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Montag, 20. Februar 2012
0730 Uhr – Wochenanfang mit relativ schönem Wetter, gelassener Stimmung und zuversichtlicher Einstellung, bezüglich was da so kommen soll.
Es war ein Tag mit Arbeitstraining für fast alle Jungs. Da diese Woche, der Voraussicht nach, nur diesen Tag zum Arbeiten mit den Jungs zur Verfügung stand, war ich froh, um die paar Kleinigkeiten, welche vom letzten Arbeiten noch übrig waren. Diese konnten nun fertig gestellt werden. Auch die Viertelstunde zum Vorglühen der Jungs für einen gelungen Tagesstart stellte ich unter dieses Thema und betrachtete einige Werkzeuge aus meiner Werkzeugtasche mit ihnen. Verschiedene Sorten von Hämmern und ihre Anwendungen war die thematische Eingrenzung dazu. Diese Werkzeuge werden von ihnen immer wieder benutzt, und um ein falschen Resultat zu vermeiden, wollte ich sie schon mal Prophylaktisch auf eine korrekte Anwendung hinweisen.
Im Nachdenken über die geleisteten Arbeiten und ihren Wert bezüglich des zu vergebenden Arbeitsgeldes, durfte ich feststellen, es war ein guter Tag. Alle machten einen guten Start und die meisten konnten ihre Form auch durch die Pause retten und bis zum Schluss halten. Ganz wenigen ging die Kondition gegen Ende durch die Lappen, aber die Anstrengung lohnte sich – jeder schaffte es über die Ziellinie.
1800h beim einstehen in Uniform – Info per Telefon: Marcus K. kommt nicht heute, sondern erst Morgen gegen 0810h. Aber Stefan, ein Lehrer der hier Schnuppern will, kommt zuverlässig.
So gegen 2130 Uhr rief Patrick vom Land aus an. Er hatte eine gute Zeit mit dem Mechaniker von einem bekannten Schiff in der Nachbarschaft und traf auch einen einheimischen Mann, den er schon länger kennt wieder. Solche Leute sind für uns immer wieder eine grosse Hilfe, weshalb das pflegen dieser Kontakte entsprechend Wertvoll ist. Von diesem Mechaniker bekamen wir auch ein zerlegbares Kettenglied. Sowas bracht man, um beispielsweise einen Anker mit einer Kette zu verbinden oder um eine gerissene Kette wieder zusammen zu fügen, wie in unserem Fall. Leider war das Teil recht gross, weshalb ich es nicht gleich montierte, sondern auf ein anderes wartete, welches für Morgen noch in Aussicht stand.

Dienstag, 21. Februar 2012
Wie erwartet, kam Marcus vor dem etwas verschobenen Frühstück. Das nunmehr fast doppelt so Zahlreiche Team muss sich diszipliniert im Achtersalon aufhalten. Es wird halt schnell eng bei uns.
Für Marcus gab es keine Ruhe. Nach dem Frühstück musste er als Sicherheitsoffizier gleich bei der Sicherheitsübung mitmachen. Die zum Schnuppern anwesenden drei Fachleute wurden separat in die Geheimnisse der Schiffssicherheit eingeführt und sind somit ebenso „allwissend“, wie die meisten Erwachsenen hier.
Der Tag nach dem Mittagessen wurde von der überwiegenden Mehrheit (Alle, bis auf drei Erwachsene), bewaffnet bis an die Zähne mit Fotoapparaten am Cape Verdischen Karneval verbracht. Diesen Nachmittag begann der Umzug mit Wagen und vielen schönen Menschen. Einige waren so schön, dass sie wochenlang dafür üben mussten. Dazu brauchten sie immer Musik. Nicht sehr viel aber sehr laut und sehr lang. (Besonders für meine Verhältnisse, hätte ich sehr gerne Ruhe nach 23:00 Uhr)
Die beiden Lehrer gaben alles, um sich für die Herausforderung dieser Woche zu rüsten. Die nächsten paar Wochen wird hauptsächlich Schule gemacht.
Zur Krönung des gelungenen Ausfluges in die afrikanische Welt der Inseln von Cape Verde, gab es eine grosse Pizza für alle. Wieder auf dem Schiff, konnte der Abend mit Spielen genossen zu Ende gebracht werden. Marcus durfte gleich seinen ersten Abenddienst ausspielen.

Mittwoch, 22. Februar 2012
Dieser sonnige Mittwoch war gleich dreimal ein grosser Tag. Einer der Erwachsenen hatte Geburtstag, Anfang einer Schulwoche und Abends war ein wichtiges Fussballspiel, welches alle sehen mussten. Der FCB spielte gegen den FC Bayern. Alle durften mit Joni und Patrick an Land um das Spiel zu sehen. Das war aber noch nicht alles. Joni hielt noch eine wichtige Standortbestimmung mit A.Ü. (Gespräch zum ermitteln, wie weit ein Jugendlicher Fortschritte gemacht hat und welche Ziele nun gesetzt werden).
Marcus stellte ein paar interessante Bücher und witzige Videos vor, welche er mitgebracht hatte und teilweise auch im Unterricht einzusetzen gedenkt.
Pascal machte seinem Erstberuf als Schreiner alle Ehre und flickte einen Stuhl vom Achtersalon zusammen, der das schon länger nötig hatte.
Auch die WC-Spülung bei den Jungs bekam ihre wohlverdiente Überholung.

