Montag;
Unsere Arbeit ist stets geprägt von Überraschungen. Noch vor dem Morgenessen geht bei mir die Meldung ein, JB habe beim Morgenschwimmen die 14-Minutengrenze geknackt. Nur zu schade, dass ich das nicht selber gemessen habe. Gerne wird er das bei Gelegenheit nachholen!
Heute erwarten wir zwei neue Kadetten. DM und CB werden, sofern alles klappt, in Begleitung von Pascal Abry und YO`s Vater um 12:30 bei uns eintreffen. Alles ist soweit vorbereitet. Die Kojen sind hergerichtet, die Akten sind angelegt und alle Dokumente aktualisiert. Das gibt jeweils eine Menge Arbeit.
Und dann, in der Mittagspause, erreicht uns die Nachricht, dass die Neuankömmlinge am Steg stehen. Leider nur zu dritt, wie ich seit heute Vormittag weiß. DM hat es vorgezogen beim Einchecken das Weite zu suchen! Wie gesagt; unsere Arbeit steckt voller Überraschungen! Somit haben wir vorerst nur einen Neuzugang.
Da uns unser Schiffsjunge YO am Mittwoch verlässt, haben wir entschieden, dem Antrag von MM statt zu geben. Probehalber darf er eine Woche lang das Wäscheämtli übernehmen. Ab sofort wird der offene Posten im Abwasch von CB eingenommen!
Seit der Ankunft unserer Neulinge liegen mir einige Jungs in den Ohren. Weshalb wohl??
Einige Weihnachtsgeschenke sind noch ausstehend. Doch noch ist niemand dazugekommen, die eingetroffene Ware einzusehen. Wohl oder übel müssen sich unsere Jungs noch bis nach dem Essen gedulden.
Dienstag:
Es ist noch vollkommen ruhig an Bord. Ich geniesse Momente wie diese besonders.
Die Morgendämmerung liegt noch auf dem Wasser. Am Horizont sendet der Vollmond sein letztes, fahles Licht zu uns. Völlig ungestört schreibe ich die ersten Zeilen dieses Tages. Was wird der Tag uns wohl alles bringen?
Kurz vor Sieben erwacht das Leben unter Deck! Morgensport ist angesagt! Für CB ist es das erste Mal, dass er zehn Runden ums Schiff schwimmt. Gestern Abend noch hat er mich mit ungläubigen Augen angestarrt, als ich ihm bestätigt habe, dass das diese Info kein Witz sei, sondern Tradition!
Heute Morgen springt er ohne weiter Einwände seinen Kameraden hinterher und bewältigt die zehn Runden sogar innerhalb der vorgegebenen 30 Minuten! Gute Anfängerleistung.
Das Morgenessen wir etwas kürzer gehalten als sonst. Schließlich wollen wir möglichst bald den Anker lichten und die Segel setzen. Rund eine Stunde später ist es dann soweit. Die Salomon ist klar zum Auslaufen und MM, unser neuer Ankerchef beginnt mit seiner Crew, die Ankerkette einzuholen.
Wenige Minuten später sind wir bereits unter Fahrt. Höchste Zeit, von meiner Tastatur abzulassen, um nachzusehen, wie sich unsere Neulinge und Besucher fühlen!
Bei sonnig schönem Wetter und optimalem Trainingswind pflügen wir durch das türkisblaue Wasser der Kap Verden. Segel werden gesetzt, Wenden und Halsen werden gefahren. Sehr zufrieden ist unser Kapitän Patrick Gränicher und Matrose FZ mit der Leistung der Crew. Unser Moses CB klagt über Übelkeit. Auch alte „Hasen“ wie GF lassen den Kopf hängen. Wegen Seekrankheit. Komischerweise ist er der Erste, der beim Mittagessen mit einem wohl gefüllten Teller in der Messetüre erscheint. Fredi und ich tauschen vielsagende Blicke aus. Ganz offensichtlich meinen wir dasselbe. Genau wie heute morgen, als ich GF und HÜ aus den Betten holte. Schluss mit echten und vorgetäuschten Krankheiten. Auch mit etwas Kopfschmerzen und einem undefinierbaren Gefühl in der Magengegend kann man einen Segeltag überstehen!
