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Montag, 22. Januar 2012
Editorial:
Ja – nun hat es mich wieder erwischt, den Wochenbericht zu schreiben. Letztes mal bekam ich gute Reverenzen – neben der Kritik, wohlverstanden – was diesmal ein besonderes Gewicht der Erwartung an mich selber. Der Wochenbericht ist jedesmal eine Herausforderung, wenn nichts Besonderes geschieht oder auf das Programm gesetzt werden kann. Oberflächlich betrachtet gleicht sich da jede Woche wie ein Morgen dem Andern. Die interessanten Unterschiede finden sich in den Kleinigkeiten die allerdings erst wahrgenommen werden müssen, was nicht so einfach ist, wenn man nicht überall gleichzeitig sein kann. Wer kann das schon. Diese Woche steht in diesem Sinne besonders günstig für mich als Arbeitsagoge und Bordmechaniker, da das Arbeitstraining besonders gewichtet werden soll. Ich bin sozusagen mittendrin nicht nur dabei. Was bei Ausflügen meistens anders ist, da ja immer jemand das Schiff hüten sollte. Es ist mitunter ganz schon unselbstständig, obschon recht viel automatisiert läuft.
-Wochensitzung zum Anfang der Woche. Damit klar wird was diese Woche geboten werden soll, sassen wir zusammen und legten fest was festzulegen war. Arbeiten und Schule sollten die wichtigsten Punkte sein, was keine Ausnahme darstellt. Die schon fast unübersichtliche Verteilung der Jungs auf die Kojen sollte beispielsweise „umstrukturiert“ werden. Es braucht einfach keine 5 Kabinen für 9 Jungs, wenn vier davon schon vier Betten haben.
-Jungsmorgensport zum Anfang der Woche. Während wir drinnen sassen, sassen die Jungs draussen, aber nicht lange. Die allmorgendliche Bewegungsorgie sollte die Frische in der „Truppe“ wieder zu neuem Leben erwecken.
-Vorglühen und Informationen von Manu, zum Anfang der Woche. Nicht alles, aber was die Jungs betrifft von der Sitzungsbeschlüssen, gab Manuel bekannt.
-Arbeitstraining und Motivationsstandanzeige zum Anfang der Woche. Nach der Vollbremsung am Samstag, vorsichtigem auslaufenlassen am Sonntag, konnten wir den Montag zum erneuten Durchstarten und einbiegen in eine neue Woche benutzen. Eigentlich so wie jede Woche. Nur steht der Zeiger Motivationsstandesanzeige nicht immer am selben Ort, was die Ausganglage jeweils unterscheidet und das Resultat entscheidend beeinflusst. Leider gab es zwei recht unterschiedliche Lager bei den Jungs. Die einen machte die Sache recht gut, während andere sich als „Bimbo“ bezeichneten und eigentlich gar nichts ausrichteten an diesem Tag. Es brauchte schon viel gutes Zureden, um wenigstens den Arbeitsschluss noch erträglich zu gestalten. Damit war die Grundlage für die Fortsetzung der Arbeiten am Nächsten Tag grundsätzlich gesichert.
-Zwei mal Ausgang bitte. Die ersten dieser Woche. Das bedeutet, mindestens diese zwei hatten die letzte Woche bestanden und damit eine weniger, die noch zu erfüllen ist. Die besondere Herausforderung liegt in der Bewährungsfrage: „Können sie sich unter den ortsüblichen Verlockungen gemäss schweizerischer Gesellschaftsnormen benehmen?“ Es konnte nichts Anderes festgestellt werden. Gut so!
….
Nur M hatte die Woche nicht erfüllt. Auch T ist nicht besser dran. Wie es so ist, kommt selten ein Unglück allein. Nur M (ein anderer) ist da eine Ausnahme. Das liegt allerdings an seiner Sprache. Man versteht nicht was er lügt. A besticht durch seine Stille Art. Selten hört man ihn etwas sagen, aber wenn er was sagt … ! Nicht verwunderlich, dass er beim Poker so gut ist.
….
So was kann man schreiben, wenn man Abenddienst hat, nach einem harten ermüdenden Arbeitstag, mit den „verwunderlichen“ Jungs. Es stimmt natürlich nicht, aber es macht den Jungs Spass dabei zuzusehen, so einen Unsinn zu schreiben. Eigentlich ist es halb so schlimm und die meisten sind recht anständig bisher. Man muss sogar betonen dass das auch M betrifft, welcher oben nicht so gut wegkommt. Er hatte aber auch den grössten Spass daran und schlug die anderen Jungs vor, welche es zu verunglimpfen galt.
Dienstag, 24. 1. 2012
Ein gelungenes, erneutes Betonen der Ziele mit dem Arbeitsprogramm für die Jungs, während des Vorglühens, legte eine gute Grundlage für den erfolgreichen Start in dieses Arbeitstraining. Der Unterschied zum Gestrigen war regelrecht spürbar und auch in den Resultaten sichtbar. Die Jungs werden sich besonders an den sichtbaren Ergebnissen in ihrem Tagesverdienst freuen, aber ich meine auch die Arbeit selber hatte sicher mehr Spass gemacht als am Tag zuvor.
Mittwoch, 25. 1. 2012
Och – schon wieder wandern, dachte sich wohl so mancher der Jungs bei Bekanntgabe, des Tagesprogramms. Es galt einen der „Berge“ (ca. 750müM) via Strasse zu erklimmen. Man hatte von oben einen schönen Rundumblick, wenn man sich etwas um die Büsche bewegte. Leider war die Sicht nicht so klar, aber das war sowieso klar, denn es ist hier meistens nicht so klar. DS war schon mal oben und führte uns. Die Umgebung ist sehr selten grün, umso mehr erstaunte der angebaute Mais ganz oben. Vom „grün“ war jedoch nichts mehr zu sehen. Die abgeernteten Stumpen der Maispflanzen passten ihr Braun perfekt der Umgebung an. Hin und wieder war ein Mann dabei irgendwelche Überreste in Säcke zu sammeln und nach unten zu tragen. Der Berg dient der Regierung als offenes Ohr. Bewacht stehen da etliche Antennentürme, die eher Pflege als Bewachung benötigten. In den Augen der Jungs war der junge Wachmann indessen viel interessanter, denn er trug nicht nur eine Kalaschnikow, sondern auch zwei Stöpsel in den Ohren welche ihm irgendwelche Rhythmen zuflüsterten zu denen er sich bewegte. Den Abstieg schaften wir noch schneller als befürchtet. Wir konnten bei einem Fahrzeug aufsteigen und fahren. Ja, wandern ist auch nicht mehr was es mal war. Aber auch ich war froh drum, muss ich zugeben.