Donnerstag, 23. Februar 2012
Der Wunsch der Lehrer nach mehr Räumlichkeiten, ist auf einem Schiff üblicherweise eher illusorisch. Dieser Tag bewies jedoch auch andere Möglichkeiten. Man baue sich eben ein Zelt. Ich dachte Marcus wolle das Sonnensegel setzten, wie wir das ab und zu machen, sah aber ein Festzelt vor meinem Auge, als ich mit Schneiders und den 80 Liter Benzin für das Dingi zurückkam. Nur wer ein Ziel hat kann daran arbeiten es zu verwirklichen, dachte ich und freute mich auch über die Windfreie Zone mitten auf dem Schiff.
Die Lehrer waren übrigens erstaunt wie wach die Jungs mitmachten, nach dem langen Abend gestern. Joni liess zur Feier des Tages noch einen Film spendieren, was niemand ablehnte.
Der letzte Abend war ja Fussballtechnisch unglaublich erfolgreich für den FCB(asel), als die Bayern mit 1 zu 0 schlugen (was Joni durch die elektronische Presse bestätigt bekam) und das auch noch mit unserer Mannschaft vor der Leinwand. Und die wussten das noch nicht einmal. Der Motivationsfunken sprang jedenfalls über und der Sportnachmittag mit Fussball konnte erfolgreich geschlossen werden.
Der ruhige Spielabend unter den wachsamen Augen des Kapitäns war ebenso angenehm, wie ich aus den lachenden Kommentaren schloss.

Freitag, 24. Februar 2012
Noch 10 Monate und es werden sich wieder viele Fragen in den Köpfen nur um die noch fehlenden Geschenke drehen, weil es wieder Weihnachten sein wird. So weit ist es zwar noch nicht, aber immerhin liegt schon wieder eine Woche zur Beurteilung vor den Jungs. Das begann schon mit der Ankündigung heute zum letzten mal für diese Woche Schulunterricht zu haben. Die Smutjes von der Kombüse waren ausnahmsweise mit Einkaufen und vorbereiten für den Grillabend beschäftigt. Eher selten aber doch ab und zu haben wir auch Gäste an Bord und das war heute der Fall mit Taou einem Einheimischen den wir vor drei Jahren hier kennengelernt hatten, sowie einer Familie die auf einer Jacht lebt. Der Vater der Familie arbeitet jeweils in der Werft und verdient was sie zum Leben brauchen. Eine recht unabhängige Lebensweise, die sich für schweizer Ohren vermutlich extrem unsicher anhört. Da kann man wirklich von „Selbtständig“ reden. Ihr kleiner Sohn fand auf unserem Schiff natürlich einen sagenhaft Interessanten Spielplatz. Ihre Vergleiche von Patrick mit einem gewissen „Jack Sparrow“, lassen erahnen was er vermutete und in den paar Stunden hier innerlich erlebte.
Diese wunderbare Kinderwelt der neuen Entdeckungen liegt bei unseren Jungs meist schon eine Weile zurück und sie wünschten sich sicher nichts mehr, als diese Woche zu erfüllen. Nicht nur weil es eine Möglichkeit für einen Abend-Ausgang in Aussicht stellen würde, sondern vor allem weil es bedeuten würde, eine Woche weniger hier sein zu müssen. Selbst wenn sie hier kein schlechtes Leben haben, zieht es sie mit ungeahnter Kraft in die Städte der Schweiz.
Ja und erfüllt hatte auch ein T.E. mal wieder. Er musste besonders lange auf dieses Resultat warten, mit 8 Wochen seit dem letzten mal. Das ist auch für die Erwachsenen hier ein schönes Erlebnis. Wir freuten uns mit ihm.

Samstag, 25. Februar 2012
Wie das Murmeltier ewig grüsst, kommt auch der Samstagsputz bestimmt. Dieser 25. Februar sah da keine Ausnahme vor was alle düsteren Befürchtungen der Jungs bewahrheiten sollte. Man musste wieder putzten!
Doch wie jedes „Pech“ vorbeigeht, dauert auch das nicht ewig und die Freizeit winkt von ferne, bzw ab 14 Uhr. Patrick, mit einigen der zurzeit recht Zahlreichen Erwachsenen, die hier am Schnuppern sind, gehen mit ihnen an Land.

Sonntag, 26. Februar 2012
Ein Sonntag sollte, wie der Name besagt, mit Sonnenschein bestückt sein. Unser Sonntag begann nicht nur so, sondern auch mit ein paar Wolken zusätzlich. Das Frühstück unter dem Sonnensegel, ist durchaus mit der Annehmlichkeit eines Balkons zu vergleichen – nur wäre die aktuelle Windstärke in der Schweiz eher als Sturm einzustufen und bei Sturm bin ich mir nicht so sicher, wer sich da zum Frühstück auf den Balkon wagt.
Bei Vorglühen zum Thema „Chance, ist Freiwillig“ verging einigen das Lachen, andere wandten den Kopf ab, um die feuchten Augen zu verbergen. Bleibt zu hoffen, das Wichtige bewirke irgendwann auch etwas Gutes.
Musikhören bis 15:00 Uhr entführt jeden in seine ganz eigene Welt, seiner Erfahrungen und Wünsche. Der Schiffsimulator wird in Zeiten der freien Zeitgestaltung gerne mal angemacht. Längst nicht alle haben die Geduld zu warten bis sich ein grosses Schiff endlich mal bewegt. Sie haben auch nicht die Erfahrung mit solchen Schiffen entsprechend sind die Erfahrungen. Spass damit haben besonders jene, die schon länger auf der Salomon sind und Übung am Steuer haben. Von Vorteil sind auch Kenntnisse über Schiffssignalisation und Fahrwassermarkierungen, da es eben eine Simulation ist, kann das entsprechende Kosten verursachen, wenn man es falsch anwendet.
Ab 15:00 Uhr ist wieder Landgang drin. Alle dürfen zur sportlichen Betätigung mit Joni Dingi fahren.
Während ich in der Kombüse etwas Scharfes machte, bereitete sich DS auf den Ausgang mit Joni vor. Die Ämtlis wurden zufriedenstellend erledigt und die zeit bis zum Schlafengehen mit Spielen gefüllt.

