Dann schicken wir ein Farbteam los, das neue Roststellen am Decksboden und an den achterlichen Aufbauten behebt (Y.O., D.M., A.U.).
Vorne im Kabelgatt wird, wenn es reicht, die Bilge mit Frischwasser gereinigt und getrocknet.
Und das Backschaftsteam macht Grossputz in der Küche (D.S., L.R.).
Nach getaner Arbeit können sich alle im über 4000m tiefen Atlantik abkühlen.
Patrick Gränicher
Wir nähern uns in kleinen Schritten den Rossbreiten, die um den 30. Breitengrad beginnen und so heissen, weil sie früher in diesem Hochdruckgürtel während Wochen kein Wind hatten. Deshalb wurde ihr Proviant oft knapp, so dass sie ihre Pferde schlachten mussten, um durch zu kommen.
Ganz so schlimm ist es bei uns nicht. Immerhin rechnen wir heute und in den nächsten Tagen mit etwas Nord- oder Nordostwind. Doch mehr als ein Hauch ist das zur Zeit nicht. Was solls? Uns freuts auch so. Wir haben, was wir lange vermissten und geniessen es auch, in der Wärme zu sein.
Qürab liegt Casablanca weit hinter dem Horizont und vor uns etwas mehr als 300sm blaüs Wasser bis la Graciosa.
Die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Das bekommen die Jungs hier draussen Tag für Tag mit. Die Vergangenheit bohrt hier nicht (so) und die Zukunft drängt (noch) nicht. So können sie ohne Druck einfach sein und sich in Ruhe Gedanken über das machen, was sie nach der Schiffszeit machen wollen.
Eben tauchte Y.O. beim Steürhaus auf und fragte, ob er den Jager (äusserstes und höchstes Vorsegel) mit dem Vorsegelteam anschlagen dürfe. Bisher konnten wir gut auf dieses Segel verzichten. Doch nun können wir den Zug, den dieses Segel weit oben schafft, gut gebrauchen. Ein Versuch ists wert.
Patrick Gränicher




















