Donnerstag, 26. 1.12
Aus der Perspektive der Jungs, mag die Absonderung der Erwachsenen zu ihrem Teamfrühstück durchaus ein positiver Tagesbeginn sein. Immerhin beinhaltet es auch die Absenz der Erwachsenen beim Morgensport. Diesen Posten besetzen sie sehr gerne aus den eigenen Reihen. Der zum Morgensportleiter beförderte Jugendliche, ist naturgemäss nicht aktiv beteiligt, was die Motivation zu Fülle erklärt. Dies ist üblicherweise für den Montag und Mittwoch vorgesehen, diesmal aber in zweiter Instanz vom Mittwoch auf den Donnerstag verschoben.
Was kann aus der Tatsache abgelesen werden, wenn die Jungs keinen Aufstand in der Schule machen? Entweder gefällt es ihnen oder es ist vermutlich die bessere Alternative zum Arbeitstraining.
AÜ’s ester Zahnarztbesuch kam doch noch zustande, nachdem Patrick sich gestern dafür eingesetzt hatte.
Freitag, 27. 1. 12
Der gross angekündigte Kabinenwechsel fiel nicht so gross, dafür umso gründlicher aus. Alles wurde gereinigt wie schon eine Weile nicht mehr. Die Ankündigung Begründungen zu fordern seien überflüssig, wurden ebenso schnell überhört, wie sie ausgesprochen waren. Man kommt sich mitunter schon mal wie im falschen Film vor. Die anschliessende kurze aber heftige Diskussion, machte schnell klar, was hier falsch verstanden wurde. Der Aufwand förderte nicht nur Schmutz, sondern auch viele überflüssige Kleider zu Tage, die ebenso unnötig viel Platz beanspruchten und einer anderen Verwendung zugeführt werden konnten.
150 Euro später hatte AÜ nun einen neuen Zahn, auf den er lange warten musste. Es ist müssig sich über die „günstigen“ Preise zu wundern, wenn man bedenkt, dass es für hiesige Verhältnisse ca. fünf Durchschnittslöhne beinhaltet, was der Dentist da forderte. (Ich komme mir plötzlich so seltsam reich vor!!)
Samstag, 28. 1. 12
Das Ausfallen der Kabinenputzerei machte Ressourcen für das Deck frei. Da es in den Cape Verden sehr selten regnet, dafür aber umso mehr staubt, sah die Salomon schon eher Sandfarben als weiss an den Deckaufbauten aus. Wir versuchten uns also im Abstauben im grossen Stil. Wie das Resultat genau aussieht werden wir Morgen sehen, denn der danach einsetzende zögerliche Regen wusch in erster Linie die Luft und machte seine Landeplätze wieder Sandfarben. Ein richtiger Regen würde schon sehr helfen aber nicht so eine Tropfensammlung über 4 Stunden. Wir machten, was wir konnten, bis auf zwei die irgendwie immer noch Zeit für Anderes fanden, was nicht wirklich zum Putz gehörte.
Der ausgleichende Sportausflug zum Fussballstrand, mit dem Einkauf von Brot und Bananen in einer Stunde unter zu bekommen, war die Herausforderung für Manuel, was er auch schafte.
Wie fast jedes Wochenende hört man vom Land her Musik. Einige Jungs zogen es vor auf den harten Bänken im Salon unter den offenen Decksluken zu schlafen und ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich wegen der Wärme in der Kabine war. Immerhin finden sie sich gegen 0400 Uhr wieder im warmen Bett ein. Wegen der Härte der Bretter, der Kälte der Nacht oder der fehlenden Musik? Wer weiss.
Sonntag, 29. 1. 12
Der zweite Tag des Wochenendes ohne Regen. Die interessanten Details kommen aus den Reihen der Jugendlichen mit den unzähligen Konstellationen aus kleinen Begebenheiten, sich auch heute wieder keine Blösse zu geben oder was auch immer für Unvollkommenheiten sie herum treibt und mitunter auch hierher getrieben hatten.
Da dieser mein freier Tag war, bekam ich davon nicht viel mit, bis auf die Lautstärke des Badetreibens am Nachmittag. Es war mir fast unmöglich eine ruhige Ecke zu finden, wo ich etwas für mich sein konnte zum Lesen. Irgendwann reduzierte sich der Pegel und mir wurde mal wieder bewusst, die Arbeit hier ist schon gewöhnungsbedürftig. Oder man gewöhnt sich eben nicht daran und flüchtet vom Schiff.
Fredi Jäggi
Für das Abschiedsessen unseres Matrosen F.Z. und von G.F. aus Biel sowie unserer sozialpädagogischen Mitarbeiterin Madleine Laffer, welche in ihre verdienten Ferien abreiste, gingen wir letzten Sonntagabend in das neue italienische Restaurant „Club One“ in Santa Maria.
Das Club One ist ein beinahe überdimensioniert grosses Restaurant mit einem offenen Hof in der Mitte, in welchem wir an einem langen Tisch die besten Pizzas von ganz Sal zu uns nahmen.
Es war ein geselliger Abend in Uniform. Alle waren guter Laune und trotzdem nachdenklich, weil allen bewusst wurde, dass am nächsten Morgen ein spürbarer Aderlass an Jungs stattfinden würde.
F.Z. beendete seine zweite Schiffszeit auf der Salomon mit dem Rekordmeilenstand für Jugendliche von 18969sm. Seine Präsenz auf dem Schiff war enorm. Er war Schnittstelle zwischen den Jugendlichen und Erwachsenen, er leitete die Segelmanöver bravourös, kümmerte sich um viele technische Bereiche und war generell eine grosse Unterstützung für die Schiffsführung.
Auch G.F. hinterlässt eine Lücke mit seiner meist gutmütigen brasilianischen Mentalität.
Für eine „weiche Landung“ der beiden in der Schweiz soll das Brückenangebot in Rafz sorgen, in welchem sie auf einer Baustelle zum Einsatz kommen und durch gezielte Betreuung auf die Herausforderungen der Arbeitswelt in der Schweiz vorbereitet werden.
Wir wünschen den beiden, dass ihnen der Übergang in die Schweiz gut gelingt und dass sie ihren Platz im Leben finden.
Am Montagmorgen kurz nachdem wir die drei an Bord verabschiedet hatten, machten wir seeklar, um auf Überfahrt nach Sao Vicente zu gehen.