Es ist bereits späterer Nachmittag. „Unser“ Ankerplatz ist immer noch frei und wir lassen den Anker an derselben Stelle fallen. Die Flunken graben sich in den sandigen Ankergrund und mit etwas Rückwärtsschub gräbt er sich wie ein Widerhaken in den Boden.
Für YO ist sind das die letzten gesegelten Meilen. Er wird uns morgen verlassen. Als ich Am Abend durch die Kojen gehe, um gute Nacht zu sagen, schläft er bereits tief.
Mittwoch
Leichtmatrose AG wird heute 16 jährig! Herzlichen Glückwunsch! Er feiert bereits das zweite Mal Geburtstag an Bord. Weil er abends in den Ausgang will, wird das Mittagessen zu seinem Geburtstagsessen erklärt. „Subway“ nennt sich sein Wunschgericht. Bevor es aber soweit ist, wird YO gebührend verabschiedet. Jeder Abschied hat sein eigenes Gesicht. Diesmal geht ein guter Freund. YO war oft das verbindende Glied in der Gruppe. Er wir und fehlen! YO, wir wünschen dir alles Gute für deine Zukunft! Ich für meinen Teil freue mich, in der Schweiz weitere drei Monate mit ihm weiterarbeiten zu dürfen. Also dann, bis in Rafz!
Wer geht denn schon mit einer halben Million im Rucksack auf Einkaufstour? Zusammen mit Schiffsjunge MS haben wir heute das Vergnügen. Zum Glück handelt es sich nicht um Franken, Dollars oder Euros, sondern bloß um kapverdische Escudos. Trotzdem beschleicht mich ein eigentümliches Gefühl, als ich mit so viel Geld aus der Bank komme. Diskretion ist angesagt.
Auf der Einkaufsliste stehen Fleisch, Salat, Tomaten und Brot. Einmal mehr staune ich, wie unsere Küchentiger das Feilschen und Markten drauf haben. Daneben komme ich mir sogar etwas unbeholfen vor. Erst richtig ab geht es ab, als wir die italienische Fleischerei betreten. MS parliert auf italienisch. Offensichtlich zur Freude der Verkäuferinnen…
Subway. Das schmeckt! Gute Idee, Leichtmatrose.
Da kann man ganz vornehm vor das Buffet stehen und auf jene Zutaten zeigen, die man wenig später, und auf Wunsch sogar gewärmt, zwischen den aufgeschnittenen Brotscheiben serviert bekommt. DS und MS übernehmen mit behandschuhten Händen den „Füllerjob“.
AG unser Geburtstagskind, FZ unser Langzeitmatrose und DS, Smutje seines Zeichens, verlassen unser Schiff kurz vor sechs. Da geht ja Mal die gesamte Elite in den Ausgang. Madeleine, die heute Abend den Abenddienst macht, verzieht sich nach dem Nachtessen in die Küche. Aus verlässlichen Quellen weiß ich, dass es nach der Rückkehr von AG und kurz vor dem Zubettgehen noch Geburtstagskuchen gibt. Sie kann das besonders gut!
Donnerstag
Noch selten sind wir hier vor Santa Maria so ruhig gelegen. Sehr zur Freude der gesamten Crew. Das wissen wir zu schätzen, weil wir miterlebt haben, wie es hier, auch vor Anker, rollen kann.
Das sind also beste Voraussetzungen für einen guten Tag. Heute steht erneut Segeltraining auf dem Programm. Zumindest vormittags. Am Nachmittag werden wir das Abschlussgespräch mit FZ abhalten. Dem Rest der Crew werden wir Madeleine Schule zum Thema Sklaverei auf den Kap Verden erteilen.