Fredi Jäggi

Montag
Heute Morgen verlassen uns A.G. und Martin. Nach 64 Wochen an Bord der Salomon reist A.G. zurück in die Schweiz. Dort wird er in unser Brückenangebot gehen. Wir wünschen ihm dafür einen guten Start.

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Dingi in die Stadt, um verschiedene Einkäufe zu machen. Diese Woche steht nämlich eine „Robinsonade“ auf dem Programm. Wir wollen morgen zur Insel Santa Lucia, um dort einige Tage an Land zu verbringen. Damit alles planmässig abläuft, muss noch einiges besorgt werden. Wir teilen uns daher in zwei Gruppen auf und durchsuchen verschiedene Geschäfte nach brauchbaren Waren.  Nach mehreren Stunden haben wir es geschafft und können das ganze Material auf die Salomon verladen.

Um 18:45 treffen Schneiders ein. Patrick und Esther werden die nächsten 2 Wochen an Bord schnuppern. Nach dem Abendessen zeige ich den Jungs noch einige Bilder auf meinem PC. Ruhig und zufrieden schlafen alle kurz nach 22:00  Uhr ein.

Dienstag
Schon früh stehen wir auf, um nach Santa Lucia zu segeln.  Kaum angekommen, lassen wir das Dingi wassern. Zusammen mit C.B. und Captain Patrick fahren wir in die Nähe eines Fischerdorfes. Einige Meter vor dem Land springen C.B. und ich vom Dingi, um an Land zu schwimmen. Dort bitten wir die Fischer um Hilfe beim transportieren unseres Materials. Sie sind sehr hilfsbereit und holen uns mit ihren Fischerbooten ab. Anschliessend bringen Sie uns an einer sicheren Stelle an Land der unbewohnten Insel. Zusammen suchen wir nun einen geeigneten Lagerplatz und beginnen mit dem Aufbau der „Küche“ und der Schlafplätze. Alle Jungs machen gut mit und freuen sich auf das bevorstehende Abenteuer. Die Küchenmannschaft kocht uns zum Abendessen leckere Spaghetti mit Sauce. Wir sitzen zum Essen um das wärmende Lagerfeuer und geniessen den hell leuchtenden Sternenhimmel. Da alle sehr müde sind, ziehen wir uns früh in unsere Schlafsäcke zurück.

Mittwoch
Die Salomon liegt in Santa Lucia vor Anker. Es ist schön vor dieser wundervollen Insel zu liegen. Einige der Jungs sind bereits am Fischen während Pascal und Schneiders ein „blindes“ Frühstück vorbereiten. Die Jungs sollen versuchen mit verbundenen Augen das Essen von einem Tisch holen. Dabei sollen sie als Team zusammenarbeiten. Spannend wie die Gruppendynamik anhand dieses Experimentes zu sehen ist. Einige der Junges finden die Übung toll, andere weniger. Nach dem Essen bauen wir das Lager weiter auf. Kurz nach 12 Uhr taucht ein Schiff in der Bucht auf.  Es ist ein Kapverdianisches Coast Guard-Schiff und das bedeutet für uns, dass wir unsere „Robinsonade“ abbrechen müssen. Denn wir haben leider keine Bewilligung, um auf der Insel zu übernachten. Daher müssen wir schon am zweiten Tag unsere Zelte abbrechen und schleunigst an Bord  der Salomon zurückkehren.

Als wir zurück sind, reisst bei einem Manöver unsere Ankerkette und wir verlieren dadurch den Hauptanker. Die Kette hat sich zwischen zwei Felsen verkeilt und hielt dem Zug der 300 Tonnen Gewicht der Salomon nicht stand. Sofort ankert Patrick mit dem kleineren Steuerbord-Anker, der erst nach dem dritten Versuch hält. Den Rest des Tages verbringen wir mit aufräumen und putzen. Wir sind alle enttäuscht, dass wir die Robinsonade abbrechen mussten. Um die Stimmung zu heben und den Jungs für die sehr gute Arbeit während des ganzen Tages zu danken, schauen wir noch einen Film. Danach ist es sehr schnell ruhig in den Kojen, alle sind Müde und wollen nur noch schlafen.

Donnerstag
Heute geht es vor allem darum, den Anker wieder zu finden.  Abwechslungsweise tauchen wir mit den Jungs, um den Anker zu suchen. Dabei verwenden wir verschiedene Suchmethoden. Am Nachmittag vernehme ich die gute Nachricht. M.M., der beste Schnorchler, findet den Anker. Er taucht zur Kette hinab und fixiert eine Leine daran. An der Wasseroberfläche wird ein Fender befestigt, damit wir den Anker morgen wieder finden. Während das Manöver von Patrick und Fredi geplant wird, lasse ich die Jungs noch einige Zeitungsberichte schreiben. Themen gib es genügend! Zum Abendessen gibt es Truthahn. Diese waren eigentlich für den Spiess am Strand bestimmt. Im Steamer zubereitet schmecken sie wahrscheinlich noch besser. D.S. und M.S. bereiten das Abendessen vor. Das Essen schmeckte sehr gut. Am Abend wertet Pascal noch das blinde Frühstück aus. Es wird viel gelacht und ausgetauscht, ein gutes Zeichen. Die Gruppenstimmung passt.