Einerseits wollten wir wieder einmal Luftveränderung nach vier Wochen Sal und andererseits war Segeln angesagt, um im Training zu bleiben. Gerade die Vormänner A.T, H.Ü sowie A.G. sollten sich ohne Matrose F.Z. beweisen – und, sie taten dies auch bestens.
Bei gutem Wind aus Nordost und recht starkem Schwell aus Nordwest segelten wir zwei Drittel der 130sm nach Mindelo, bevor wir die Maschine zur Unterstützung in der recht konfusen See einsetzten.
Einigen wurde es ziemlich schlecht. Vor allem unser neuer C.B. erhielt eine Kostprobe des Lebens auf See. Doch er gewöhnte sich recht schnell an die Bewegungen des Schiffes und am zweiten Tag ging es ihm schon viel besser.
In der Bucht von Mindelo angekommen, brauchte es zwei Ankermanöver unseres neuen Ankerchefs M.M. bis wir für den angesagten Starkwind von Freitag sicher lagen. Wir gingen ziemlich nahe zum Land vor Anker, wo der Grund aus einer Mischung aus grobem Sand und dickem Schlamm besteht.
Es zeigte sich, dass es der richtige Ort gewesen war. Der Anker hielt bestens. Backbord von uns gerieten diverse Frachtschiffe in Rutschen und mussten während der starken Böen umankern und zusätzlich mit Maschinenkraft dem Winddruck standhalten.
Wegen des seit Mittwoch starken Windes passten wir unser Arbeitstraining an und malten nur in windgeschützten Bereichen und wir nahmen uns der zu erledigenden Arbeiten unter Deck an.
Am Mittwochnachmittag gingen alle Jungs zusammen mit Manuel Maurer und Pascal Abry an den Praia Grande (einer der schönsten Strände der Welt) Wellenbaden. Die Jungs durften aber nur im stehtiefen Bereich ins Wasser. Weiter draussen, wo die grossen Wellen brachen, war es an diesem Tag zu gefährlich.
Nach dem Starkwind von Freitag und der Nacht auf Samstag brachten wir mit dem Samstagsputz die Salomon wieder auf den Vordermann und gingen danach als Lohn an den Stadtstrand Laginha von Mindelo baden und Fussball spielen. Als einziger versuchte sich M.M. mit den Einheimischen beim Fussball. Die anderen spielten unter sich oder genossen einfach die gute Stimmung am Strand.
Am Samstagabend ging D.S., unser Smutje, mit mir in den Ausgang. Wir unterhielten uns über viele Dinge: die Gruppendynamik an Bord, die kommende Zeit in der Schweiz, über Fussball und Roger Federer.
Am Sonntag gab es einen chefmässigen Brunch und danach gingen J.B, T.E., D.S und C.B. zusammen mit Manuel Maurer mit dem Aluguer (Sammeltaxi) nach Calhau ans andere Ende der Insel auf eine Vulkankrater-Wanderung.
Begeistert kamen die Ausflügler abends mit tollen Eindrücken und Fotos aufs Schiff zurück und weckten die Lust auch bei den Daheimgebliebenen demnächst auf einen solchen Ausflug mitzugehen.
Patrick Gränicher
Montag;
Unsere Arbeit ist stets geprägt von Überraschungen. Noch vor dem Morgenessen geht bei mir die Meldung ein, JB habe beim Morgenschwimmen die 14-Minutengrenze geknackt. Nur zu schade, dass ich das nicht selber gemessen habe. Gerne wird er das bei Gelegenheit nachholen!
Heute erwarten wir zwei neue Kadetten. DM und CB werden, sofern alles klappt, in Begleitung von Pascal Abry und YO`s Vater um 12:30 bei uns eintreffen. Alles ist soweit vorbereitet. Die Kojen sind hergerichtet, die Akten sind angelegt und alle Dokumente aktualisiert. Das gibt jeweils eine Menge Arbeit.
Und dann, in der Mittagspause, erreicht uns die Nachricht, dass die Neuankömmlinge am Steg stehen. Leider nur zu dritt, wie ich seit heute Vormittag weiß. DM hat es vorgezogen beim Einchecken das Weite zu suchen! Wie gesagt; unsere Arbeit steckt voller Überraschungen! Somit haben wir vorerst nur einen Neuzugang.
Da uns unser Schiffsjunge YO am Mittwoch verlässt, haben wir entschieden, dem Antrag von MM statt zu geben. Probehalber darf er eine Woche lang das Wäscheämtli übernehmen. Ab sofort wird der offene Posten im Abwasch von CB eingenommen!
Seit der Ankunft unserer Neulinge liegen mir einige Jungs in den Ohren. Weshalb wohl??
Einige Weihnachtsgeschenke sind noch ausstehend. Doch noch ist niemand dazugekommen, die eingetroffene Ware einzusehen. Wohl oder übel müssen sich unsere Jungs noch bis nach dem Essen gedulden.
Dienstag:
Es ist noch vollkommen ruhig an Bord. Ich geniesse Momente wie diese besonders.
Die Morgendämmerung liegt noch auf dem Wasser. Am Horizont sendet der Vollmond sein letztes, fahles Licht zu uns. Völlig ungestört schreibe ich die ersten Zeilen dieses Tages. Was wird der Tag uns wohl alles bringen?
Kurz vor Sieben erwacht das Leben unter Deck! Morgensport ist angesagt! Für CB ist es das erste Mal, dass er zehn Runden ums Schiff schwimmt. Gestern Abend noch hat er mich mit ungläubigen Augen angestarrt, als ich ihm bestätigt habe, dass das diese Info kein Witz sei, sondern Tradition!
Heute Morgen springt er ohne weiter Einwände seinen Kameraden hinterher und bewältigt die zehn Runden sogar innerhalb der vorgegebenen 30 Minuten! Gute Anfängerleistung.
Das Morgenessen wir etwas kürzer gehalten als sonst. Schließlich wollen wir möglichst bald den Anker lichten und die Segel setzen. Rund eine Stunde später ist es dann soweit. Die Salomon ist klar zum Auslaufen und MM, unser neuer Ankerchef beginnt mit seiner Crew, die Ankerkette einzuholen.
Wenige Minuten später sind wir bereits unter Fahrt. Höchste Zeit, von meiner Tastatur abzulassen, um nachzusehen, wie sich unsere Neulinge und Besucher fühlen!