Nicht weit von uns entfernt liegt ein Schiff, über dessen Zweck ich mir noch nicht ganz im Klaren bin. Im Verlauf des Abends werden wir hoffentlich dieses Geheimnis lüften können. Wir sind nämlich freundlicherweise von der Besatzung zum Abendessen eingeladen worden.
Das Segeltraining findet bei wenig Wind statt. Das beinhaltet die Möglichkeit, sich für die einzelnen Handgriffe etwas mehr Zeit zu lassen, um sich diese auch besser einzuprägen. Ich selber bekomme vom Segeltraining nicht all zu viel mit. Zusammen mit unserem Praktikanten machen wir unterdessen die Küche unsicher. Pascal kocht, während dem ich mich dem Abtauen des Gefrierschranks widme. Mit heißem Wasser wird der Eiszeit auf den Leib gerückt.
POB steht für person-over-bord. Nebst Havarie und Feuer, eines der schlimmsten Ereignisse. Etwas weniger schlimm, wenn man darauf vorbereitet ist. Damit wir das auch sind, üben wir immer mal wieder. So auch heute. Während der Kapitän unsere Salomon ins Luv des Verunglückten ( heute simuliert durch einen Rettungsring) macht sich MM bereit, als Rettungsschwimmer zu fungieren. Gesichert an einer Leine stürzt er sich kopfüber ins Wasser um kurz darauf den „Verunglückten“ an Bord zu bringen!
Kurz nach dem Ankermanöver gekommen wir Besuch von irgend welchen Touristen- Jäger und Fallensteller. Kennen sie diese pseudo U-Boote, durch deren blinde, trüben Scheiben ahnungslose Touristen einen Blick in die schöne Unterwasserwelt tun können?
Pro Kopf kostet dieses Vergnügen 30 Euro!
Weil der sandige Grund vermutlich kaum Sehenswürdigkeiten bietet, haben irgendwelche Taucher eine Christus-Statue versenkt. Als Attraktion.
Heute nun, ist dem Heiligenbild beinahe unser Anker auf den Kopf gefallen!
Auf der Karte nicht eingetragen und ohne Markierungsboje versehen konnten wir diesen verborgenen Schatz nicht erahnen….
Nun wurden wir von eben diesen Touristenjäger höflich aufgefordert, ihr submarines Jagtrevier zu verlassen und anderswo zu ankern!
Weil nicht gerne Spielverderber sind, folgen wir der Aufforderung selbstverständlich ohne Widerrede….
Punkt 17:45 Uhr stehen alle Jungs in Uniform an Deck. Kurz darauf beginnen wir mit dem Transport zu unseren „Nachbarn“. Die wenigen Meter zur „Lamu“ sind bald zurück gelegt und wir werden von „Ernie“ dem Kapitän herzlich willkommen geheißen. Wenig später führt er uns über und unters Deck! Er erklärt uns, dass die LAMU als Wahlfänger gebaut wurde (was die Wahlharpune eindrücklich bestätigt) und später als Rettungsschiff einer Ölplattform eingesetzt wurde. Heute gehört sie einem deutschen Ehepaar und wird als Urlaubsschiff gebraucht. Die drei- bis sechsköpfige Crew hat den Auftrag, das Schiff in gutem Zustand zu halten.
Draussen an Deck nimmt der Maschinist „Wayne“ den riesigen Grill in Betrieb. Drinnen in der Kombüse wird das Essen von einer einheimischen Köchin zubereitet.
„Catch of de Day“ steht auf dem Plan und jede Menge Fleisch. GF und TE werden angewiesen, die Fische in Alufolie einzuwickeln. TE reagiert mit etwas grossen Augen auf die ebenfalls grossen , glasigen Augen der Fische. Keine Angst, die sind tot!