Freitag
Alles ist gut vorbereitet. Patrick informiert die Crew über das bevorstehende Manöver. Alle stehen auf ihren Posten und wissen genau, was sie tun müssen. Es gelingt bereits im ersten Anlauf den Anker wieder an Bord der Salomon zu nehmen. Mit einem starken Schäkel sichern Fredi,  M.M., H.Ü. und J.B. die 80m Kette mit dem Anker. Nun können wir wie geplant, nach Mindelo zurück segeln. Wir machen gute Fahrt und kommen um ca. 16 Uhr an. Der Wochenrückblick steht an, während die Jungs den Grillabend vorbereiten. Heute erfüllen beinahe alle ihre Woche mit sehr guten Noten. M.M. erfüllt sogar mit einer 4.7 und darf nächste Woche zum zweiten mal in seiner Schiffszeit in den unbegleiteten Ausgang. Als Bezugsperson freut mich das ganz besonders.

Das Grillieren ist wieder mal ein voller Erfolg. Es gibt Huhn, Rindsfleisch, Knoblauchbrot, Süssgetränke und verschiedene Salate. Nach dem erledigen der Ämtli ist schon Zeit um ins Bett zu gehen. Wir freuen uns alle aufs Ausschlafen morgen.

Samstag
Der Samstagsputz verläuft anfangs eher schleppend. Nach einigen kleinen Korrekturen läuft’s dann aber besser.  Nach einer kurzen Mittagspause gehen wir an Land um den Karneval zu besichtigen. Auf den Strassen wird lautstark gefeiert und die Umzüge sind sehr lebendig. Den Jungs gefällt’s, mir auch. Am Abend schauen wir noch einen Film und schon ist der Tag vorüber.

Sonntag
Heute habe ich frei und schlafe ein wenig länger als sonst. Den Brunch verpasse ich deshalb. Neben telefonieren und Musik hören gibt es viel Freizeit an Bord. Am Nachmittag geht Patrick mit einigen der Jungs an einen Strand in Calhau. Zum Abschluss der Woche geht D.S. am Abend noch in den Ausgang. Auf seinen Wunsch hin gehen wir zusammen essen. Glücklich und aufgestellt kehren wir zur Salomon zurück. Ich gehe noch allen Jungs gute Nacht wünschen und gehe dann selbst ins Bett. Die Woche war spannend und abwechslungsreich. Was bringt wohl die Nächste?

Jonathan Reist, stv. Pädagogischer Leiter

Montag 06.02.2012
Für unsere Jungs war heute Morgen früher als normal Tagwacht. Grund dafür war die Verabschiedung von Manuel Maurer. Er geht nach neun Wochen Schiffszeit zurück in die Schweiz, um dort im Brückenangebot mit den Jugendlichen zu arbeiten. Das heisst, dass ab sofort Jonathan Reist die Pädagogische Leitung auf der Salomon übernommen hat. Nach der Verabschiedung und dem Salutieren stand der alltägliche Morgensport an. Statt den normalen 10 Runden gab es heute nach viel Betteln der Jungs als kleines Entgegenkommen nur 9.5 Runden zu schwimmen. Ach, wie gnädig wir doch sind auf der Salomon.. J

Nach einem sehr interessanten Vorglühen von unserem Kapitän Patrick gingen wir zur Tagesordnung über.  D.S, M.S und A.T gingen mit Joni und mir an Land für den wöchentlichen Einkauf. Mit sieben voll geladenen Einkaufswagen kamen wir wieder an Bord zurück. Schon eindrücklich, was die ganze Crew der Salomon zum Leben braucht. A.G, T.E, M.M, J.B, H.Ü und C.B blieben währenddessen auf dem Schiff und führten einige Reparaturarbeiten aus. Es wurde fleissig gehämmert, gestrichten und poliert. Woche für Woche sind Fortschritte an unserer alten Dame zu erkennen.

Nach einmaligem Läuten der Schiffsglocke servierte C.B ein gutes Nachtessen. Sowohl unser Smutje D.S als auch seine rechte Hand M.S  verbrachten den Abend im Ausgang an Land. Obwohl C.B noch nicht viel Erfahrung in der Küche hat, stelle ich fest, dass der Junge seine Aufgabe als Aushilfe in der Küche sehr gut gemacht hat. Das Essen schmeckte uns allen sehr!

Noch an diesem Abend traf Martin Berendt, Psychiater und Aufsichtsperson des Vereins Jugendschiffe.ch, an Bord ein. Er wird uns eine Woche begleiten.

Dienstag 07.02.2012
Als mich mein Wecker heute Morgen den Träumen riss, hörte ich aus meiner Koje das laute Plätschen des Wassers. Das bedeutet,  dass unsere Kadetten fleissig am morgendlichen Schwimmen sind.

Nach einem leckeren Morgenessen und dem anschliessenden Erledigen der Ämtlis wurden die Jugendlichen vom Team über den geplanten Tagesablauf informiert. Auf dem Programm stand Arbeitstraining. C.B. und T.E. widmeten sich der Rostbehandlung. M.S. und D.S. putzten die Küche und bereiteten anschliessend ein leckeres Mittagessen vor. Es ist schon sehr eindrücklich, was unsere zwei „Schiffsköche“ während ihrer Schiffszeit über das Kochen gelernt haben. M.M. arbeitete mit Patrick im Rigg auf über 18 Meter Höhe.

Weil unsere alte Stichsäge den Geist aufgab, ging A.G mit Fredi am Nachmittag an Land, um eine Neue zu kaufen. H.Ü, ein sehr guter Handwerker, arbeitete selbständig und schnell und erledigte seine Aufgaben gut. A.T. erledigte mit mir zusammen Schreinerarbeiten. Gemeinsam reparierten wir ein Gestell aus einer der Kojen.

Am Abend gingen einige unserer Kadetten noch in den wohlverdienten Ausgang. H.Ü. und A.T. gingen mit mir in verschiedene „Chinesen Lädelis“, um Kleider einzukaufen. Derweilen gingen D.S und A.G mit Joni in ein Internetcafe, um sich über das aktuelle Geschehen in der Schweiz und der Welt zu informieren.
Währenddessen „rauchten“ die Hirne auf dem Schiff.  Ein Spiel bei dem man viel denken muss, wurde gespielt. Es heisst Stadt, Land und Fluss. Damit verbrachten die restlichen Jugendlichen den Abend.