Bei sonnig schönem Wetter und optimalem Trainingswind pflügen wir durch das türkisblaue Wasser der Kap Verden. Segel werden gesetzt, Wenden und Halsen werden gefahren. Sehr zufrieden ist unser Kapitän Patrick Gränicher und Matrose FZ mit der Leistung der Crew. Unser Moses CB klagt über Übelkeit. Auch alte „Hasen“ wie GF lassen den Kopf hängen. Wegen Seekrankheit. Komischerweise ist er der Erste, der beim Mittagessen mit einem wohl gefüllten Teller in der Messetüre erscheint. Fredi und ich tauschen vielsagende Blicke aus. Ganz offensichtlich meinen wir dasselbe. Genau wie heute morgen, als ich GF und HÜ aus den Betten holte. Schluss mit echten und vorgetäuschten Krankheiten. Auch mit etwas Kopfschmerzen und einem undefinierbaren Gefühl in der Magengegend kann man einen Segeltag überstehen!
Es ist bereits späterer Nachmittag. „Unser“ Ankerplatz ist immer noch frei und wir lassen den Anker an derselben Stelle fallen. Die Flunken graben sich in den sandigen Ankergrund und mit etwas Rückwärtsschub gräbt er sich wie ein Widerhaken in den Boden.
Für YO ist sind das die letzten gesegelten Meilen. Er wird uns morgen verlassen. Als ich Am Abend durch die Kojen gehe, um gute Nacht zu sagen, schläft er bereits tief.
Mittwoch
Leichtmatrose AG wird heute 16 jährig! Herzlichen Glückwunsch! Er feiert bereits das zweite Mal Geburtstag an Bord. Weil er abends in den Ausgang will, wird das Mittagessen zu seinem Geburtstagsessen erklärt. „Subway“ nennt sich sein Wunschgericht. Bevor es aber soweit ist, wird YO gebührend verabschiedet. Jeder Abschied hat sein eigenes Gesicht. Diesmal geht ein guter Freund. YO war oft das verbindende Glied in der Gruppe. Er wir und fehlen! YO, wir wünschen dir alles Gute für deine Zukunft! Ich für meinen Teil freue mich, in der Schweiz weitere drei Monate mit ihm weiterarbeiten zu dürfen. Also dann, bis in Rafz!
Wer geht denn schon mit einer halben Million im Rucksack auf Einkaufstour? Zusammen mit Schiffsjunge MS haben wir heute das Vergnügen. Zum Glück handelt es sich nicht um Franken, Dollars oder Euros, sondern bloß um kapverdische Escudos. Trotzdem beschleicht mich ein eigentümliches Gefühl, als ich mit so viel Geld aus der Bank komme. Diskretion ist angesagt.
Auf der Einkaufsliste stehen Fleisch, Salat, Tomaten und Brot. Einmal mehr staune ich, wie unsere Küchentiger das Feilschen und Markten drauf haben. Daneben komme ich mir sogar etwas unbeholfen vor. Erst richtig ab geht es ab, als wir die italienische Fleischerei betreten. MS parliert auf italienisch. Offensichtlich zur Freude der Verkäuferinnen…
Subway. Das schmeckt! Gute Idee, Leichtmatrose.
Da kann man ganz vornehm vor das Buffet stehen und auf jene Zutaten zeigen, die man wenig später, und auf Wunsch sogar gewärmt, zwischen den aufgeschnittenen Brotscheiben serviert bekommt. DS und MS übernehmen mit behandschuhten Händen den „Füllerjob“.
AG unser Geburtstagskind, FZ unser Langzeitmatrose und DS, Smutje seines Zeichens, verlassen unser Schiff kurz vor sechs. Da geht ja Mal die gesamte Elite in den Ausgang. Madeleine, die heute Abend den Abenddienst macht, verzieht sich nach dem Nachtessen in die Küche. Aus verlässlichen Quellen weiß ich, dass es nach der Rückkehr von AG und kurz vor dem Zubettgehen noch Geburtstagskuchen gibt. Sie kann das besonders gut!
Donnerstag
Noch selten sind wir hier vor Santa Maria so ruhig gelegen. Sehr zur Freude der gesamten Crew. Das wissen wir zu schätzen, weil wir miterlebt haben, wie es hier, auch vor Anker, rollen kann.
Das sind also beste Voraussetzungen für einen guten Tag. Heute steht erneut Segeltraining auf dem Programm. Zumindest vormittags. Am Nachmittag werden wir das Abschlussgespräch mit FZ abhalten. Dem Rest der Crew werden wir Madeleine Schule zum Thema Sklaverei auf den Kap Verden erteilen.
Nicht weit von uns entfernt liegt ein Schiff, über dessen Zweck ich mir noch nicht ganz im Klaren bin. Im Verlauf des Abends werden wir hoffentlich dieses Geheimnis lüften können. Wir sind nämlich freundlicherweise von der Besatzung zum Abendessen eingeladen worden.
Das Segeltraining findet bei wenig Wind statt. Das beinhaltet die Möglichkeit, sich für die einzelnen Handgriffe etwas mehr Zeit zu lassen, um sich diese auch besser einzuprägen. Ich selber bekomme vom Segeltraining nicht all zu viel mit. Zusammen mit unserem Praktikanten machen wir unterdessen die Küche unsicher. Pascal kocht, während dem ich mich dem Abtauen des Gefrierschranks widme. Mit heißem Wasser wird der Eiszeit auf den Leib gerückt.
POB steht für person-over-bord. Nebst Havarie und Feuer, eines der schlimmsten Ereignisse. Etwas weniger schlimm, wenn man darauf vorbereitet ist. Damit wir das auch sind, üben wir immer mal wieder. So auch heute. Während der Kapitän unsere Salomon ins Luv des Verunglückten ( heute simuliert durch einen Rettungsring) macht sich MM bereit, als Rettungsschwimmer zu fungieren. Gesichert an einer Leine stürzt er sich kopfüber ins Wasser um kurz darauf den „Verunglückten“ an Bord zu bringen!
Kurz nach dem Ankermanöver gekommen wir Besuch von irgend welchen Touristen- Jäger und Fallensteller. Kennen sie diese pseudo U-Boote, durch deren blinde, trüben Scheiben ahnungslose Touristen einen Blick in die schöne Unterwasserwelt tun können?
Pro Kopf kostet dieses Vergnügen 30 Euro!
Weil der sandige Grund vermutlich kaum Sehenswürdigkeiten bietet, haben irgendwelche Taucher eine Christus-Statue versenkt. Als Attraktion.
Heute nun, ist dem Heiligenbild beinahe unser Anker auf den Kopf gefallen!