Wir genießen die Gastfreundschaft unserer Nachbarn ebenso wie das Barbecue! Besonderes Interesse finden auch die durch Planen abgedeckten Sportboote auf dem Vordeck. Ein Blick darunter lässt und große Augen machen. Alles aus echtem Carbon!
Freitag
Heute werden mal wieder ungenügende Noten verteilt. Einige Buben nehmen die vorgegebenen 20 Minuten für ihr tägliches Ämtli nicht sonderlich ernst! Wir aber schon.
Gute Noten für gute Leistung kriegt heute unser MM. Mit viel Enthusiasmus kümmert er sich um sein neues Wäscheämtli.
CB, ein Kürzel, das hier noch nicht oft verwendet wurde, steht für unser neustes Crewmitglied. Als „Moses“ macht er gestern und heute die ersten Erfahrungen mit unserem widerspenstigen Messing. Weil er im Moment etwas zu viel Unruhe in die Gruppe bringt, beschließen wir, ihn mit Arbeit zu beschäftigen. Er will wissen, ob dies nun eine Straffe sei. Madeleine erklärt ihm den Unterschied zwischen Strafe und logischer Folge. Während unserer Wochensitzung bevorzugen wir es, CB in unserem Sichtfeld zu haben.
Weil wir gestern schon auf der LAMU grilliert haben, streichen wir unser freitägliches Grillieren. Statt dessen gibt es heute Reis und die letzte Tranche Restfleisch aus dem Gefrierschrank.
Samstag
Nach dem samstäglichen Großputz folgt in der Regel ein sportliches Pflichtprogramm. Weil wir heute aber etwas ausgiebiger geputzt haben, und der bordeigene Coiffeur-Salon noch seine Tore zu öffnen gedenkt, verzichten wir auch aus zeitlichen Gründen auf den Landgang. Wichtiger scheint mir heute, dass die Buben rechtzeitig ins Bett kommen. Damit diese Zeitplanung aufgeht, muss bereits aufs timing des Nachtessens geachtet werden.
Offensichtliche fühlen sich einige Jungs vom Angebot des Friseurs angesprochen und beschließen das gratis Angebot in Anspruch zu nehmen. Gratiskunde Nummer vier erscheint kurz vor Feierabend. Mit viel italienischem Charme wickelt mich MS um den Finger und kurzer Hand verhelfe ich auch ihm zu kurzem Haar.
Nach dem Film, den ausnahmsweise ausnahmslos alle toll fanden, befördere ich die Buben in ihre Betten. Die Uhr zeigt Neuen und alle liegen zufrieden in ihren Kojen. Unsere „Dinghi-Elite“, die sich aus tendenziell bequemeren Jungs zusammensetzt, müssen allerdings um zehn nochmals kurz die Betten verlassen, um das Beiboot mittels Flaschenzüge (in der Seefahrt „Taljen“ genannt) hoch zu ziehen.
Sonntag
Das Wetter schlägt etwas um. Mehr Wind lassen auch die Wellen wieder etwas ansteigen. Im Salon herrscht derweil eine etwas ausgelassenere Stimmung. Wie ich Pascal kenne, wird er die Jungs zu einem Spiel animiert haben.
GF und CB spielen Fangen an Deck und, was mir missfällt, auch auf den Dächern. Kurzerhand pfeife ich sie von da herunter und verweise auf unsere Bordordnung. Das Abschiedsessen von FZ und GF findet an Land statt. Madeleine meldet soeben, dass sie eine geeignete Pizzeria gefunden habe.
Um 18 Uhr geht fast die gesamte Crew an Land, außer Fredi, der aus Sicherheitsgründen auf dem Schiff bleibt.
Zusammen gehen wir ein paar Schritte, bis wir etwas außerhalb von Santa Maria den Club1 erreichen. Hier werden wir höflich hereingebeten. In herrlich schönem Ambiente genießen wir die Pizza und das gemeinsame Zusammensein. Für FZ und GF das letzte Abendessen mit der Crew!
mm






