Mittwoch 08.02.2012

Schon seit Anfang der Woche versperrt uns ein ungewohnter „Nebel“ den klaren Blick auf das Festland. Grund dafür sind die aktuellen Windverhältnisse, die Sahara-Sand auf die Kapverdischen Insel bringen. Auch heute kann die Sonne nicht durchdringen, dadurch bleiben die Sichtverhältnisse unverändert.

Jeden Mittwoch gibt es bei uns ein „Teamzmorgä“. Die Erwachsenen und die Jugendlichen essen dabei getrennt. Ein gutes Übungsfeld für die Jugendlichen, um selbst mal ein Morgenessen zu gestalten. Auch dieses Mal läuft alles wieder sehr gut. Nach gut einer Stunde sind die Jungs fertig mit essen, Ämtlis erledigen und stehen fürs Vorglühen bereit.
Am Nachmittag stand der wöchentliche Ausflug auf dem Programm. Mit einem Aluguer fuhren wir zu einem abgelegenen Strand. Dort konnten sich die Jungs im Wasser austoben. Der Nachmittag verlief wie im Flug. Schon bald mussten die Badetücher wieder eingepackt werden und wir machten uns auf den Weg zurück zum Schiff. Dabei fuhren wir über holprige Strassen zum Hafen zurück.
An diesem Abend standen keine Anmeldungen für den Ausgang auf der Liste. Alle Jungs blieben an Bord.  C.B, A.G, M.S. und ich spielten Poker. C.B. schrieb eine E-Mail. D.S. und J.B. lasen ein Buch. A.T., H.Ü. und T.E. verbrachten den Abend mit plaudern und gingen früh ins Bett. M.M. und A.G. leisteten sich noch einen Ausrutscher und mussten dafür für Joni eine Bordordnung bis 22 Uhr schreiben.

Donnerstag 09.02.2012
Puh, auch das ist heute wieder erledigt. Ein Junge nach dem anderen, stieg zufrieden aus dem „warmen“ Wasser. Heute war es wegen der Strömung und des Wellengangs eine grosse Herausforderung die zehn Runden um das Schiff zu schwimmen.

Auf dem Programm stand heute ein besonderer Einkauf. Zum einen wurden Frischwaren eingekauft, zum andern wurden erste Vorbereitungen für die nächste Woche stattfindende „Robinsonade“ getroffen. Man kann hier nicht wie in der Schweiz alles in einem Supermarkt einkaufen. Nach diversen Besuchen in kleinen „Lädelis“ kam die Einkaufcrew mit einigen Utensilien mehr in den Taschen zurück auf das Segelschiff.

Zur selben Zeit arbeiteten die Jugendlichen, meist fleissig, an ihren vorgegebenen Arbeiten. Weil am kommenden Tag ein Wechsel auf die Insel Santo Antao angesagt war, mussten die Jugendlichen ihre Arbeiten bis am Abend fertig stellen.

Am Abend ging A.G. in seinen letzten Ausgang. Er wird am kommenden Montag mit Martin Berendt nach Hause fliegen. Wir wünschen ihm viel Glück für seinen Start im Brückenangebot.

Heute Abend wurde auf dem Schiff viel gelacht. Grund dafür war eine DVD des Cabaret-Duos Divertimento. Pünktlich um 21.30 Uhr gingen in den Kojen die Lichter aus. Die Gutenachtrunde war gemacht und es kehrte Ruhe ein. Das Schiff rollte hin und her (schwanken seitlich) und wir können auf einen gelungenen Tag zurück blicken.

Freitag 10.02.2012
Heute wurde mal nicht geschwommen beim Morgensport. Stattdessen wurde auf dem Deck Sport betreiben. Kurz nach dem Duschen läutete die Schiffsglocke zum Frühstück. Von überall her trudelte die Besatzung an den gedeckten Tisch.

Nach dem Vorglühen wurde das Tagesprogramm gestartet. Unter der Aufsicht unseres Leichtmatrosen A.G. wurde das Schiff seeklar gemacht. Das Sonnensegel wurde demontiert und die Sicherheitsnetze wurden angebracht. Als alles seeklar war, bekam das Anker-Team den Auftrag den Anker zu lichten.

Kurz nachdem wir den Hafen verlassen hatten, bekamen die beiden Vormänner H.Ü., A.G. und A.T. den Befehl des Kapitäns die Segel zu setzten. Mit der ganzen Crew wurde dies schnellstmöglich ausgeführt.

Um 15:30 Uhr kamen wir in Santo Antao an. Hinter uns lag eine Strecke von 27 Seemeilen. Zu sehen war ein kleines 150 Einwohner zählendes Fischerdorf mit einem Fussballplatz, vielen Fischerbooten und einer imposanten Felslandschaft.

Als wir nach dem Wochenrückblick aus dem Salon kamen, roch es bereits nach dem wöchentlichen Grillieren an Deck. Mit guter Musik, feinem Fleisch, leckeren Knoblauchbroten und guter Stimmung wurde der Tag abgerundet.

Samstag 11.02.2012
Als der Wöchentliche Samstagsputz hinter uns gebracht war, stand ein Highlight auf dem Programm. Der Besuch der Insel Santo Antao. Mit Ruderbooten kamen uns die einheimischen Inselbewohner von der Salomon abholen. Herzlich wurden wir von den Dorfbewohnern willkommen geheissen.  Stolz zeigten uns einige Männer ihr kleines Dorf. Auf ihre neue Solaranlage waren sie besonders stolz. Sie stammt aus einem Hilfsprojekt der Europäischen Union. Nach der Dorfführung wurden wir auf ein Fussballspiel eingeladen. Mit Schweizern und Kapverdianern gemischten Mannschaften wurde der Fussballmatch von zwei Mal 30 Minuten gespielt. Um das Fussballfeld sammelten sich viele Bewohner, um sich das Spiel anzusehen. Es herrschte eine gute und friedliche Atmosphäre. Schlussendlich gewann das Team von H.Ü., J.B., A.T., A.G., D.S. und grosser afrikanischer Verstärkung  mit 6 zu 4.