Auf der Karte nicht eingetragen und ohne Markierungsboje versehen konnten wir diesen verborgenen Schatz nicht erahnen….
Nun wurden wir von eben diesen Touristenjäger höflich aufgefordert, ihr submarines Jagtrevier zu verlassen und anderswo zu ankern!
Weil nicht gerne Spielverderber sind, folgen wir der Aufforderung selbstverständlich ohne Widerrede….
Punkt 17:45 Uhr stehen alle Jungs in Uniform an Deck. Kurz darauf beginnen wir mit dem Transport zu unseren „Nachbarn“. Die wenigen Meter zur „Lamu“ sind bald zurück gelegt und wir werden von „Ernie“ dem Kapitän herzlich willkommen geheißen. Wenig später führt er uns über und unters Deck! Er erklärt uns, dass die LAMU als Wahlfänger gebaut wurde (was die Wahlharpune eindrücklich bestätigt) und später als Rettungsschiff einer Ölplattform eingesetzt wurde. Heute gehört sie einem deutschen Ehepaar und wird als Urlaubsschiff gebraucht. Die drei- bis sechsköpfige Crew hat den Auftrag, das Schiff in gutem Zustand zu halten.
Draussen an Deck nimmt der Maschinist „Wayne“ den riesigen Grill in Betrieb. Drinnen in der Kombüse wird das Essen von einer einheimischen Köchin zubereitet.
„Catch of de Day“ steht auf dem Plan und jede Menge Fleisch. GF und TE werden angewiesen, die Fische in Alufolie einzuwickeln. TE reagiert mit etwas grossen Augen auf die ebenfalls grossen , glasigen Augen der Fische. Keine Angst, die sind tot!
Wir genießen die Gastfreundschaft unserer Nachbarn ebenso wie das Barbecue! Besonderes Interesse finden auch die durch Planen abgedeckten Sportboote auf dem Vordeck. Ein Blick darunter lässt und große Augen machen. Alles aus echtem Carbon!
Freitag
Heute werden mal wieder ungenügende Noten verteilt. Einige Buben nehmen die vorgegebenen 20 Minuten für ihr tägliches Ämtli nicht sonderlich ernst! Wir aber schon.
Gute Noten für gute Leistung kriegt heute unser MM. Mit viel Enthusiasmus kümmert er sich um sein neues Wäscheämtli.
CB, ein Kürzel, das hier noch nicht oft verwendet wurde, steht für unser neustes Crewmitglied. Als „Moses“ macht er gestern und heute die ersten Erfahrungen mit unserem widerspenstigen Messing. Weil er im Moment etwas zu viel Unruhe in die Gruppe bringt, beschließen wir, ihn mit Arbeit zu beschäftigen. Er will wissen, ob dies nun eine Straffe sei. Madeleine erklärt ihm den Unterschied zwischen Strafe und logischer Folge. Während unserer Wochensitzung bevorzugen wir es, CB in unserem Sichtfeld zu haben.
Weil wir gestern schon auf der LAMU grilliert haben, streichen wir unser freitägliches Grillieren. Statt dessen gibt es heute Reis und die letzte Tranche Restfleisch aus dem Gefrierschrank.
Samstag
Nach dem samstäglichen Großputz folgt in der Regel ein sportliches Pflichtprogramm. Weil wir heute aber etwas ausgiebiger geputzt haben, und der bordeigene Coiffeur-Salon noch seine Tore zu öffnen gedenkt, verzichten wir auch aus zeitlichen Gründen auf den Landgang. Wichtiger scheint mir heute, dass die Buben rechtzeitig ins Bett kommen. Damit diese Zeitplanung aufgeht, muss bereits aufs timing des Nachtessens geachtet werden.
Offensichtliche fühlen sich einige Jungs vom Angebot des Friseurs angesprochen und beschließen das gratis Angebot in Anspruch zu nehmen. Gratiskunde Nummer vier erscheint kurz vor Feierabend. Mit viel italienischem Charme wickelt mich MS um den Finger und kurzer Hand verhelfe ich auch ihm zu kurzem Haar.
Nach dem Film, den ausnahmsweise ausnahmslos alle toll fanden, befördere ich die Buben in ihre Betten. Die Uhr zeigt Neuen und alle liegen zufrieden in ihren Kojen. Unsere „Dinghi-Elite“, die sich aus tendenziell bequemeren Jungs zusammensetzt, müssen allerdings um zehn nochmals kurz die Betten verlassen, um das Beiboot mittels Flaschenzüge (in der Seefahrt „Taljen“ genannt) hoch zu ziehen.
Sonntag
Das Wetter schlägt etwas um. Mehr Wind lassen auch die Wellen wieder etwas ansteigen. Im Salon herrscht derweil eine etwas ausgelassenere Stimmung. Wie ich Pascal kenne, wird er die Jungs zu einem Spiel animiert haben.
GF und CB spielen Fangen an Deck und, was mir missfällt, auch auf den Dächern. Kurzerhand pfeife ich sie von da herunter und verweise auf unsere Bordordnung. Das Abschiedsessen von FZ und GF findet an Land statt. Madeleine meldet soeben, dass sie eine geeignete Pizzeria gefunden habe.
Um 18 Uhr geht fast die gesamte Crew an Land, außer Fredi, der aus Sicherheitsgründen auf dem Schiff bleibt.
Zusammen gehen wir ein paar Schritte, bis wir etwas außerhalb von Santa Maria den Club1 erreichen. Hier werden wir höflich hereingebeten. In herrlich schönem Ambiente genießen wir die Pizza und das gemeinsame Zusammensein. Für FZ und GF das letzte Abendessen mit der Crew!
mm
Sehen Sie durch die Live-Cam von Sal die Salomon http://www.kapverden.de/live-webcams/sal-pontao-zoom.html
Wochenbericht vom 02. bis 08. Januar 2012
Montag, 02. Januar 2012
Die erste Woche im neuen Jahr beginnt relativ kühl und bewölkt, doch sind wir nach den erholsamen letzten Tagen wieder richtig motiviert für den Alltag.
In unserer Teamsitzung besprechen wir das Wochenprogramm in der Gewissheit, dass es bestimmt nicht ganz so ablaufen wird, wie wir das geplant haben.
Am Vormittag machen wir eine Bestandeskontrolle der Uniformen der Jungs und ergänzen sie nötigenfalls. Das gibt jeweils zu tun. Unerklärlicherweise verschwinden immer wieder mal Kleider. Die Jungs sind jedoch nie um eine Antwort verlegen: Entweder sind die Socken der Waschmaschine – dem Socken fressenden Monster – zum Opfer gefallen oder der Wind hat die fehlende Hose von der Wäscheleine gerissen.
Obwohl eine solche Materialkontrolle nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen der Jungs gehört, machen sie doch gut mit.
Das 1. Steuerbord-Zimmer ist heute komplett krank: AT, YO und MS liegen mit Erkältung im Bett und erhalten deshalb Schonkost und genügend Vitamine, damit sie möglichst bald wieder gesund werden.
Nach dem Mittagessen ziehen die Jungs ihre Uniformen an, um Fredi zu begrüßen. Doch die Zeit schreitet vor und noch keine Spur von Fredi. Schließlich ruft er vom Flughafen an und meldet, dass sein Flieger Verspätung hat, weil sie zwischenlanden mussten, um mehr Kerosin zu tanken. Um 14:40h ist es jedoch so weit, und Fredi kommt nach einem Monat Urlaub wieder an Bord.
Nach dem Einstehen geht es nach der Weihnachts- und Silvesterpause wieder los mit Arbeitstraining. Es ist schon eine Weile her, dass wir den Backbord-Rumpf und den GT-Streifen entrostet und frisch gestrichen haben. Das wohlbekannte helle Geräusche schallt über das Deck, das entsteht, wenn die Jungs mit dem Hammer auf die rostige Stellen klopfen.
DS hat Arbeitstraining in der Küche: Wieder einmal ist es an der Zeit, die Schränke und die Stores (Vorratskammern) auszuräumen, zu putzen und wieder ordentlich einzuräumen.
Pünktlich um 15:30h gibt es Zvieri, und wir stellen ein paar Früchte bereit, die aufgegessen sein müssen, bevor sie schlecht werden. Ich staune immer wieder über den gesunden Appetit der Jungs: Innerhalb Kürze ist ratze putz alles weg.
Um 16:15h werden die Arbeiten für heute eingestellt. Nun gilt es, das gebrauchte Material fein säuberlich aufzuräumen, damit der Feierabend beginnen kann.
Während die Jungs duschen oder noch etwas Krafttraining machen, beginnt es aus der Küche verlockend zu riechen: DS ist gerade am Fleisch anbraten und kreiert eine eigene Ragout-Sauce. Selbst der Kapitän wird davon angelockt, und er streckt seinen Kopf in die Küche herein. Kurzerhand ändert er seine Pläne und isst mit uns an Bord anstatt an Land.
Der Abend verfliegt wie im Nu. Um 20:45h beginnen die Jungs sich fürs Schlafengehen bereit zu machen, gehen Zähne putzen und sind pünktlich um 21h in ihren Zimmern. GF wird noch von FZ mit dem Dingi vom Ausgang abgeholt. Er gibt sein Retourgeld und die Belege ab und legt seine Uniform fein säuberlich zusammen, bevor auch er zufrieden ins Zimmer verschwindet.
Dienstag, 03. Januar 2012
Die Jungs machen sich nach dem Vorglühen um 09:15h an die Arbeit und entrosten weiter. Auch MS, AT und YO sind wieder mit von der Partie.
Das Arbeitstraining ist ein wichtiger Teil der Schiffsarbeit: Einerseits lernen die Jungs handwerkliche Tätigkeiten, die ihnen in ihrem Arbeitsleben zu gute kommen, und andererseits lernen sie, was es bedeutet, eine positive Einstellung zur Arbeit zu haben, Anweisungen genau zu befolgen, in einem Team zu arbeiten und sich sowohl auf Details als auch auf das Gesamte zu konzentrieren.
Einige machen motiviert mit, andere haben diesbezüglich noch zu lernen. TE z.B. hat etwas Mühe, sich zu konzentrieren und streckt immer wieder mal den Kopf in die Küche, um zu wissen, wie spät es ist, was es zum Essen gibt oder um sonst irgendeine Frage zu stellen.
MS und DS haben als Küchenteam heute Nachmittag Zimmerstunde. Sie verziehen sich gut gelaunt auf ihre Zimmer, liegen gemütlich in ihren Kojen und lesen die neuen Asterix- und Obelix-Bücher.
FZ, AG, JB, MM und TE arbeiten heute länger und zeigen guten Einsatz. FZ wird aber doch langsam unruhig, da er noch in den Ausgang möchte, und der offiziell um 17:30h beginnt. Dementsprechend spornt er die anderen zu grösserem Tempo an. Als Decksoffizier und Schiffsältester kann er schon viele Arbeiten selber anleiten und beaufsichtigen und ist somit nicht nur in der Nautik eine grosse Unterstützung.
Das Abendessen nehmen wir unten im Salon ein – im Moment ist das Wetter zu kühl in Afrika, um an Deck zu essen. Unglaublich, aber wahr.
Nach dem Abendessen und den Ämtlis ist Freizeit: MM und GF nutzen sie, um mit Mütze und Handschuhe Verstecken zu spielen. Schliesslich ist es kühl, und heute abend regnet es sogar ganz leicht!
Bei den anderen ist das Aktivity-Fieber ausgebrochen: YO, AG, JB, AT, HÜ und Manuel messen sich im Pantomimenspiel, im Wörter Erklären und im Zeichnen. TE liegt etwas fiebrig im Bett – auch ihn hat’s nun erwischt. Er kriegt einen warmen Tee und eine warme Decke und geht sogleich schlafen. Er ist für heute abend vom Dingi-Hochziehen-Dienst- suspendiert, was ihn nicht wirklich traurig stimmt. MS trinkt mit mir noch eine heisse Schokolade, und wir sprechen über dies und jenes.
Bald schon ist wieder Zeit, um ins Bett zu gehen. Die Zimmerzeit ist sehr wertvoll, mit den Jungs zu diskutieren, ihnen zuzuhören, sie vom Tag berichten zu lassen, zu erfahren, ob irgendwo der Schuh drückt etc.
„Lichterlöschen!“, ruft um 21:30h einer der Jungs, worauf einer nach dem anderen das Licht löscht. Das klappt meistens tadellos. Bis um 22h dürfen sie sich nun noch in Zimmerlautstärke unterhalten. Ab und zu dringt fröhliches Gelächter aus ihren Zimmern – es herrscht wirklich gute Stimmung unter ihnen.
Mittwoch, 04. Januar 2012
„So, Jungs, hütt göhmer an d’Mole – 4 Tonne Diesel go bunkere!“ informiert Patrick die Jungs. Er zeichnet an der Wandtafel auf, wie er das Anlegemanöver geplant hat. Die Einteilung, wer was macht, überlässt er FZ. Dieser nimmt es routiniert in die Hand, und das Manöver kann losgehen. Die Jungs sind bei der Sache, da sie wissen, dass bei einem solchen Anlegemanöver schnell mal was schief gehen kann, wenn man sich nicht konzentriert.