Mit einem Fischerboot wurden wir wieder zurück auf unser Schiff gefahren. Die drei Dorfführer und die beiden Ruderer wurden von uns zu einer feinen Lasagne eingeladen.

Sonntag 12.02.2012
Drei Stunden früher als an einem üblichen Sonntag war heute Morgen Tagwacht. Wegen den Wetterverhältnissen und der Strömung entschied unser Kapitän, den Anker kurz nach sieben Uhr zu lichten und richtig Mindelo aufzubrechen. Über die ganzen 27 Seemeilen war Wachbetrieb. Jeweils zwei Jugendliche waren aktiv, entweder beim Ausguck oder am Steuer. Alle anderen Jugendlichen verbrachen ihre Zeit hauptsächlich unter Deck beim Spielen, lesen oder in den Kojen  beim „Chillen“.

Um 17.25 Uhr trafen wir in Mindelo ein. Alle waren gefordert, um die Segel schön zu bergen, die Sicherheitsnetze abzuhängen und andere Aufgaben zu erledigen. Danach wurde geduscht und die Uniform für das Abschlussessen von A.G. angezogen. Es war ein toller Abschiedsabend mit guten Pizzas und einige der Jugendlichen (C.B., D.S. und M.M.) tanzten sogar zu der kapverdianischen Musik. Unser „Brasilianer“ C.B. scheint das Tanzen im Blut zu haben.

Pascal Abry, Sozialpädagoge i.A.

 

Montag:

Die Würfel sind gefallen, wieder einmal hat es mich erwischt. Bevor ich wieder für knappe zwei Monate das Schiff verlasse, komme ich noch dieses eine Mal in den Genuss, den Wochenbericht zu schreiben.

Ein bemerkenswertes Detail des heutigen Tages wird die Ankunft von Jonathan sein. Bis es aber soweit ist, wird noch Einiges geschehen. Ein originelles Vorglühen von Pascal sorgt bereits vor Arbeitsbeginn für heitere Stimmung. Verschiedene kulturelle Berüssungsformen wurden ausprobiert. Habe gar nicht gewusst, dass sich die Massai zur Begrüssung anspucken! Ich werde mir das für meine nächste Afrikareise merken…

Das Wetter wird wie immer draussen abgehalten und überzeugt heute mit strahlendem Sonnenschein. Leider verunmöglicht der aufkommende Wind das anbringen der von AG und CB geknüpften Katzen. (Das sind die flauschigen Dinger, die ein Scheuren der Segel an Stagen und Dirken verhindern)

Unser Arbeitsagoge Fredi hat sich für die heutige Arbeitsmoral eine besondere Motivation einfallen lassen. Feierabend gibt es dann, wenn die aufgetragenen Arbeiten erledigt sind. Die Resultate fielen unterschiedlich aus. Während die fleissigen Jungs zeitig in den Feierabend entlassen werden können, kommen andere diesen Abend gar nicht mehr zum „feiern“. TE kam in den Genuss einer Eins-zu-Eins- Betreuung bis zum Schluss.

Eine willkommene Abwechslung war die Ankunft von Joni. Nicht nur für TE. Auch alle Anderen stürzten sich zu diesem Zweck gerne in Uniform. Nach der Begrüssung gab es Abendessen unter unserem heimeligen Beduinenzelt. (Sonnensegel)

 

Dienstag:

Das gute Wetter scheint den gestrigen  Auftritt zu widerholen. Wenn das gestern die Hauptprobe war, ist das heute wohl der Ernstfall!

Während Jonathan und ich uns um unspektakuläre Administrationsdetails kümmern, kommen die Boys ein weiteres Mal in den Genuss von Arbeitstraining. MM hat ein besonders guten Tag und zerlegt unter der Anleitung von Patrick die Ankerwinde. Erst zerlegen, dann reinigen, um nach dem fetten wieder zusammen zu setzen. Die beiden erledigen das in kurzen zweieinhalb Stunden.

HÜ kümmert sich derweil um die Behandlung unsere Nagelbänke mittschiffs. Vier dicke Lasurschichten bringen dem Holz einen seidigen Glanz und vor allem den dringend nötigen Witterungsschutz. Wie immer arbeitet HÜ selbständig und speditiv.

MM zeigt derweilen einen deutlichen Einbruch seiner Motivation. Die Ankerwinde ist gewartet und mit der Arbeit auf dem Steuerhausdach kann sich unser MM nicht wirklich identifizieren! (Er sitzt gerade neben mir und meint, das sei aber gar nicht nett, das sei nicht sein wahres Gesicht)

 

Nach einem superfeinen Nachtessen von MS, zeigen die Jungs sehr viel Einsatz bei den obligaten Ämtlis. Entsprechend gut fallen die Noten nach der Kontrolle aus!

AT, HÜ, MS und TE verbringen ihre Freizeit am Abend mit Pokern, während MM und CB sich mit unserem kleinen Hubschrauber vergnügen.

Mittwoch:

AG leitet heute seinen zweit letzten Morgensport. Beflissentlich zählt der die Runden seiner Kameraden und macht bei jeder zurückgelegten Runde den entsprechenden Strich. Wenn da zwei Fünferbündel stehen, darf der Kandidat dem Wasser entsteigen. Wir Erwachsenen haben derweil unser allwöchentliches Frühstück im Achtersalon und unterhalten uns über Dinge, die nur für ausgewachsene Ohren bestimmt sind. Nach knappen 20 Minuten ist restlos jeder aus dem Wasser. Etwas argwöhnisch beäugen wir unsere Borduhr. Wenn eine Erwachsener das Morgenschwimmen beaufsichtigt, reichen jeweils 20Minuten kaum…

Wie dem auch sei, wir kümmern uns nun um unsere eigenen Angelegenheiten, werden aber in Zukunft ein Auge drauf halten.

Nach einem, sagen wir mal sehr spontanen Vorglühen meinerseits, werden sie Jungs subito im Arbeitstraining erwartet. MM bekommt nach dem gestrigen Nachmittag noch eine Sonderration Wegweisung vom Kapitän zu Beginn seines Trainings. Heute wollen wir einfach mehr Leistung sehen!

Gegen Mittag rückt dann unser Besuch an George und sein Sohn Cesar rücken in Begleitung weiterer drei Personen an. George ist ein Kap Verdianer und hat sich dem Artenschutz der Schidkröten und der Unterwasserwelt verschrieben. Wir erleben ein sehr unterhaltsames Mittagessen. Sie werden uns demnächst einmal zum Fischen mitnehmen und uns zeigen wie man den Serra, den weissen Tunfisch, fängt. Wäre da nicht der Freitag naheliegend? Frischer Fisch vom Grill? Mal sehen, was sich bewerkstelligen lässt.

Den Nachmittag verbringen wir gemeinsam am Strand von San Pedro, bei Sport und Spiel. Auch heute zeigt sich klar, wo die Altersgrenze unseres „Kindergartens“ befindet. Plötzlich sehe ich mich von vier „kleinen“ Buben umringt! (ja, Mr. Bigfoot mit der Schuhgrösse 48 gehört auch dazu) Alle wollen sie mich im Sand liegen sehen. Wie Hyänen fallen sie mich immer wieder von hinten an! Wo bleibt denn da die Kämpferehre?! Wenige Minuten später rennen alle (also auch ich) ins Wasser, um den überall klebenden Sand ab zu spülen.

 

Donnerstag:

Heute Morgen zähle ich drei verschiedene Schichten von Bewölkung. Die Sonne wird sich heute wesentlich mehr anstrengen müssen, wenn sie uns erreichen will. Wind, Wellen und die viel beschuldigte Strömung machen den morgendlichen Schwimmern das Leben schwer. Nach 24 Minuten ist unser TE dann auch zurück an Deck. Weil heute Segeltraining stattfindet, wird der Menuplan etwas umgestellt. Wie, wissen wir noch nicht. Wir lassen uns mal überraschen. Joni wird heute mit MS das Mittagessen kochen.

Auch heute staunen wir über den Einsatz von unserem Moses CB. Wenn auch jung, klein und leicht, zeigt er immer wieder guten Einsatz, wenn er ein Tau in die Finger kriegt.

 

Freitag

Eine windige Nacht geht zu Ende.  Verschiedene Geräusche liessen uns immer wieder Mal. Das letzte Mal, als ein Schäkel brach, vom Rigg herunter an Deck knallte.

Das erste Gesicht, das ich heute morgen sehe, gehört Fredi. Er braut sich gerade sein tägliches Morgengetränk. Keine Ahnung aus was sich das hellgrau Gebräu zusammensetzt. Wenig Später steht er auf  dem Achterdeck und fungiert als Rundenzähler. Ich sehe zwar die Jungs aus diesem Winkel nicht, aber plantschende Geräusche verraten mir, dass sie gerade dabei sind, sich auf sportliche Art den Schlaf aus den Augen zu wischen. Wie immer ist JB das riesige Muskelpaket der Schnellste. Ich verstehe zwar nicht viel davon, aber der Junge sollte unbedingt etwas aus seinem Schwimmtalent machen. Ehrlichgesagt beneide ich ihn ein wenig. Mit meinen Ekzemen an den Flossen und der chronischen Schwimmblasenentzündung dürfte keineswegs so früh schon ins Wasser. Also nehme ich mit der doofen Warm-Süsswasserdusche vorlieb.

 

Die noch ziemlich frischen Brötchen verschwinden wie immer ziemlich schnell vom Tisch. Kein Wunder, solch aktiver Morgensport bringt zwar jede Menge Kondition und Muckis, aber eben auch ein grosses Loch in den ohnehin schon leeren Magen. DS und MS, an dessen Tisch ich gerade sitze, tun das allerdings mit anständigem Bedacht. Andere Schützlinge müssen sich das anständige Essen noch angewöhnen.

Das Vorglühen findet heute unter Deck und durch unseren Frei statt. Das Thema ist Härte! Eine Reihe Messer, Zangen und Feilen sollen dabei aufzeigen helfen, dass „Härte“ in verschiedenen Formen vorklommt und ein jedes Werkzeug zu einem bestimmten Zweck gemacht ist. Im übertragenen Sinn sollen die Jungs (und auch alle anwesenden Erwachsenen) begreifen, dass nicht die härtesten Helden gewinnen, sondern diejenigen, die sich am flexibelsten auf ihre jeweilige Situation einstellen können.

 

Ansonsten findet heute einmal mehr Arbeitstraining statt, während Joni zusammen mit AG, JB, DS den freitäglichen Wochenendeinkauf tätigt. Pascal und meine Wenigkeit halten heute die Stellung im Büro und schlagen uns die Zeit mit Berichteschreiben um die Ohren.