FZ bringt Manuel mit dem Dingi an die Mole, der von dort die Taue entgegen nehmen wird. Danach kurvt er um die Salomon herum und leitet von dort das Manöver mit an.
Es klappt alles wie am Schnürchen. Der Shell-Tankwagen steht auch schon bereit und das Tanken kann beginnen.
Wir von der Küche – DS, MS und ich – machen uns nach dem erfolgreichen Anlegen auf die Socken und gehen einkaufen. Für 50 Escudos (ca. 50 Cents) erreichen wir per Sammeltaxi Espargos – die nächst grössere Stadt.
Besonders wichtig ist die Schokolade auf unserem Einkaufszettel: Unser Schokoladevorrat hat sich stark verringert, und er sollte deshalb unbedingt wieder aufgestockt werden. So ab und zu etwas Schokolade hebt die Stimmung und hilft Spannungen zu mindern. Wenn es nach den Jungs ginge, würde Schokolade auf jeden Fall zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Selbstverständlich brauchen wir aber auch noch Gemüse, Früchte, Brot etc. Doch in dem Gemüse- und Früchteregal blickt uns gähnende Leere entgegen. Als ich nachfrage, bekomme ich die entschuldigende, aber gleichzeitig gelassene Antwort, dass das Schiff mit der Ware halt nicht angekommen sei, sondern erst morgen komme. So läuft das auf den Kapverden: „No stress, Cabo Verde!“ – alles geht beschaulich zu und her.
Also begnügen wir uns mit den Lebensmitteln, die wir bekommen und hieven sie in ein Aluguer. Der Chauffeur fährt uns durch den Hafenzoll von Palmeira direkt neben das Schiff. Es ist auch wieder mal angenehm, die Einkaufstaschen nicht im Dingi transportieren zu müssen!
Nachdem wir alle wieder an Bord sind, manövrieren wir zurück an unseren Ankerplatz. Dort angekommen, machen wir uns für unseres Mittwochnachmittags-Pflichtprogramm bereit. Heute geht’s nach Buracona – ein Ort, an dem die Klippen eine Art natürliches Schwimmbecken bilden.
Eingepfercht in einem Sammeltaxi geht die Fahrt über Stock und Stein los. Zuerst durch die ärmeren Quartiere von Espargos: Einfache Hütten säumen den holprigen und sandigen Weg. Danach fahren wir noch etwas zwanzig Minuten durch eine öde und trockene Landschaft, bis wir unser Ziel erreichen. Wir staunen über die wilde Schönheit, die sich vor unseren Augen auftut. MM ist der erste, der auf Manuels Ermunterung hin, sein T-shirt auszieht und von dem ca. 4m hohen Felsen in die natürliche Badewanne hinunter springt. Bald schon machen es ihm YO, AG, DS, JB und MS nach. Sie haben einen riesen Spass und bald schon einige Zuschauer. Schade sind GF und TE nicht dabei, sondern liegen krank im Bett. Ihnen hätte dieser Ausflug bestimmt auch sehr gefallen.
Nebst dem Springen und Baden bleibt Zeit, gemütlich auf dem Felsen zu sitzen und das Naturschauspiel der tosenden und brechenden Wellen zu beobachten und das „olho azul“ – „das blaue Auge“ anschauen zu gehen: Das ist ein Loch, in dem ca. 10m weiter unten der Ozean gurgelt. Um Mittag scheint die Sonne jeweils direkt ins Wasser hinein und lässt es blau aufleuchten – deshalb die Bezeichnung „blaues Auge“.
Begeistert kehren wir von unserem Ausflug zurück. FZ steht mit einem breiten Grinsen in der Küche: Während wir uns beim Baden vergnügten, hatte er den Auftrag, uns das Abendessen vorzubereiten. Es ist das erste Mal, dass er ein richtiges Menü kocht. Am Anfang hat gemeint, wir würden einen Witz machen. Als es ihm aber klar wurde, dass wir es ernst meinen, hat er sich zuerst mit Händen und Füssen dagegen gewehrt, es dann aber aufgegeben und sich an die Arbeit gemacht. Und das Resultat lässt sich sehen beziehungsweise schmecken: Das Chili con Carne ist zwar richtig scharf, aber äußerst lecker.
Nach dem Abendessen verbringen wir einen ruhigen und zufriedenen Abend zusammen.
Donnerstag, 05. Januar 2012
Heute morgen holen wir das Teamfrühstück nach, und die Jungs können bis 07:45h schlafen. Nach dem Morgensport, dem selbständigen Frühstücken und dem Verrichten der Ämtlis, lichten wir den Anker und machen uns wieder nach Santa Maria auf. Der Wind hat sich gelegt und so auch die Wellen. Deshalb können wir dort wieder ruhig vor Anker liegen, und in der Freizeit an den einladenden Strand gehen oder in das sympathische Städtchen.
Auf dem Weg dorthin werden wir aber von unvorhergesehenem Ostwind überrascht. Es braucht deshalb einige Manöver, damit wir unser Ziel erreichen. Die Jungs leisten ganze Arbeit. Wir können jedoch nicht an den angestrebten Ankerplatz, da es dort noch zu unruhig ist. Im Klartext bedeutet dies, dass wir heute nicht mehr an Land gehen können. Für die Ausgänger YO, DS und MS ist das ein herber Schlag – v.a. für YO, der heute sein letzter Ausgang geplant hat.
Unterwegs leitet FZ ein Segeltraining: Auf Zeit belegen, wie setzt man ein Segel korrekt bzw. wie zieht man an den entsprechenden Schoten etc. Die Jungs sind motiviert dabei und nehmen FZs Korrekturen und Anmerkungen gut an.
Nach dem Ankern stehen die Jungs ein, und Patrick gratuliert ihnen zur guten nautischen Leistung. Gleichzeitig verkündet er, dass MM AG als Ankerchef ablösen wird, da AG nach FZs Abreise neue nautische Aufgaben übernehmen wird. MM ist überrascht und gleichzeitig hoch erfreut darüber.