 

Samstag:

Der Tag des Mr. Proppers. Zusammen mit Joni und Pascal werden wir für Sauberkeit auf unserem Schiff sorgen. Wir sind noch dabei, das WIE zu planen, als auch schon MS vor unsrem Eingang steht und meldet, dass es unten im Salon nicht so gut laufe. Offensichtlich bahnt sich schon vor dem Morgenessen der erste Konflikt an. Nach Anhörung der beiden Streithähne stellen wir fest, dass die Beiden nicht alleine beteiligt sind und wir beschliessen, kurzerhand die Befindlichkeitsrunde dem gemeinsamen Frühstück vorzuziehen. Dementsprechend „lebendig“ fiel sie dann aus.

Wie oft, war es anfänglich nur Spass. Spass, der leider wieder einmal nicht für alle Beteiligten lustig war…  Zuguter Letzt konnten wir uns alle wieder in die Augen sehen. Das feien Frühstück tat das Übrige. Mindestens diese Art von Wolken haben sich so rasch verzogen, wie sie gekommen waren.

Derweilen wollen sich die meteorologischen Wolken heute nicht verziehen. Vielmehr meldet sich Regen an. Glaubt man den lokalen Fischern, soll das der kälteste und regnerischste Januar gewesen sein seit Langem.

Der Wind nimmt stetig zu.

Wenig später lassen wir das TSS- Segel, welches die Rollbewegung des Schiffes vor Anker dämpfen hilft, geborgen. MM und MS sorgen dafür, dass das Segel am Mast festgezurrt wird. Es beginnt zu regen.

Um drei Uhr nehmen unser Kadetten das Dinghi hoch. Also nichts mit an Land gehen.

Wir bleiben alle an Bord und füllen unser Freizeit mit einem spannenden Gruppenspiel an Bord. Wie angenommen, bleibt es nicht bei der ersten Runde.

 

Übrigens sei am Rande noch erwähnt, dass ich seit heute Morgen die Pädagogische Leitung an meinen Stellvertreter Jonathan Reist übergeben habe. Die nächsten beiden Monate wird Joni die hier die Stellung halten.

Mittlerweile riecht es wieder köstlich aus der Küche. Thainudel-Eintopf mit Huhn und Kohl steht auf dem Menuplan. DS und Joni alias Ratjif jonglieren mit orinentalischen Gewürzen. Köstlich, was die Beiden wieder hin kriegen. Chapeau!!

Alles hat ein Ende. Auch das Kochgas. Laut einem bestimmten Gesetzt immer im ungünstigsten Moment. Fredi, unser Chief und Bordmechaniker hat heute frei, draussen wehen aufgebrachte 35 Knoten Wind und die Wolken müssen offensichtlich auch mal….

Zusammen mit des Küchenchefs Hilfe DS heben wir die schweren, etwas umständlichen Deckel von den Gaskisten. Mehrere Kombinationsversuche der Hebel und Ventile bringen die Flamme am Herd auch nicht zurück. Wohl oder Übel muss ich schlussendlich doch Freund Fredi zu Hilfe holen. Eben doch ein Flaschenwechsel nötig! Mit der Hilfe verschiedener Neugieriger Jungs ist der Wechsel dann gleichwohl hurtig gemacht und die Köche zufrieden.

Duschen bei diesem Wetter macht wohl auch den etwas wasserscheueren Jungs Spass. Schliesslich windets und luftets nicht jeden Tag so toll!

Wenig später verschwinden dann alle unter Deck. Schätzungsweise erzählt heute mal wieder die elektronische Grossmutter eine ihrer spannenden Bildergeschichten. Man munkelt, heute ginge es um Gladiatoren….

Sonntag:

Was heute alles läuft, kriege ich leider nicht alles mit. Ich weiss nur, dass Patrick beabsichtigt, den tag mit einigen der Jungs auf der Ostseite der Insel zu verbringen. Wir sind von George und seine Clique eingeladen worden, den Tag bei ihm und seinem “Direktanschluss” an das Meer zu verbringen. ich persönlich nutze das herrliche Wetter, um mein Glück nochmals am Mt. Cara zu versuchen. MM guckt mir etwas neidisch hinterher. Zuvor gibt es aber Brunch. Der Sonntagszopf von AG, übrigens sein Zweitletzter, ist besonders gut gelungen. Ob das wohl auch der Hilfe von CB zu verdanken ist, der diese Kunst dereinst weiterführen will?

Nach dem Brunsch werde ich an Land gefahren und soll erst am Nachmittag wieder abgeholt werden. Währedn das “Sonntagsprogramm” weiterläuft, versuche ich mein Glück an der Südflanke des Hausberges. Leider soll es auch dieses Mal nicht sein. Zu steile Wände, loses Gestein und starker Wind an den exponierten Stellen, lassen mein Traum platzen. Ausserdem soll das Risiko in einem vernünftigenn Rahmen bleiben. Zudem treffe ich auf kurz vor meiner Umkehr auf einen Raubvogelhorst, dessen Eigentümer mir das Leben schwer machen! Würde ich übrigens auch, wenn ich so schöne Krallen besitzen würde. Glücklicherweise bleibt es bei den akrobatischen Scheinatacken und mit etwas Dreistigkeit gelingen mir sogar einige Aufnahmen der drei grossen Eier im Nest. Nun aber nix wie weg!

Zurück auf dem Schiff wird ausgetauscht, erzählt und viel gelacht. Fredi hat heute einmal mehr das Schiff gehütet. AG, HÜ, AT und MS haben ihm Gesellschaft geleistet.

Später erfahre ich von den Ausflüglern, dass sie ebenfalls einen sehr schönen und ruhigen Nachmittag verbracht haben. Wir sind froh, dass auch heute wieder alle Buben müde und zufrieden in den Betten liegen!

Auch an meinem letzten Abend wird bei uns im Achtersalon noch lange geschwatzt, gefachsimpelt und erzählt. Es muss wohl kurz nach Mittermnacht gewesen sein, als die letzten Lichter erloschen sind…

mm

 

 

 

 

 

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