„Also, jetzt git’s Siesta und nochhär, am 4i git’s Kiosk!“ Die Jungs werden vom Kapitän in die Mittagsruhe entlassen. Nach einer Stunde eröffne ich den „Kiosk“ – fünf Plastikkisten mit Hygiene- und Papeterieartikeln. Immer wieder ein Highlight für die Jungs und gleichzeitig ein Übungsfeld im Umgang mit Geld: Sie sollen lernen, einzuschätzen, wie viel sie für die nächsten drei Wochen von Shampoo, Dusch- oder Rasiergel, Bleistiften etc. brauchen und nur so viel kaufen, wie nötig. Vor ein paar Monaten haben mehr oder weniger dieselben Jungs durchschnittlich 15 bis 20 Euro ausgegeben, heute sind es nur noch zwischen 5 und 7 Euro. Sehr erfreulich!
Danach gehen einige baden und spielen mit einem kaputten Surfbrett, das FZ und Patrick aus dem Meer gefischt haben. Doch als die Jungs über Juckreiz am Bauch klagen, übergeben wir das Surfbrett wieder dem Meer: Offensichtlich ist der Belag kaputt, so dass die Glasfasern nicht mehr abgedeckt sind.
Am Abend frönen die meisten Jungs wieder dem Aktivity und verbringen eine gute Zeit zusammen.
Freitag, 06. Januar 2012
Zum Frühstück gibt es selbst gebackenen Dreikönigskuchen. Anstatt des üblichen Plastikkönigs haben wir eine Haselnuss in eines der elf Brötchen gesteckt. TE freut sich riesig, als er sie in seinem Brötchen vorfindet. Nun muss einen Tag lang keine Ämtlis machen – schliesslich ist er ja König!
Da sich über Nacht der Wind gelegt hat, können wir näher an Santa Maria ankern gehen. Sobald wir dort angekommen sind, spannen die Jungs das Sonnensegel auf und verrichten einige Unterhaltsarbeiten am Schiff, während uns unsere Smutjes DS und MS ein feines „Restenzmittag“ zubereiten.
Nach der Siesta dürfen die beiden ohne unsere Begleitung an Land einkaufen gehen. Sie finden’s ziemlich amüsant, dass die Leute manchmal meinen, sie seien eine Art Polizei. Mit der Uniform und mit dem Funkgerät an der Seite ist es auch nicht von ungefähr, dass die Leute darauf kommen.
Um ca. 16:45h kommen sie müde zurück. Das Rückgeld stimmt auf den Escudo genau – alle Achtung! Das ist hier gar nicht so einfach zu bewerkstelligen, da die Einheimischen oft Euro zurück geben oder das Retourgeld auf- oder abrunden.
Wir haben inzwischen unsere Wochenrückblick-Sitzung beendet. Alle haben zu unserer ihre Wochen erfüllt. MM kann sein Glück fast nicht fassen, als er erfährt, dass er nicht nur eine Woche bestanden hat, sondern mit einer sagenhaften 4,6 sogar in den unbegleiteten Ausgang kann.
Manuel wirft den Grill an, MS installiert die Musik und schon bald geniessen wir das Zusammensein und gute Gespräche beim Grillieren.
Sa, 07. Januar 2012
„Oh nein, Samstagsputz!“- wird wohl vielen Jungs jeden Samstagmorgen durch den Kopf gehen. Da gilt es immer wieder, sie zu motivieren. Meistens braucht es nur anfängliche Überwindung, danach läuft es gut. So auch heute: Es wird geputzt und geschrubbt, gewaschen und aufgeräumt. Die Jungs lernen so jeden Samstag, dass Putzen einfach zum täglichen Leben dazu gehört und das gemeinsame Aufräumen etwas Verbindendes und Zufriedenstellendes hat.
Nach dem Mittagessen machen sich die Jungs bereit, an den Strand zu gehen, um mit Patrick Fussball zu spielen. Zuerst versuchen ein paar drum herum zu kommen und drücken Unmut aus, so dass Patrick eine klare Ansage machen muss, dass er solche Kommentare nicht mehr hören möchte.
Als die Gruppe „Fussball“ von Bord gegangen ist, kehrt auf dem Schiff Ruhe ein. FZ repariert mit Fredi den Abwassertank, und DS bereitet in aller Ruhe das Abendessen vor.
Um 16:45h werden die Fussballer von FZ mit dem Dingi abgeholt. Kurz vor der Salomon müssen sie ins Wasser springen, damit der Sand, der an ihren Badehosen klebt, nicht an Bord gebracht wird.
Nach dem Abendessen holen die Jungs ihre Decken und Kissen aus den Zimmern und installieren sich gemütlich für den Kinoabend. Als Abschluss darf YO einen Film auswählen, da es sein letzter Filmabend sein wird. Seine Wahl fällt auf „Inception“.
Nach rund zwei Stunden Spannung und Action geht der Film zu Ende, und die Jungs verkriechen sich müde, aber zufrieden unter die frisch gewaschene Bettdecke.
FZ, YO und GF formen mit Klebemasse die Anzahl Tage, die sie noch auf dem Schiff verbringen: Je kleiner die Zahl, desto grösser ihre Vorfreude und Spannung.
Sonntag, 08. Januar 2012
Die Sonnenstrahlen glitzern schon hell auf dem Wasser, als einer nach dem anderen verschlafen und die Augen reibend an Deck kommt. Die Jungs geniessen es, am Sonntag auszuschlafen. Also nicht alle. V.a. die jüngeren sind schon relativ früh wach und nerven dann oft die älteren mit unachtsamem Lärm und Gelächter.
Heute ist AGs Zopf besonders fein geraten, und wir lassen uns den Brunch so richtig schmecken.
Nach dem Vorglühen startet das übliche Sonntagnachmittagsprogramm mit Telefonieren (ein Glück, dass es diesen Sonntag klappt!), Musikhören, Spielen und Landgang: Manuel geht mit GF, TE, AG, MS und MM an den Strand, wo sie einen friedlichen Nachmittag verbringen und sich in den Wellen austoben.
Am Abend sind die Jungs, die an Bord geblieben sind, etwas aufgedreht, da sie sich den ganzen Tag ausgeruht haben und deshalb noch voller Energie sind.
Wir blicken auf eine gute Woche zurück und freuen uns über die gute Stimmung an Bord. Morgen werden zwei neue Jungs kommen, in Begleitung von Pascal Abry – unserem Praktikant vom Brückenangebot- und von YOs Vater. Die Schiffsarbeit bleibt spannend und bewegt.
Madeleine Laffer
























































































